Altdorferin darf nicht in Winkelhaid beschult werden

Ein Schulortwechsel wird nicht gestattet

Das wäre die Schule der Wahl für die Familie Klopsch. Aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, dass die kleine Melina wie ihre Schwester Isabel in Winkelhaid zur Schule geht. | Foto: Spandler2016/08/winkelhaid-schulhaus.jpg

ALTDORF/WINKELHAID – Wiehert hier der Amtsschimmel mal wieder? Eine Altdorfer Familie hat zwei Töchter, die Eltern sind beide berufstätig, die Mutter in einer Kindertagesstätte in Altenthann nahe Winkelhaid. Sinnigerweise wurde die erste Tochter bereits in Winkelhaid eingeschult, weil das nahe am Arbeitsplatz der Mutter, dem Kindergarten St. Veit in Altenthann liegt, wo die Tochter nach der Schule auch in den Hort geht. Da ist es nachvollziehbar, dass die Eltern planten, auch die jüngere Tochter ab September in Winkelhaid in die Schule zu schicken, um anschließend mit der großen Schwester in der Tagesstätte, in der die Mutter arbeitet, betreut zu werden. Alles andere wäre extrem umständlich, so die Mutter Katrin Klopsch.

Viele Gründe sprechen nach Meinung der Familie dafür, die Kinder nicht in Altdorf einzuschulen. Töchterchen Melina geht, seit sie eineinhalb Jahre alt ist, in den Kindergarten in Altenthann und hat dort ihren Freundeskreis, so dass sie da gern auch nach dem Unterricht den Hort besuchen würde.

Eine Zusage hat die Familie schon. Die ältere Schwester Isabel besucht bereits die Grundschule in Winkelhaid. In Altdorf stünde Familie Klopsch vor Problemen, wenn die Tochter nach der Mittagsbetreuung in der Schule noch anderweitig untergebracht werden müsste. Auch würde der leicht verzögerte Unterrichtsbeginn in Winkelhaid um 8.15 Uhr der Familie Stress ersparen, denn die Mutter muss um 8 Uhr im Kindergarten anfangen, ein nahezu nahtloser Betreuungsablauf könnte eher garantiert werden als beim Schulbesuch in Altdorf.
Von Seiten der Schulleitung in Altdorf und Winkelhaid war dem Gastschulantrag zugestimmt worden, so die Klopschs. Die Gemeinde Winkelhaid, die ebenfalls ihr Plazet geben müsste, lehnte allerdings den Antrag ab, und auch die Stadt Altdorf möchte die Kosten nicht tragen. Auch wäre es besser für das Kind, wenn Melina die Schule am Wohnort besuchen würde, wurde argumentiert.

Altdorf zahlt nicht

Auf Anraten von Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt hatte  sich die Familie an die Fraktionen des Stadtrats gewandt mit der Bitte, das Anliegen der Kostenübernahme im Gremium zu behandeln. „Uns ist jedes Kind willkommen“, betont Gemeindechef Schmidt, allerdings müsse die Begründung für einen Schulbesuch in der Nachbargemeinde schlüssig sein. Dies ist seiner Ansicht nach hier nicht gegeben. Und noch weitere Gründe sieht der Winkelhaider, die gegen eine Aufnahme der Tochter der Klopschs sprechen. Zum Beispiel ist es gesetzlich im Grundschulbereich nicht geregelt, dass die Nachbargemeinde zur Zahlung verpflichtet werden könne. Ab der fünften Klasse erst wäre dies der Fall. Dass man nun immer wieder Altdorfer Schüler auf eigene Kosten in Winkelhaid beschulen solle, mag der Gemeindechef daher nicht einsehen. Auch gegenüber er Gemeinde Schwarzenbruck sei das nicht fair, denn „die zahlen brav ihren Gastschulbeitrag, Altdorf aber nicht“.

Der Antrag der Familie auf Übernahme der Kosten ist also abgelehnt worden, ebenso ihr Widerspruch im Landratsamt. Die einzige Reaktion auf ihren Appell an die Altdorfer Stadtratsfraktionen sei übrigens von der SPD-Fraktion gekommen, so die Klopschs. Lediglich Altdorfs zweiter Bürgermeister Ernst Bergmann hat sich auf ihre Bitten überhaupt gemeldet und Unterstützung versprochen, berichtet Katrin Klopsch. Leider wurde das Thema aber weder in der Mai- noch in der Juni-Sitzung auf die Tagesordnung gesetzt, erst im Juli nahm man sich der Bitte an und lehnte die Kostenübernahme dann aber ab – einen Tag vor Schuljahresende.

Katrin Klopsch ist enttäuscht. „Für mich als berufstätige Mutter ist es ein großes Problem, wenn meine beiden Töchter in verschiedene Schulen bzw. Horte gehen müssten. Das resultiert aus unterschiedlichen Unterrichtszeiten, Dienstzeiten, flexiblem Dienstvertrag, Fortbildungen, Überstunden…“ appellierte die Erzieherin bereits im April an zweiten Bürgermeister Ernst Bergmann, der ersten Bürgermeister Erich Odörfer im Oktober 2015 vertrat, als man sich erstmals mit dem Thema beschäftigte. Damals bat die Familie bereits darum, man möge auch der kleinen Tochter erlauben, in Winkelhaid die Schule zu besuchen, Bergmann befürwortete dies ausdrücklich.

Warum aber wird von den Winkelhaidern nicht akzeptiert, dass die Familie die Kosten für den Besuch der Schule selber zahlt, wie sie es schließlich angeboten hat? Das könne er im Hinblick auf andere Familien nicht verantworten, findet Bürgermeister Schmidt und hat dabei auch die Gleichbehandlung der Bürger im Sinn: „Was ist, wenn der nächste in gleicher Situation einen Antrag stellt, die Kosten aber nicht aus eigener Tasche zahlen kann?“, gibt er zu bedenken.

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