Neue Kletterrouten in der Wilfried-Brunner-Halle

Die Wände hochgehen

Das richtige Schrauben will gelernt sein: Seit 16 Jahren entwirft und befestigt Felix Salomon bereits Kletterrouten. Damit auch alle Kletterer auf ihre Kosten kommen, gibt es Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. | Foto: Daniel Frasch2020/09/Feucht-DAV-Felix-Salomon-scaled.jpg

FEUCHT – In der Kletterhalle des DAV Sektion Feucht laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Bis die Halle Ende September öffnet, müssen noch viele neue Routen geschraubt werden.

Sechs Monate ist es her, als der Corona bedingte Lockdown auch die Wilfried-Brunner-Kletterhalle des DAV Sektion Feucht mit voller Wucht traf. Von heute auf morgen war Schluss, die Halle wurde mit sofortiger Wirkung geschlossen, die Kletterer hatten auf einen Schlag ihre Heimat verloren. Anders gestaltet sich die Situation ein halbes Jahr später: Denn am 28. September steigt die offizielle Wiedereröffnung der Halle, dann können Kletterbegeisterte endlich wieder die Wände hochgehen. Doch bevor es soweit ist, wird wie jedes Jahr fleißig gewerkelt. Vor allen Dingen wird geschraubt.

Auf rund 90 verschiedenen Routen können sich Kletterer ab Ende des Monats ausprobieren und austoben. Von Schwierigkeitsgrad drei bis hin zu Stufe zehn: Jeder, egal auf welchem Kletter-Niveau er sich befindet, soll dabei auf seine Kosten kommen.
Einer, der die neuen Routen entwirft und schraubt, ist Felix Salomon. Mit Drehschlüssel und Akkuschrauber bewaffnet dreht der drahtige Mann in der Halle seine Runden, immer auf der Suche nach dem richtig platzierten Griff. „Um eine schöne Route schrauben zu können, braucht man schon ein gewisses Gefühl für Bewegungen und Züge“, erklärt er. „Jemand, der selbst über ein breites Spektrum an Klettererfahrung verfügt, kann sich einfach schönere Routen einfallen lassen“, schiebt er nach.
Er muss wissen, wovon er spricht: Bereits 1999 hat Salomon selbst mit dem Klettern angefangen, fünf Jahre später dann öffnete eine DAV-Kletterhalle in seiner damaligen Heimat am Bodensee. Seitdem schraubt der 40-Jährige leidenschaftlich und regelmäßig neue Routen.

Rund eineinhalb Stunden pro Route

Pro Route rechnet Salomon rund eineinhalb Stunden ein – die Theorie im Vorfeld nicht inbegriffen. Wie lange es dauert, bis ein neuer Weg vom Boden aus zum Hallendach fertiggestellt ist, hängt jedoch nicht nur von der Erfahrung des Schraubers, sondern auch vom Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Route ab. „Leichtere Routen haben meist mehr Griffe und brauchen daher eher länger, bis sie fertig sind. Schwere Routen wiederum haben weniger Griffe, da geht es dann prinzipiell schneller. Dafür muss man bei diesen auch mehr denken“, erklärt Salomon.

Wolfgang Stolzenberg, Vorsitzender des DAV Sektion Feucht, hakt ein: „Ich hab einmal eine Route selbst geschraubt, um mitreden zu können. Ich war damit zwei Tage beschäftigt.“ Soll heißen: Ein Akkuschrauber allein macht längst keinen guten Schrauber aus. Neben der Hebebühne zählt auch der Sitzgurt zum Werkzeug eines Schraubers. Der wird an Stellen benötigt, an denen die Hydraulik an ihre Grenzen stößt. Der Haken: Der Schrauber muss sich dabei nicht nur selbst sichern, sondern kann auch längst nicht alle benötigten Griffe auf den weiten Weg nach oben mit sich führen. Mehrmaliges Auf- und Abseilen gehören demnach dazu.

So sieht es aus, wenn Felix Salomon und seine Schrauber-Kollegen fertig sind. Insgesamt bietet die Kletterhalle in Feucht rund 90 verschiedene Routen. Foto: Daniel Frasch2020/09/Feucht-DAV-Kletterhalle-Griffe-scaled.jpg

Diese aufwendige Prozedur wiederholt sicht in der Wilfried-Brunner-Kletterhalle jährlich. In erster Linie, um den Kletterern ausreichend Abwechslung zu bieten. Aber auch regelmäßiges Waschen der Griffe ist notwendig: Chalk, auch bekannt als Magnesiumcarbonat, sowie Fußabrieb hinterlassen über die Zeit ihre Spuren, weshalb die Griffe regelmäßig in einer extra angefertigten Lauge gesäubert und wenn nötig auch gebürstet werden müssen.

Vor der offiziellen Hallenöffnung in gut zwei Wochen wird jede Route schließlich noch einmal explizit geklettert und geprüft. Sollte eine Schraube nicht ganz fest sitzen, wird sie nachgezogen und ein Mängelprotokoll geführt. Eine Art interner TÜV der Feuchter DAV Sektion, der Verletzungen durch gelockerte Griffe verhindern soll.
Zum Start werden 20 Kletterer gleichzeitig die neuen Routen besteigen können, mehr lassen die aktuellen Corona-Auflagen noch nicht zu. Apropos Corona: Der Bergsport gehört zu den wenigen Sportarten, die von der Pandemie in gewisser Weise profitiert haben. „Die Berge sind momentan voll wie noch nie“, weiß Monika Blümm, stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Rund 1700 Mitglieder

Überhaupt muss sich die Feuchter Sektion weder um Nachwuchs, noch um Mitglieder im Allgemeinen Sorgen machen. „2010, ein Jahr nach der Eröffnung unserer Kletterhalle, hatten wir prozentual gesehen den größten Zuwachs aller DAV-Sektionen in ganz Deutschland. Damals ist die Mitgliederzahl von 470 auf 1799 gestiegen“, erinnert sich Wolfgang Stolzenberg an die Anfänge zurück. Aktuell zählt der Verein rund 1700 Mitglieder, die sich an der „familiären Atmosphäre in der Halle“ erfreuen, wie Blümm betont.

Eine Mitgliedschaft bietet neben der Klettermöglichkeit in der Wilfried-Brunner-Halle noch weitere Vorteile: Neben der weltweiten Versicherung bei alpinen Unfällen zählen auch Vergünstigungen auf über 2000 Hütten der alpinen Vereine dazu.

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