Aktion für das regionale „Zehn-Kilometer-Bier“

Wenn sich Bauer und Brauer noch kennen…

Ein Prosit auf das „Zehn-Kilometer-Bier“: Braugerstenlandwirt Karlheinz Gottschalk, Bauernpräsident Günther Felßner, Brauer Friedrich Vogel, Braumeister Stephan Niklas und der Getreidespezialist beim BBV, Thomas Zenter. Foto: Fischer2014/12/93367_zehnkilometerbierdreykornfelsenervogelalle_New_1418057464.jpg

LAUF — Der Trend zu regionalen Produkten sei inzwischen sogar stärker als der zu Bio, sagt der mittelfränkische Bauernpräsident Günther Felßner aus Günthersbühl und verweist auf aktuelle Erkenntnisse aus seinem Haus. Diese Feststellung des Bayerischen Bauernverbands bildet denn auch die ideale Grundlage für das sogenannte „Zehn-Kilometer-Bier“, das bei einer Veranstaltung in der Laufer Brauerei Dreykorn beworben wurde.

Die Erklärung für dieses „Zehn-Kilometer-Bier“ sei dabei ganz einfach, so Brauereibesitzer Friedrich Vogel: „Es geht schlicht darum, dass die Zutaten für dieses Bier alle aus der Region, im besten Fall von Bauernhöfen, die nicht weiter als zehn Kilometer von der Brauerei entfernt sind, kommen.“ Insgesamt brauen derzeit sechs Brauereien dieses „Zehn-Kilometer-Bier“. Allein vier von ihnen finden sich im PZ-Land.

Was nicht verwundert, ist doch die Initiative tatsächlich eine Idee aus dem Nürnberger Land. Vor drei Jahren wurde sie mehr zufällig bei der traditionellen Hopfenbegehung im Landkreis geboren, erzählt Felßner, damas noch Bauernobmann im Nürnberger Land. Einer der Hintergründe waren die schwindenden Hopfen- und Braugersteanbauflächen in der gesamten Region, ein anderer die Überlegung, regionale Produkte besser vermarkten zu können.

Neben den Hopfenpflanzern und drei Mälzereien fanden sich so zehn Getreidebauern und sechs Brauereien zusammen, die unter der Federführung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide (Getreide für die Lebensmittelproduktion, im Gegensatz zu Futtergetreide) ihre Verträge sozusagen „auf dem kleinen Dienstweg“ aushandeln. Denn, darauf ist Felßner besonders stolz, Bauern und Brauer brauchen hier keine teure Zertifizierung, kein Label, sondern vertrauen sich gegenseitig und halten sich an die Qualitätsstandards.

Immerhin 300 Tonnen Gerste konnten so in diesem dritten Erntejahr direkt als Braugerste an die sechs Brauereien gebracht werden. Zu einem Preis, der weit über dem üblichen Handelspreis für Braugerste liegt, wie bei der Pressekonferenz am Sudkessel der Brauerei Dreykorn gesagt wurde. 26 Euro pro Doppelzentner habendie Bauern dafür erhalten. Das Geld sei die Gerste aber auch wert, so Bauer Karlheinz Gottschalk aus Oberferrieden. Einfach weil der Aufwand für ihren Anbau sehr hoch sei. Da müsse auf die Düngung, auf die Fruchtfolge und die Bodenbeschaffenheit viel mehr geachtet werden, als beim Futtergetreide oder anderen Früchten.

Während also Großbrauereien ihre Gerste aus der Ukraine oder Frankreich beziehen, könne sich der Biertrinker mit dem „Zehn-Kilometer-Bier“ seiner regionalen Produkte sicher sein, erklärt Brauer Friedrich Vogel. Und damit dies der Kunde auch nachvollziehen kann, werben die Brauerein mit Schildern direkt in den Gerstenäckern für ihr Produkt mit den kurzen Wegen.

Dass die Idee ankomme, das zeige sich inzwischen auf vielen Messen, wo Brauer und Bauern gemeinsam auftreten, so Felßner, zum Beispiel auf der Consumenta in Nürnberg. Hinzu komme, dass kleine Brauereien derzeit tatsächlich eine Renaissance erlebten.

Von der Qualität des regionalen Bieres konnten sich natürlich alle Teilnehmer der Präsentation bei einem Glas Dreykorn-Weihnachtsbier persönlich überzeugen. Eine Spezialität, wie sie längst ähnlich auch von den anderen „Zehn-Kilometer-Bier-Brauern angeboten wird, die da sind: Brauerei Wiethaler Neunhof, Brauerei Kanone Schnaittach, Brauerei Bub Leinburg, Lindenbräu Gräfenberg und Brauerei Döbler Bad Windsheim.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer