Bahn stellt neue Pläne für das ICE-Werk vor

„Wir werden den Widerstand vorbereiten“

Ein ICE-Instandhaltungswerk - wie hier in Köln-Nippes - soll kommen. Mit zwei Gebieten auf der Muna in Feucht und einem in Harrlach ist die Bahn ins Raumordnungsverfahren gegangen. | Foto: DB Vertriebs GmbH2021/12/Burgthann-ICE-Werk-Koeln-Nippes.jpg

FEUCHT – Die Deutsche Bahn veröffentlicht neue, konkretisierte Bewertungsräume für die potenziellen Standorte Muna Nord und Süd. Während der Bund Naturschutz von einer Farce spricht, möchte Feuchts Bürgermeister Jörg Kotzur die neue Bundesregierung ins Boot holen.

Unter der Überschrift „Mit Impulsen aus Bürgerdialog auf dem Weg zur Raumordnung“ hat die Deutsche Bahn einen neuen Abschnitt auf dem Weg zur Eröffnung des Raumordnungsverfahrens zum Projekt ICE-Instandhaltungswerk öffentlich eingeleitet. Neu sind dabei die Pläne zu den drei möglichen Standorten Muna Nord und Muna Süd sowie Harrlach, in denen nun ein „konkretisierter Bewertungsraum“ definiert ist. Der soll in allen Fällen weniger als die bisher vorgeschlagenen Fläche beanspruchen – die ursprünglicher Bewertungsraum heißt.

Im Bürgerdialog“, sagt Projektleiter Carsten Burmeister, „konnte das Projektteam nicht nur Fragen klären, sondern auch Impulse für die weitere Planung mitnehmen. Zahlreiche Menschen aus der Region haben uns in persönlichen Gesprächen ihre Anliegen geschildert. Gerade die Tests der ICE-Hupen lösen Sorgen aus. Dafür werden wir gemeinsam eine verlässliche Lösung finden. Die Menschen haben auch interessante Ideen für Verbesserungen ins Spiel gebracht.

Wo bleibt der Umweltgedanke?

Die Bürger, so sie denn organisiert gegen die Ansiedlung des ICE-Werkes im Reichswald sind, haben eine völlig andere Sicht der Dinge. Barbara Dorfner, Sprecherin der BI Röthenbach/St.W., vermisst in dem Dialog vollkommen den Umweltgedanken: „Wir kämpfen seither, dass alle drei Standorte nicht geeignet sind. Wir sehen ein, dass ein Werk gebaut werden muss, aber es ist uns unverständlich, wie eine „grüne Bahn“ auf die Idee kommt, in den Wald rein zu bauen. Ob man die Pläne von oben, unten oder von der Seite betrachtet: Sie durchschneiden immer ein Waldgebiet, besonders heftig ist das am Jägersee.

Wir verteidigen hier die Klima-Anlage von Nürnberg Süd“, verdeutlicht die Sprecherin der BI, die dieser Tage zum eingetragenen Verein wurde, und schiebt zur Kommunikation mit der Bahn nach: „Als Bürgerdialog empfinden wir das nicht, wir warten immer noch auf die schriftliche Beantwortung der Fragen, die wir im Oktober gestellt haben. Der Herr Burmeister beantwortet nur technische Fragen, die Naturverträglichkeit ist nicht sein Thema.

„Drei Standorte im Reichswald sind eine Farce“

Auch von Seiten des Bund Naturschutz (BN) gibt es Kritik. „Durch die konkretisierten Bewertungsräume hat sich am Grundproblem ja nichts verändert: Alle drei Standorte liegen im Reichswald, alle liegen im Vogelschutzgebiet und zum überwiegenden Teil auch im Bannwald“, sagt Tom Konopka, Regionalbeauftragter des BN. Wichtig ist es ihm zu betonen, dass der BN das Projekt nicht grundsätzlich ablehnt. Man sei sich über die Notwendigkeit bewusst und wolle, dass künftig mehr Menschen mit der Bahn fahren. „Aber drei Standorte für ein Raumordnungsverfahren vorzuschlagen, die sich alle drei im Reichswald befinden, ist eine Farce“, sagt Konopka. Daher wird der Bund Naturschutz „mit den Bürgerinitiativen und betroffenen Kommunen weiterhin den Widerstand vorbereiten. Wir erwarten von der Bahn, dass sie mindestens einen Standort nennt, der nicht im Reichswald liegt.

Der geplante Abgabetermin für die Unterlagen des Raumordnungsverfahrens wird nun um einen Monat verschoben. Dies sollte von der Bahn auch dazu genutzt werden, den bisherigen Suchprozess zu überdenken. „Es muss weiter im süddeutschen Raum gesucht werden“, ist Tom Konopka überzeugt.

„Grundlegende Neuorientierung erforderlich“

Am besten also alles auf Null stellen? Das wäre für die Harrlacher BI die Lösung: „Wir halten eine grundlegende Neuorientierung für dringend erforderlich. Die erstrebenswerte Verkehrswende darf nicht dazu führen, dass Pläne der Bahn als alternativlos gelten und alle anderen Umweltkriterien außer Acht gelassen werden. Eine echte Verkehrswende und damit angestrebte CO2-Reduzierung kann nicht mit der Abholzung von 45 Hektar Bannwald erreicht werden, ist doch der Wald einer der wichtigsten CO2-Speicher.

Auch die Politik vor Ort beeindruckt die Umzeichnung der Pläne nicht gerade. Feuchts Bürgermeister Jörg Kotzur bläst ins selbe Horn wie Tom Konopka und sieht das Grundproblem nicht behoben. „Die Standorte sind immer noch dieselben, an unserer Haltung ändern die konkretisierten Bewertungsräume rein gar nichts“, stellt er klar. Hoffnung, doch noch einen neuen Standort ins Spiel zu bringen, macht Kotzur nicht nur ein runder Tisch mit politischen Vertretern im Januar noch vor Beginn des Raumordnungsverfahrens.

Eine Mail in den Bundestag

Auch bei der neu zusammengesetzten Bundesregierung sieht Feuchts Bürgermeister vielleicht die Möglichkeit, nochmals neue Bewegung in das Projekt zu bringen. „Ich möchte Vertreter der neuen Regierung direkt ansprechen, diesen in einer E-Mail die Situation genau schildern und ihnen klarmachen: Mobilitätswende ja – aber nicht um jeden Preis.

Direkt betroffen von beiden Muna-Standorten ist Inge Jabs. Sie reagierte auf die neuen Bewertungsräume „wütend“. Vor allem, weil sie beim Bürgerdialog vor wenigen Wochen Projektleiter Burmeister fragte, ob es passieren könnte, dass die Bahn den Wendekreis vom südlichen ins nördliche Muna-Gebiet verlegt. „Herr Burmeister hat das klar abgelehnt“, schimpft Jabs. Auch für das SPD-Marktgemeinderatsmitglied ist klar, dass der Protest weitergehen muss. „Als Vorsitzende der Waldsiedlung überlege ich mir rechtliche Schritte. Klar ist: Die Bahn muss den Protest spüren.

Von Daniel Frasch und Paul Götz

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