Hewa greift in Region aus

„Eine besondere Energie“

Demnächst kann Hersbruck vier Nahwärmenetze vorweisen, für eines liefert das Hackschnitzel-Kraftwerk die Grundlast, dreimal ist Gas der Brennstoff. | Foto: Hewa GmbH2018/01/8625488.jpeg

HERSBRUCK – Eine beispielhafte Kooperation der Hewa GmbH mit den Waldbauern als regionale Energieerzeuger, Kraft-Wärme-Projekte und demnächst bereits vier Nahwärmenetze in der Stadt. Was Alternativ-Energien angeht, rührt sich einiges in Hersbruck. Das hundertprozentige Kommunalunternehmen schafft sich seit einer Weile eine zukunftstaugliche Basis und geht dabei sogar fremd, wie bei einem Pressetermin bei einem wichtigen Kunden deutlich wurde.

Die Hewa lud für ein Gespräch in die Psorisol-Hautklinik ein, weil die jetzt ein gutes Jahr am Fernwärmenetz in der Amberger Straße hängt. Bei dieser Gelegenheit sagte Bürgermeister Robert Ilg: „Wenn andere sich innovative Geschichten nicht zutrauen, steigen wir gerne ein.“ Dieser Satz ist im Zusammenhang mit der Beteiligung der GmbH an einem Kraft-Wärme-System in einer Wohnanlage in Schnaittach (wir berichteten) zu verstehen. Die Marktgemeinde liegt außerhalb des Gebiets des städtischen Grundversorgers.

Im Gespräch, an dem außer Ilg Harald Kiesl und Harald Günzrodt von der Hewa, Richard Sperber von der Naturenergie, dem Hackschnitzel-Kraftwerksbetreiber in der Amberger Straße, sowie Herbert M. Pichler und Marlene Greil von der Psorisol teilnahmen, wird deutlich: Nur Strom und Gas zu verkaufen, ist auch für ein kleines Stadtwerk wie das Hersbrucker auf Dauer zu wenig. Das wissen die Großen spätestens seit der Energiewende, und die Kleinen müssen mitziehen, je früher, desto besser.

„Innovative Geschäfte“ gefragt

In Zukunft sind „innovative Geschäfte“ gefragt, sagt Ilg und lobt im selben Atemzug die Weitsicht der Hewa-Verantwortlichen. Die Botschaft lautet: Wir sind gut dabei. Bald vier Nahwärmenetze, die für Eigentümer von Altbauten interessant sind, die CO2 einsparen wollen, sind im Landkreis allemal vorzeigbar. Bürgermeister Ilg meint das auch: „Wer aufmerksam beobachtet, dem muss bewusst werden, dass es eine besondere Energie in Hersbruck ist“, sagt er dazu. Und weil es für konkrete Schritte zuerst größere Abnehmer braucht, die vorangehen, fand der Pressetermin in der Hautklinik statt.

„Der Anschluss dort war für uns ein ganz wichtiger Baustein für das Fernwärmenetz mit dem Kraftwerk der Naturenergie“, verdeutlicht Hewa-Geschäftsführer Kiesl. Ausnahmslos alles in der Psorisol wird in 750 Meter Entfernung von der Amberger Straße aus beheizt, einschließlich des Schwimmbads. Mit 80 Grad Temperatur kommt das Heizwasser auf der Sartorius-Insel an, die Leitungen müssen dabei drei Mal unter der Pegnitz durch. Die Umstellung erfolgte im laufenden Vollbetrieb.

Hoffen auf Nachahmer

Bürgermeister Ilg hofft durch den Anschluss der Psorisol auf eine „hohe Öffentlichkeitswirkung und auf viele Nachahmer“. Denn das brächte die dezentralen und nachhaltigen Energiekonzepte, auf die Hersbruck setzt, weiter voran. Deshalb lobt er die Privatklinik als vorbildlich: „Wir leisten vor Ort einen wichtigen Beitrag zur Energiewende, und die Klinik beweist mit ihrer Entscheidung für die Fernwärme auch die Verbundenheit mit Hersbruck und den lokalen Akteuren.“

Zweiter „Geburtshelfer“ des Projekts ist der Landkreis, der das Gymnasium ans Netz brachte. Wenn das Gaskraftwerk an der Bürgerbräu läuft (wir berichteten), dann hat die Stadt mit dem Areal Sandgasse/Haidplatz auf der Ostbahn und dem Schulzentrum an der Happurger Straße schon vier musterhafte Gebiete, die nicht ausgeweitet, aber weiter verdichtet werden können. „Überall sind noch Privatanschlüsse möglich, wir prüfen gerne“, wirbt Harald Günzrodt.

Das Fernwärmenetz an der Amberger Straße ist aber doch besonders, und zwar wegen der Kooperation mit der Naturenergie GmbH & Co. KG, an der über hundert Waldbauern beteiligt sind. Die 14 Jahre alte Idee, regional wirtschaftende Energieerzeuger zu Kraftwerksbetreibern — zunächst nur für die Therme — zu machen, bezeichnet Ilg heute als mutig und weitblickend.

Kompetenz bündelt sich

Dort, schräg gegenüber dem Finanzamt und in Sichtweite der Therme, soll bald zusammenwachsen, was ursprünglich schon mal zusammen gedacht war: Das Grüne Zentrum im Henfenfelder Schloss mit Forstbetriebsgemeinschaft, Maschinenring, Forst-Service-Gesellschaft und dem Naturschutzzentrum Wengleinpark als einmalige Kombination von Waldbauern mit Umweltschützern soll bald dorthin umziehen. Kompetenz bündelt sich, könnte denken, wer dem Bürgermeister und den Hewa-Vertretern so zuhört.

Immer aber ist alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Während für das Wärmekraftwerk bei der Bürgerbräu klar ist, dass neben dem Schickedanz-Areal auch Sparkasse, Rathaus und Bürgerbüro anschließen und Gespräche mit dem Vogel-Areal laufen, haben es Kletterhalle und Hopfensiegelhalle nicht ins Wärmenetz des Schulzentrums geschafft. Auch ein Kraftwerk auf dem Baywa-Areal ist vom Tisch.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz