Bürgerinitiative in Lauf links

Widerstand gegen Gewerbegebiet

Erwin Salomon und Christof Ortlieb sind zwei Initiatoren einer Bürgerinitiative, die sich gegen die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebietes Lauf Süd III in der Nähe des S-Bahn-Haltepunktes Lauf West wehrt. Im Hintergrund ein Teil der künftigen Gewerbefläche, die heute noch Kleingartenkolonie ist. Foto: Fischer2013/05/62721_biaktiongegengewerbegebietletten_New_1367942464.jpg

LAUF — Gegen die Aussweisung eines weiteren Gewerbegebiets in Lauf Süd, unterhalb des Ortsteils Letten, regt sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative will jetzt die Bevölkerung „für diese grausigen städtebaulichen Planungen sensibilisieren“, am kommenden Freitag in einer Versammlung informieren und als Fernziel „den Wahnsinn der Stadt“, die Pläne für das Gebiet Lauf III, ganz vereiteln.

„L(i)ebenswertes Lauf“ nennt sich die Bürgerinitiative um die Initiatoren Christof Ortlieb, Ralf Dorn, Johannes Schiller und Erwin Salomon aus dem sogenannten Österreicherviertel. Sehr aktiv ist das Team schon geworden und hofft auf Unterstützung von Bürgern nicht nur aus Lauf links oder dem Areal rund um die Bertleinschule, sondern auch von Menschen in weiter von der Gewerbefläche entfernten Ortsteilen. 2000 Informationsflyer hat man verteilt, professionelle Protest-Plakate mit einer drohenden Industriekulisse vor einer heimeligen Ansicht des Ortsteils Letten sind vorbereitet. Und die BI hat die Internetseite www.bi-lauf.de eingerichtet, wo sie die Probleme aufzeigt und auf einen Meinungsaustausch mit der Bevölkerng hofft. Die offizielle Gründungsversammlung soll am Freitag, 10. Mai, um 18 Uhr im TSV-Sportheim stattfinden.

Hintergrund des Widerstandes ist der Plan der Stadt, die Gewerbefläche zwischen dem S-Bahnhof Lauf West, der B-14-Umgehung und der Berliner Autobahn südlich der Anschlussstelle Lauf Süd weiter zu vergrößern. Im Gebiet Lauf Süd I, mit dem Oskar-Sembach Ring in der Mitte, sind in den letzten Jahren schon zahlreiche neue Gewerbebetriebe entstanden. Für das Gebiet Süd II wurde erst vor einigen Monaten ein Wäldchen neben der Autobahn gerodet. Hier wird der Schmuckhändler Thomas Sabo sein neues Headquarter errichten und die Stadt Lauf ihren neuen Bauhof bauen. Und erst vor einigen Wochen beschloss nun der Bauausschuss einen Bebaungsplan für das Gebiet Süd III aufzustellen, weil, so die Begründung der Verwaltung, stetig weitere Anfragen von ansiedlungswilligen Betrieben eingingen. Das Gebiet Lauf Süd III ist derzeit noch eine alte und tief durchgrünte Kleingartenkolonie, es würde bis zum Fuß des Lettenhanges und bis zur Parallelstraße entlang der S-Bahn reichen.

BI-Sprecher Erwin Salomon ruft in einer vierseitigen Stellungnahme die Stadträte und Bürgermeister Bisping auf: „Es reicht, kehren Sie um von diesem Weg und dem Glauben, dass ein immer Mehr an Steuereinnahmen auch gleichsam automatisch zum Wohl der hier lebenden Menschen ist. Ein großer Irrtum“.

Stadtentwicklung habe nämlich etwas mit Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu tun, schreibt Salomon weiter. Und spricht von einer Ungleichbehandung des Stadtteils Lauf links, wenn dieser nun noch mehr zur reinen Industriezone erklärt werde. Ein noch größeres Gewerbegebiet zerstöre einen ganz wichtigen Naherholungraum für die Einwohner in Lauf links, „es vernichtet nachhaltig die grüne Lunge im stadtnahen Bereich“.Und all das unter einem grünen Bürgermeister, da reibe man sich schon die Augen.

Salomon erinnert dann an die lange Geschichte des Gewerbegebietes und daran, dass der Bauauschuss im Jahr 1990, als das Gebiet in den Flächennutzungsplan als Industriefläche aufgenommen werden sollte, einen Rückzieher machte. Als die Stadträte nämlich bei einer Besichtigung des Geländes auf viele protestierende Bürger aus der Stammarbeitersiedlung stießen.

Regelrecht eingezingelt fühle man sich jetzt in diesem Wohngebiet, von den Gewerbegebieten Süd und der S-Bahn auf der einen Seite, vom Gewerbegebiet Wetzendorf auf der anderen Seite. Dabei zeigt Erwin Salomon durchaus Verständnis für die Stadt und die Notwendigkeit, Gewerbesteureinnahmen zu erzielen, um Bildung und Kinderbetreuung und Altenpflege und neue Straßen zu bezahlen. Der Zweck allein allerdings heilige nicht die Mittel, so der BI-Sprecher. Zumal die Ziele auch mit den derzeit schon erzielen sehr guten Einnahmen erreicht werden können, wie der aktuelle Finanzbericht zeige.

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