Bezirksvorsitzender des Handelsverbands fürchtet um das wichtige Weihnachtsgeschäft

Jürgen Oriold: Händler sind „fassungslos“ über 2G-Regel

Künftig dürfen nur noch Geimpfte und Genesene mit Nachweis einkaufen. | Foto: AdobeStock_4561618542021/12/AdobeStock_456161854-scaled.jpg

Lauf – Wie erwartet hat die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag strengere Corona-Maßnahmen beschlossen, darunter 2G im Einzelhandel, mit Ausnahme von „Geschäften des täglichen Bedarfs“, also Supermärkten oder Drogeriemärkten. Das bayerische Kabinett hat am Freitag beschlossen, dass die Regelung ab Mittwoch, 8. Dezember, gilt.


Jürgen Oriold, der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Handelsverbands (HBE), der in Lauf ein Fotogeschäft betreibt, ist bedient. Er hat mit einigen Kollegen gesprochen, alle seien „fassungslos“, sagt Oriold.
„Wir fühlen uns betrogen“, ergänzt er. 2G komme einem Lockdown gleich. Die Befürchtung der Branche: Dass nicht nur die Ungeimpften als Kunden wegfallen, sondern auch alle anderen. Die Leute würden aufgrund der höheren Hürde, den Impfnachweis und den Personalausweis vorzeigen zu müssen, gar nicht mehr einkaufen gehen, fürchtet er.

HBE-Bezirksvorsitzender bangt um Weihnachtsgeschäft


„Das ist das zweite Weihnachtsgeschäft in Folge, das nicht stattfinden wird“, klagt Oriold. „Wut, Verzweiflung, Entsetzen im Handel sind riesengroß.“ Er hofft jetzt, dass die Laufer den Handel nicht im Stich lassen.


Auch die Umsetzung der 2G-Regel ist laut Oriold nicht geklärt. „Wir wissen nicht, wie das in der Praxis funktionieren soll.“ Muss künftig jedes Geschäft einen Mitarbeiter an die Tür stellen, um die Kunden abzupassen und zu überprüfen? „Das ist nicht zu Ende gedacht“, findet Oriold.


Passbilder kann man als Ungeimpfter bei „Ringfoto Oriold“ weiter machen, als Handwerksbetrieb braucht es dafür keinen Nachweis. Doch will der Kunde noch einen Bilderrahmen kaufen, muss Oriold künftig auf 2G achten – der Händler macht keinen Hehl daraus, dass er davon nichts hält.

Oriold: „Der Handel ist kein Pandemietreiber“


„Der Handel ist kein Pandemietreiber, das ist oft bewiesen worden“, sagt Oriold. „Wir fühlen uns nach Strich und Faden verarscht.“ Profiteure der neuen Regel dürften der Online-Handel, aber auch Drogeriemärkte sein, für die 2G nicht gilt. Diese hätten während des Lockdowns im letzten Winter „das Geschäft ihres Lebens gemacht“, klagt Oriold. Währenddessen sei er „mit Almosen abgespeist worden“, so gering seien die Staatshilfen gewesen.


Oriold verweist auf ein vom Handelsverband Deutschland (HDE) in Auftrag gegebenes Gutachten. Die beauftragte Kanzlei kommt zu dem Schluss, dass 2G im Einzelhandel verfassungswidrig ist.

Händlerin äußert Verständnis für 2G


Verständnis für die strengeren Regeln äußert Martina Kramer. Sie führt den Geschenkeladen „La Casita“ in Lauf. „Ich finde es richtig“, sagt Kramer. Irgendetwas müsse die Politik aufgrund der Lage ja tun. „Ich finde es erschreckend, was in den Kliniken abgeht.“


Die Schuld für die Situation sieht Kramer bei den Umgeimpften. „Wenn wir eine höhere Impfquote gehabt hätten, hätten wir diese Maßnahme nicht gebraucht“, glaubt sie. Es sei traurig, dass die Infiziertenzahlen so hoch seien.


Kramer spricht von einer Einschränkung und Herausforderung, ein großer Teil der Kunden falle weg, darunter auch viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche, die bei „La Casita“ Weihnachtsgeschenke für ihre Eltern besorgen. Die Händlerin bleibt aber optimistisch: „Wir kriegen auch das hin.“


Auch sie fragt sich, wie die Umsetzung von 2G funktionieren soll. „Wir wollen jeden Kunden bedienen.“ Denkbar seien Abholung an der Ladentür oder Lieferservice für Ungeimpfte.

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