Antrag für Ratsbegehren – Diskussionsabend am Mittwoch

Outlet: Kommt jetzt ein Bürgerentscheid?

Das Marken Outlet Roppenheim von Neinver an der elsässisch-deutschen Grenze eröffnete im April 2012. Europaweit betreibt das spanische Unternehmen 17 Outlets, das bekannteste in Deutschland ist das „The Style Zweibrücken“. | Foto: Neinver2016/07/cgillespecqueur_thestylesoutlet_roppenheim_1.jpg

ALTDORF – Noch anderthalb Wochen, dann will der Altdorfer Stadtrat sich erneut mit den Plänen für ein Marken Outlet Center an der Nürnberger Straße befassen und diskutieren, ob das Projekt eine Chance bekommt oder stattdessen ein Gewerbegebiet auf dem Areal am westlichen Stadtrand entstehen soll. Das Gebiet für örtliches Gewerbe plante Professor Hubert Kress aus Erlangen. Es sieht neben der Firmen-Bebauung direkt an der Nürnberger Straße ein Hotel und eine Stadthalle vor. Die Pläne für das Outlet dagegen hat der Altdorfer Architekt Martin Pöllot erstellt, ebenfalls mit Stadthalle und Hotel.

Bauen will das Marken Outlet der spanische Immobilienkonzern Neinver, dessen Geschäftsführer für Deutschland, Sebastian Sommer, die Pläne den Stadträten auf deren jüngster Sitzung erläuterte (wir berichteten). Das geplante Outlet Center umfasst etwa 75 bis 80 reine Markenshops, 80 Prozent der Geschäfte bieten Textilien an. Aktuelle Markenware, so betonte Sommer, sei nicht im Angebot, vielmehr Kollektionen aus dem Vorjahr mit einem Preisnachlass von 30 Prozent. Lebensmittelläden, Elektromärkte oder anderes sollen im Outlet nicht vorgesehen sein.

Bis zu 1000 Arbeitspätze

Zwischen 500 und 1000 Arbeitsplätze könnten nach Angaben von Neinver im neuen Designer Outlet entstehen, davon 66 Prozent sozialversicherungspflichtig. Die Zahl ergibt sich aus den Erfahrungswerten, die das spanische Unternehmen in seinen weiteren Outlets in Deutschland sammelte.

Für lokale Geschäftsleute soll das Marken Outlet offen stehen, Sommer betonte, dass Altdorfer Gastronomen und Händler Läden darin betreiben könnten. Auch wichtig für Altdorf: Gewerbesteuern werden von Betreiber, Mietern und Dienstleistern am Ort bezahlt. In seinem Marken Outlet in Zweibrücken zahlt Neinver jährlich nach Angaben von Sommer einen hohen sechsstelligen Betrag in die Stadtkasse.

Ein Teil der Besucher – Neinver geht von 7 bis 20 Prozent aus – wird auch die Altdorfer Innenstadt besuchen. Damit die Menschen nach Altdorf kommen, sind Marketing- und Werbemaßnahmen nötig, dafür stellt Neinver jährlich mehrere Millionen Euro bereit.

Outlet Gegner befürchten, dass die Innenstadt bei einer Realisierung des Projekts verödet, weil Läden schließen müssten. Sommer versucht da zu beruhigen: Bislang habe man das noch bei keiner Outlet Ansiedlung in Deutschland beobachten können. Der Handelsverband Bayern (HBE) allerdings ist skeptisch. Natürlich hat ein Marken Outlet direkte Auswirkungen auf die örtliche Geschäftswelt, sagt HBE-Bezirksgeschäftsführer Uwe Werner. Dazu mehr in unserer Ausgabe am Mittwoch, 20. Juli.

Verkehrsplanung entscheidend

Die Planer wissen, dass das Outlet-Projekt mit der Verkehrsplanung steht oder fällt. Um die Kundenströme von der Autobahn ins Center zu leiten, ist deshalb ein neuer Kreisverkehr direkt an der Autobahnauffahrt geplant. Ein Verkehrsgutachten muss dafür noch die Machbarkeit belegen. Wenn die problemlose Zu- und Abfahrt nicht möglich ist, lässt Neinver seine Pläne für Altdorf fallen.

Im Internet wird das Thema derweil heiß diskutiert, auch von Stadträten. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass es am 28. Juli möglicherweise doch keine Entscheidung in Sachen Outlet-Ansiedlung gibt. Aus den Reihen der SPD gibt es Stimmen, die für einen Aufschub plädieren. „Man sollte vielleicht einfach mal entschleunigen“, so SPD-Fraktionschef Martin Tabor auf Facebook.
Das will nun auch die CSU. Deren Fraktionschef Thomas Kramer spricht sich für ein Abwägen des Für und Wider unter Einbeziehung der Bevölkerung aus. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass über die Köpfe der Bürger hinweg eine derart weitreichende Entscheidung im Schnellverfahren durchgedrückt wird, heißt es in einer aktuellen Presseerklärung der Altdorfer Christsozialen. Deshalb hat die CSU-Fraktion jetzt die Durchführung eines Ratsbegehrens beantragt.

„Im Vorfeld dieses Bürgerentscheids kann über dieses Thema offen und ausführlich diskutiert werden“, so Kramer. Gelegenheit dazu gibt es am Mittwoch, 20. Juli, im Altdorfer Sportpark. Dann lädt die CSU um 19 Uhr zu einem Diskussionsabend ein.

Die Altdorfer Grünen haben sich im Stadtrat mehrfach vehement gegen das Outlet-Projekt ausgesprochen, FW/UNA ist bereits vor zwei Wochen mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit gegangen, in der sie das Outlet ebenfalls ablehnt. So auch Teile der Altdorfer SPD: Stadträtin Karin Völkl hat sich in einem Beitrag für die Parteizeitung „Lupe“ gegen ein Outlet ausgesprochen. „Es widerstrebt mir im Innersten, dass hunderttausende von Menschen viele Stunden und Kilometer auf der Autobahn zurücklegen, nur um irgendwo leicht angekratzte Designerklamotten, -taschen oder -schuhe zu kaufen – das ist nicht umweltfreundlich, das ist nicht nachhaltig, das ist überflüssig“, schreibt Völkl.

 

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten