Kritik an Fällaktion südlich des Kleinen Birkensees

Frevel oder Naturschutz?

Zwar haben die Staatsforsten in dem Schutzgebiet am Kleinen Birkensee zahlreiche Bäume gefällt, doch diese Kiefer wurde anschließend vom Sturm umgeworfen. „Kein großer Schaden“, meint der Forstbetriebsleiter. | Foto: Sichelstiel2017/02/kleiner-birkensee-baume.jpg

RÖTHENBACH — Die Bayerischen Staatsforsten haben im Gebiet um den Kleinen Birkensee zahlreiche Bäume gefällt oder stark zurückgeschnitten. Was ein PZ-Leser als „totale Zerstörung“ und „Waldfrevel“ kritisiert, ist laut dem Nürnberger Forstbetriebsleiter Roland Blank aber das Gegenteil, nämlich aktiver Naturschutz.

Das Areal rund um den Kleinen Birkensee sowie zwischen
dem Gewässer und dem benachbarten Autobahnkreuz Nürnberg gilt als geschützter Landschaftsbestandteil, eine im Wald angebrachte Tafel verbietet sogar explizit das Betreten des Ufers. Auf dem sandigen Boden sind mehrere seltene Tierarten beheimatet, darunter die Blauflügelige Ödlandschrecke, eine Heuchschreckenart. Umso erstaunter war ein Schwaiger PZ-Leser, als er entdeckte, dass im Süden des Sees zahlreiche Bäume gefällt oder zumindest stark zurückgeschnitten wurden. In einer E-Mail an die Redaktion spricht er von einem „großen Kahlschlag“.

Roland Blank, als Leiter des Nürnberger Forstbetriebs teils heftige Kritik gewohnt, widerspricht dem Vorwurf, er sei ein Waldfrevler. Die Arbeiten im Schutzgebiet seien „in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde“ erfolgt. Im Gegenteil, die Fällaktion sei weniger eine forstwirtschaftliche Maßnahme als vielmehr Naturschutz gewesen. Ziel: den charakteristischen Sandmagerrasen zu erhalten. Darum habe man vor allem Traubenkirschen entfernt, „die dort alles verdämmt haben“. Die aus Nordamerika stammende Pflanzen­art, ein Strauch oder kleiner Baum, hat sich mittlerweile an vielen Stellen im Reichswald ausgebreitet.

Dass das Sturmtief „Egon“ anschließend Mitte Januar mehrere große Kiefern umwarf, weil diese nun ohne Schutz vor dem Wind waren, streitet Blank nicht ab. „Das ist so“, sagt er, „aber es ist auch kein Schaden.“ Dadurch wachse die offene Fläche weiter – und das begünstige sogar die schützenswerten Arten, die auf den Sandmagerrasen angewiesen sind.

Die Kiefern liegen noch an Ort und Stelle. Es sieht so aus, sagt der Schwaiger PZ-Leser, als hätte „ein tollwütiger Riese“ Bäume mitsamt Wurzeln ausgerissen. Blank begründet dies mit dem großen Schaden, den „Egon“ im gesamten Reichswald angerichtet hat. Teilweise lägen die gefällten Stämme weit auseinander, weshalb die Aufarbeitung länger dauere. Der Forstbetriebsleiter lässt zudem zuerst Fichten entfernen, um dem Borkenkäfer keine Nahrung zu bieten.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel