Krone-Gastspiel im Herbst in Lauf

Tierschützer machen Front gegen Zirkus

Die Löwen gehören beim Circus Krone zu den Stars der Manege. Tierschützer fordern allerdings, dass Wildtiere in Zirkussen generell verboten werden. Das Bild entstand beim Laufer Gastspiel 2005.
Die Löwen gehören beim Circus Krone zu den Stars der Manege. Tierschützer fordern allerdings, dass Wildtiere in Zirkussen generell verboten werden. Das Bild entstand beim Laufer Gastspiel 2005. | Foto: PZ-Archiv2016/02/krone-lowen-2.jpg

LAUF — Es war eine freudige Nachricht für viele Laufer: Der Circus Krone gastiert Ende September in Lauf. Doch im Internet hagelt es seitdem Kritik von Tierschützern. 1750 Menschen hatten sich bis gestern in einer Online-Petition für ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusse eingetragen. Die Schelte richtet sich auch gegen Bürgermeister Bisping, der als grüner Politiker den Traditionszirkus in die Stadt geholt hat, obwohl sich „seine“ Partei bundesweit dagegen einsetzt, dass Löwen, Elefanten und Co. in Manegen gezeigt werden.

„Von diesen Reaktionen war auszugehen“, stellt Bürgermeister Bisping im Gespräch mit der PZ fest. Die Verantwortlichen von Circus Krone seien inzwischen daran gewöhnt, dass sich Protest regt, sobald das aktuelle Tourneeprogramm veröffentlicht werde. Dass die Stimmung komplett „gekippt“ sei, will Bisping so allerdings nicht stehen lassen. Die Kritiker seien deutlich in der Unterzahl. „Die meisten Menschen sind begeistert davon, dass Krone wieder nach Lauf kommt.“ Er sei in den letzten Jahren oft von Bürgern gefragt worden, ob man das tolle Erlebnis von 2005, als der Zirkus im Rahmen der 650-Jahres-Feier erstmals in Lauf gastierte, nicht wiederholen könne. Deshalb sei die Stadtverwaltung auf das Unternehmen zugegangen.

In einer Zwickmühle oder gar einem Gewissenskonflikt sieht Bisping sich selbst dabei nicht: „Als Laufer Bürgermeister ist es meine Aufgabe zu schauen, was geht unter welchen Bedingungen.“ Konkret: Solange das Tierschutzgesetz Wildtiere in Zirkussen erlaube, setze er sich dafür ein, dass Krone in der Stadt gastieren könne.

Die Verantwortung schiebt Bisping nach Berlin. Die Bundesregierung müsse ein strengeres Tierschutzgesetz erlassen, er sei klar für eine Reform. Auch dafür, dass Wildtiere in der Manege verboten werden? Auf diese Frage antwortet er ausweichend: „Das kann ich fachlich nicht beurteilen.“

Bundesweit besteht bei den Grünen dagegen Einigkeit, dass Elefanten, Bären, Nilpferde und andere Wildtiere grundsätzlich nicht in den Zirkus gehören. Erst vor kurzem forderte beispielsweise Hessens Umweltministerin Priska Hinz ein Verbot. Ebenso wie der Bundesrat, der jüngst erneut einen Entschließungsantrag an den Bundestag gestellt hat, wie bereits 2003 und 2011, als sich die Länderkammer aber jeweils nicht durchsetzen konnte.
Immerhin, in 18 EU-Ländern dürfen Zirkusse inzwischen keine Wildtiere mehr zeigen, und 45 deutsche Städte, darunter Erlangen, vermieten keine kommunalen Flächen mehr an Unternehmen, die Löwen und Co. im Programm haben.

Petition mit über 1700 Unterstützern

Auf Facebook-Foren wie „I love Lauf“ machen Tierschützer Front gegen das Gastspiel und greifen Benedikt Bisping zum Teil direkt an. Unter dem Titel „Initiative Wildtierverbot“ hat Simon Fischer aus Roth auf der Internet-Platform change.org eine Petition an die drei Bürgermeister von Lauf, Bisping, Maschler und Lang, gerichtet, in der er sich für ein kommunales Wildtierverbot in Zirkusbetrieben ausspricht.

Bis gestern hatten sich 1753 Menschen eingetragen, auch Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker hatte auf seiner Facebook-Seite für die Petition geworben. Allerdings räumt der 18-jährige Initiator ein, zu Lauf gar keinen Bezug zu haben, die Initiative habe deutschlandweit schon sieben ähnliche Petitionen gestartet.

Eine rechtliche Verpflichtung ergibt sich daraus nicht, auf change.org werden nach Angaben der Seitenbetreiber jedes Monat bis zu 25 000 Petitionen ins Rollen gebracht. Und auch Ordnungsamtsleiter Benjamin Wallner, der bei der Stadt Lauf federführend die Feierlichkeiten zum Kaiser-Karl-Jubiläum koordiniert, schreibt der Petition eher geringe Aussagekraft zu. „Wir haben zu Testzwecken dort zwei, drei fingierte E-Mail-­Adressen angegeben. Das wird nicht überprüft.“

Krone erfüllt Vorschriften

Aufgabe des Ordnungsamtes sei es, gemeinsam mit Amtstierarzt Günter Linz vom Landratsamt zu prüfen, ob sich Zirkusse an alle (tierschutz-)rechtlichen Vorgaben halten, sprich ob die Käfige groß genug sind oder der Untergrund für Tiere geeignet ist. „Wir hatten in der Vergangenheit einen gravierenden Fall bei der Haltung eines Bären in einem kleineren Zirkus, wo wir einschreiten mussten“, berichtet Wallner. Krone dagegen sei bekannt dafür, die Vorgaben mehr als nur zu erfüllen, meinen er und Bisping übereinstimmend.

Eine Stellungnahme des Nürnberger Ordnungsamtes von 2014, die damals die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Grüne eingefordert hatte, kommt auf Studien gestützt zu dem Ergebnis, dass Löwen und Elefanten in ihrem Wohlergehen in Zirkussen nicht beeinträchtigt seien. Auch gebe es keine gesicherten, einheitlichen Ergebnisse, dass Wildtiere bei Transporten grundsätzlich anders reagieren als Haustiere. Allerdings hat die Tierschutzorganisation „Peta“ mehrfach Verstöße angemahnt, auch bei Krone.

Die naturschutz- und wasserrechtlichen Bedenken, den Zirkus noch einmal auf den Pegnitzwiesen gastieren zu lassen, seien nach einer großen Gesprächsrunde mit den Verantwortlichen im Landratsamt ausgeräumt, sagt Wallner. Es wurden einige Biotopflächen ausgenommen, die der Zirkus nicht belegen darf. Insgesamt benötigt Krone eine Fläche von 30 000 Quadratmetern, die sich auf die Pegnitzwiesen (Zelt und Tiergehege), auf die Heldenwiese (Artistenwohnwagen) und den Oskar-Sembach-Ring (leere Transporter) verteilen. Mit dem Zirkus bestehe ein „vorvertragliches Verhältnis“.

„In der Bevölkerung herrscht eine breite Zustimmung zu dem Gastspiel“, glaubt Bürgermeister Bisping. Aber natürlich habe sich die Einstellung der Menschen zum Thema Tierschutz insgesamt verändert, wenn man die Situation mit dem letzten Krone-Gastspiel 2005 vergleiche.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger