Voruntersuchungen

Brief-Fund in der Hersbrucker Stadtkirche

Dietrich Kappler (links) und Pfarrer Thomas Lich
teneber zeigen den Überraschungsfund: einen Brief von 1889. | Foto: A. Pitsch2019/05/IMG_5030.jpeg

HERSBRUCK – Wird ein altes Gebäude saniert, tun sich oft Überraschungen auf. Doch mit diesem Fund in der Hersbrucker Stadtkirche hatten auch Pfarrer Thomas Lichteneber und Architekt Dietrich Kappler nicht gerechnet.

Angefangen habe eigentlich alles vor rund drei Jahren, blickt Dietrich Kappler zurück, der die Bauangelegenheiten der Stadtkirche für die Kirchengemeinde im Blick behält. „Damals ist ein größeres Stuckteil von der Decke der zweiten Empore auf die erste heruntergefallen.“

Passiert sei seitdem nichts mehr, sagt Kappler. Doch unter Pfarrer Lichteneber griff der Kirchenvorstand das Thema wieder auf, um endlich zu klären, warum das damals passierte und was unter dem Stuck drunter sei. Also rückte Stuckrestaurator Adalbert Wiech aus Nürnberg an. „Er hat etliche Risse festgestellt, konnte aber auch nicht genau sagen, woher die kommen“, erklärt Kappler.

Ein Statiker wurde ins Kirchenschiff geholt. Er riet, auf den Emporen an verschiedenen Stellen die Böden zu öffnen. „So konnten wir auch sehen, ob die Balken, die von der Empore ins Mauerwerk hineingehen, morsch sind oder nicht“, berichtet Kappler. Zur Verwunderung aller stellte die ausführende Zimmerei Lindstadt fest, dass bereits neue Laschen an die Bretter anmontiert waren. „Das muss während der Generalsanierung in den 80ern gemacht worden sein“, recherchierte Kappler, „da wurden die Emporenböden gerichtet und entsprechend verstärkt“.

Eine akute Gefahr bestehe daher nicht. Ende Mai rechneten Kappler und Pfarrer Lichteneber mit dem Gutachten des Statikers. Das ergänze der Stuckrestaurator mit seiner Kostenschätzung und dann könne der Kirchenvorstand beraten, ob und wann er eine Sanierung angreife, erläuterte Lich-teneber das Prozedere und fügte lächelnd an: „Spenden dafür sind übrigens immer willkommen.“

Dach macht Sorgen

Denn: Auch an den Dachstuhl des Langhauses müssen mittelfristig, also in ein bis zwei Jahren, schätzt Kappler, Experten ran. „Da kommt dann ein sechsstelliger Betrag auf uns zu“, denkt Kappler.

Als Lichteneber und Kappler die Voruntersuchungen gedanklich schon fast abgehakt hatten, entdeckte der Zimmerer-Azubi Kilian Knodt zwischen allerlei Grusch im Unterboden der dritten Empore ein kleines Brieflein. Fein säuberlich gefaltet und ohne Schriftzug am vergilbten, aber intakten Umschlag lag es zwischen Programmen von Gottesdiensten und Kinderbibelwochen. „Die werden wohl durch die Ritzen der Bretter dahingelangt sein“, vermutet Kappler schmunzelnd.

Im Gegensatz zum Briefchen vom 31. Juli 1889: Darin ist in klarer, zierlicher Schrift vermerkt, dass „im Jahre des Heils 1889“ die Emporen erweitert wurden und die Orgel auf die zweite Empore herabgehoben wurde. Mit der Feder hat der Schreiber noch aufgelistet, dass Dekan Hacker der Kirchenverwaltung vorsaß und der „Bürger Veit Raum“ Kirchenpfleger war.

Als Verwaltungsmitglieder entschlüsselte Kappler „Andreas Liedel, Weißgerber, Johann Friedrich Raum, Kupferschmied, Paul Ehrlein, Bierbrauer, Christoph Schmidt, Hopfenhändler, Ludwig Soergel, Bierbrauer“. Für die schriftlichen Arbeiten war „Herr Magistratskassier Osterchrist“ zuständig.

Heu, Bier, Fleisch

Doch nicht nur die Namen und Berufe geben einen Einblick in das Stadtleben von damals. „Das Pfund Ochsenfleisch kostet 65 Pfennig, Schweinefleisch 69 Pfennig, ein Liter Bier 24 Pfennig. Heu hat es heuer sehr viel gegeben“, ist außerdem zu lesen. „Normalerweise findet man so etwas in der Turmkugel“, sagt Lichteneber.

Solche Infos aus der Gegenwart seien bei größeren Renovierungen nicht unüblich. Dieser Ort sei es aber schon. Kappler bezeichnet den Fund daher als eine Art „Flaschenpost“, die schon mal irgendwann jemand finden wird. Jetzt wird das Briefchen im Pfarrarchiv abgelegt. Vielleicht bekommt es ja bei der nächsten Sanierungsmaßnahme Gesellschaft.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch