Stadtrat

Kommunales Denkmalkonzept Bayern für Velden

Für das zum Teil noch in Privatbesitz befindliche Veldener Pflegschloss soll eine Lösung für eine vernünftige Nutzung durch die Allgemeinheit gefunden werden. | Foto: S. Fuchs2020/06/Pflegschloss-Velden.jpg

VELDEN – „Unsere heutige Sitzung soll unter anderem dazu dienen, die Öffentlichkeit zum einen über das kommunale Denkmalkonzept zu informieren und zum anderen aufzuzeigen, was sich daraus für die Stadt Velden entwickeln könnte, insbesondere unter Einbeziehung unseres Pflegschlosses“, sagte Bürgermeister Herbert Seitz in der von Zuhörern gut besuchten Musikhalle.

Zu diesem Thema hatte er von fachlicher Seite Judith Sandmeier vom Bayer, Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), Diplom-Designerin Marisa Conn und Restaurator Claus Giersch vom gleichnamigen Architekturbüro sowie Professor Stefan Breitling von der Universität Bamberg eingeladen. Ein Ziel sei unter anderem, für das Pflegschloss mit Nebengebäuden und Umfeld eine Lösung für eine vernünftige Nutzung durch die Allgemeinheit zu finden, erläuterte Seitz.

Erste Kontakte und Gespräche zu diesem Thema, so Bürgermeister Seitz, habe es mit Marisa Conn und Claus Giersch, aber auch mit Kreisheimatpflegerin Karin Raab bereits vergangenen Herbst bei einer Schlossbesichtigung gegeben. Daraus entstand die Idee, ein geeignetes Konzept zu entwickeln. Interesse an dem Projekt bekundeten sowohl das bayerische Landesamt für Denkmalpflege wie auch das Institut für angewandte Raum- und Denkmalentwicklung.

In einer nichtöffentlichen Sitzung vergangenen Herbst gab es eine erste Vorstellung im Stadtrat, worauf dieser beschloss, ein kommunales Denkmalkonzept zu erstellen.

Belebung für Altes

Dieses, so die wissenschaftliche Referentin am Landesamt für Denkmalpflege, sei ein Instrument raumbezogener Denkmalpflege, welches auf die zunehmende Herausforderung von Städten und Dörfern reagiere, ihre Ortskerne, Quartiere oder sonstige historische Bausubstanzen zu erhalten, gezielt weiterzuentwickeln und zu beleben; ein Angebot des BLfD, das bislang nur wenige Kommunen nutzen würden. Voraussetzung hierfür sei allerdings eine qualifizierte Bestandserfassung.

Sandmeier wies in ihren Ausführungen darauf hin, dass es im Untersuchungsbereich von Velden (Stadtkern) viele Objekte denkmalpflegerischer Belange gebe. Jedes Objekt werde in einem Objektbogen erfasst, es finde ein Bürgerbeteiligungsprozess statt und das Amt biete finanzielle und fachliche Unterstützung. Weitere Stichworte waren Bestandsuntersuchung- und aufnahme, Sanierungskonzepte, Machbarkeit, Nutzung, Leerstandskataster und Aufzeigen der Förderkulisse.

Diplom-Designerin Marisa Conn stellte anschließend anhand von Karten das Untersuchungsgebiet vor. Durch Kriegseinwirkung (Bombardierung April 1945) habe sich der historische Bestand leider minimiert, einiges sei aber noch recht gut erhalten. Von großem Nutzen für die Erfassung sei das Heimatbuch „Veldener Häuser- und Bürgergeschichte“ von Hans Claus Neubing.

Studis für fünf Tage

Stefan Breitling informierte über die Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg. So sind mittlerweile mit der Stadt sogenannte Anwendungswochen für Studenten (Studiengebiet Architektur und Denkmalpflege) vereinbart. Diese werden Ende Juni in kleineren Gruppen vier bis fünf Tage vor Ort sein, um historische Bestände zu erfassen.

Das Hauptaugenmerk, wie Seitz ergänzte, liege natürlich auf dem größten Denkmal der Kommune, dem Pflegschloss. Wie nach der Sitzung zu erfahren war, gehören derzeit nur drei Neuntel der Stadt, vier Neuntel und zwei Neuntel sind jeweils in Privatbesitz. Derzeit laufen Verhandlungen mit den Eigentümern. Diese seien mit dem kommunalen Denkmalkonzept einverstanden und auch bereit, ihre Anteile zu verkaufen, so Seitz.

Es sei das Bestreben aller, dass das Pflegschloss als Ganzes im Besitz der Stadt bleibe. So bekomme man Zugangs- und Öffnungsmöglichkeiten für die Bevölkerung und könne beispielsweise auch den Schlosshof und die Nebengebäude für Veranstaltungen wie Konzerte oder Kirchweih nutzen. Keinesfalls wolle man eine Veräußerung an Privat, betonte Seitz.

Postkarten gesucht

Allerdings, so ein „kleiner Wermutstropfen“, habe die Stadt nicht die finanziellen Möglichkeiten für eine Sanierung. Nur wenn sehr hohe Zuschüsse fließen, etwa über das Landesamt für Denkmalpflege oder über ein Programm Städtebauförderung, sei so ein Projekt für eine finanzschwache Kommune überhaupt machbar. „Es bleibt also eine spannende Geschichte!“, meinte Seitz.

Und noch einen Wunsch hat Seitz: Soweit noch alte Materialien, etwa Fotos, Postkarten oder Urkunden vorhanden sind, so mögen diese die Bürgerinnen und Bürger bitte ins Rathaus bringen. Nach „schonender Digitalisierung“ gehe alles an die Eigentümer zurück.

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