Bahnstrecke

Steht die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale vor dem Aus?

S-Bahn zwischen Hartmannshof und Hersbruck (Symbolbild) | Foto: HZ-Archiv2012/03/SBahn.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Der Kreistag fordert eine zeitnahe Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale, wie im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen.“ Diese Resolution fasste der Kreistag Nürnberger Land in seiner jüngsten Sitzung nahezu einstimmig, denn das Projekt steht aktuell auf der Kippe.

Mit der Elektrifizierung von Nürnberg über Marktredwitz nach Hof beziehungsweise Schirnding sollte die Elektrifizierungslücke nach Sachsen und in die Tschechische Republik geschlossen werden. Laut Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums an den Bundestag hätten Berechnungen nun jedoch ergeben, dass die Elektrifizierung mit einem Kosten-Nutzen-Faktor von 0,6 weit unter dem geforderten Faktor eins liege, was das Aus für die Elektrifizierungspläne bedeute, erklärte Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel vor kurzem in einer Pressemitteilung.

Schlag in die Magengrube

Und nun hat sich auch der Kreistag im Nürnberger Land mit der vermeintlichen Absage an die Elektrifizierung befasst: Wie ein Schlag in die Magengrube seien die Meldungen aus den Medien gewesen, dass die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale (FSM) in Gefahr ist, weil nach einem Gutachten das Nutzen-Kosten-Verhältnis bei 0,6 liegt, sagte Landrat Armin Kroder zu dem Tagesordnungspunkt einleitend.

Daher müsse der Kreistag ein klares politisches Zeichen geben, damit die Elektrifizierung weitergeht, forderte der Landrat. „Moderne Mobilität und Europas größte `Dieselinsel` passen einfach nicht zusammen und nicht mehr in die heutige Zeit“, unterstrich Landrat Armin Kroder. Dafür müsse die Bundespolitik nun den Rahmen ändern und die Elektrifizierung, die der Staat auf der Straße forciere, auch auf der Schiene vertreten. „Nicht zuletzt für die notwendige S-Bahn nach Neuhaus bzw. Simmelsdorf-Hüttenbach brauchen wir die Elektrifizierung der rechten Pegnitztalstrecke unbedingt“, ergänzte Landrat Armin Kroder. 

Günter Finzel, Geschäftsführer Forum Verkehr und Planung der Europäischen Metropolregion Nürnberg, unterstrich: „Das Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,6 ist ein sehr ärgerlicher Vorgang, der uns eiskalt erwischt hat. Niemand hat mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Bisherige Ergebnisse ließen einen völlig anderen Ausgang erhoffen.“

Jahrelange Berechnungen

Der Gutachter habe eineinhalb Jahre gebraucht, um im stillen Kämmerlein Ergebnisse zu erarbeiten, die diametral zum politischen Wunsch stehen. Es gebe neue geopolitische Herausforderungen und wirtschaftliche Veränderungen, die im Gutachten unberücksichtigt blieben. So würden Unternehmen beginnen, ihre Produktion von China nach Mittel- und Osteuropa zurückverlagern. Diese Produktionsstandorte müssten mit den Märkten verbunden werden –  zwar nicht über LKW (für die es immer weniger Fahrer gebe), sondern über die Bahn – schon allein aus Klimaschutzgründen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die FSM schlecht gerechnet worden sei, mutmaßte Finzel. Es gelte nun, auf politischem Wege die Elektrifizierung der Strecke zu erreichen.

Einsatz für die Elektrifizierung

In der anschließenden Diskussion stimmten ihm die Abgeordneten Jan Plobner (MdB), Marlene Mortler (MdEP) und Norbert Dünkel (MdL) uneingeschränkt zu: Die Politik auf allen Ebenen will die Elektrifizierung – und das werden die Abgeordneten in ihren jeweiligen Wirkungsgebieten sehr deutlich machen und parteiübergreifend vertreten, sagten sie zu. Auch die Kreisräte Robert Ilg und Benedikt Bisping sprachen sich vehement für die Elektrifizierung der FSM aus. „Es geht jetzt ums Ganze. Wir brauchen die Elektrifizierung und den politischen Nachdruck dafür.“

Dem stimmten die Kreistagsmitglieder nahezu geschlossen zu. Dr. Elisabeth Altmann (Grüne) und Klaus Norgall (AfD) votierten dagegen.

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