Laufs Bürgermeister ist nun doch gegen Lauf Süd III

Bisping vollzieht eine Kehrtwende

Erwin Salomon und Christof Ortlieb sind zwei Initiatoren der Bürgerinitiative, die sich mit Plakaten und Aktionen gegen die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebiets in der Nähe des S-Bahn-Haltepunktes Lauf West wehrte. Sie und viele Unterzeichner einer Unterschriftenliste zeigten sich jetzt sehr zufrieden, dass die Kleingartenkolonie im Hintergrund möglicherweise doch nicht in ein Gewerbegebiet umgewandelt wird. Foto: PZ-Archiv2013/10/bi_aktion_gegen_gewerbegebiet_letten.jpg

LAUF — Überraschungscoup des Laufer Bürgermeisters in der Bürgerversammlung für den Stadtteil links der Pegnitz: Benedikt Bisping verkündete gleich zum Auftakt, dass das geplante Gewerbegebiet Lauf Süd III nicht mehr notwendig sei, weil für interessierte Gewerbebetriebe andere Lösungen und Flächen gefunden worden seien. Er werde dem Bauausschuss empfehlen, das schon laufende Bebauungsplanverfahren für die Fläche zwischen Autobahn und Handwerkersiedlung unterhalb des Letten zu beenden.

Die Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet, die nicht nur über 2000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt, sondern das Projekt längst auch zum Wahlkampfthema, zum Wahlprüfstein für die Bürgermeisterkandidaten gemacht hatte, feierte Bisping bei der Versammlung im Pfarrsaal von St. Otto als Retter der Kleingärten am Letten.

Der Sprecher der Bürgerinitiative, Erwin Salomon, der „eigentlich eine Brandrede halten“ wollte, lobte den Laufer Bürgermeister und die Stadtverwaltung ob ihrer Offenheit und ihres Engagements und sprach von einem „guten Tag für die Stadt Lauf“. Er, Salomon, habe nie das Vertrauen verloren, „dass die Verantwortlichen eine Entscheidung zum Wohl des Bürgers treffen würden“, eine Entscheidung, für die noch nachfolgende Generationen dankbar sein würden. Gar als „Zauberer“ bezeichnete ein anderer Vertreter der Bürgerinitiative Bisping. Er habe eine tolle Lösung aus dem Hut gezaubert.

Die Bürgerinitiative will nun aber noch erreichen, dass das Areal am Letten aus dem Flächennutzungsplan gestrichen wird. Weil man eben erlebt habe, dass der Bürgermeister im Fall der Firmenzentrale des Schmuckhändlers Thomas Sabo auch ganz schnell ein neues Gewerbegebiet aus dem Hut gezaubert habe. Man wolle nicht befürchten müssen, dass es am Ende doch anders komme.

Insgesamt ist das bisher im Flächennutzungsplan ausgewiesene Gewerbegebiet Süd rund 19 Hektar groß. Der erste Teil, bereits teilweise bebaut, hat – ohne Straßen oder Parkflächen – 8,8 Hektar. Die Erweiterung für Sabo und den Bauhof ist weitere 4,5 Hektar groß. Für das letzte Stück, um das es jetzt geht, sind in diesem Plan über 5,5 Hektar vorgesehen.

Kritik aus den Fraktionen

Gar nicht angetan von der Mitteilung Bispings in der sehr gut besuchten Versammlung zeigten sich anwesende Stadträte (auch aus der Allianz) und die Bürgermeisterkandidaten von CSU, SPD und Freien Wählern. Sie alle und sogar Stadträte der Grünen wussten von der Initiative des Bürgermeisters nichts und wurden vollkommen überrascht. Sie fühlten sich – als die eigentlichen Entscheidungsträger im Bauausschuss – düpiert und von Bisping über den Tisch gezogen, wie sie nach der Sitzung auch deutlich sagten.

Als „Inszenierung“ bezeichnete FW-Sprecher Thomas Lang den Auftritt. Dabei habe sich die Beschlussfassung ja nicht verändert, dass Lauf nämlich grundsätzlich Flächen für Industrie und Gewerbe vorhalten müsse. Jetzt möchte Lang aber wissen, welche Betriebe welchen Bedarf haben und wie dieser befriedigt werde. Konkret äußerte sich Bisping in der Versammlung dazu nicht. Langs Einschätzung nach könnte nach aktuellen Erkenntnissen das Gewerbegebiet III aber tatsächlich für verzichtbar erklärt werden und „auch der Flächennutzungsplan geändert werden“. Gleichzeitig sollte aber eine neue Suche „mit echter Bürgerbeteiligung“ nach neuen „Reserve-Gewerbegebieten“ starten.

 „Neue Standortperspektiven“

Der Bürgermeister hatte das plötzliche Aus für das Gewerbegebiet mit „neuen Standortperspektiven für Laufer Fertigungsbetriebe, die künftige Erweiterungen planen“ begründet. Nach „zahlreichen Gesprächen und Sondierungen“ mit betroffenen Bürgern, Unternehmern, Grundstückseigentümern und der Verwaltung, die er in den vergangenen Wochen – „sogar gestern habe ich noch telefoniert“ – führen konnte, freue er sich, „dass sich nun neue und konkrete Flächenangebote sowie Einzellösungen (…) mit mittel- und langfristigen Erweiterungsabsichten aufzeigen“, so Bisping wörtlich. Und weiter: „Ich erwarte somit für die kommenden Jahre genügend Bewegung im Laufer Gewerbeflächenmarkt speziell für Produktion und Industrie von Laufer Betrieben, ohne dass nun aktuell oder dringend über Neuausweisungen von Flächen beschlossen werden muss“.

Zudem rechnet Bisping damit, dass solche Einzellösungen schneller angeboten und umgesetzt werden können, als dies durch ein langwieriges Planungs- und Umlegungsverfahren möglich wäre. Somit könne dem Wunsch insbesondere der Bewohner der Stammarbeitersiedlung, Naherholungsflächen unterhalb der Ortschaft Letten zu schützen, Rechnung getragen werden. Auch der Rathauschef will aber „über künftige Gewerbeflächen- und Industrieflächenpotentiale weiter intensiv und mit breiter Bürgerbeteiligung beraten“

Kommentar in der Mittwochsausgabe der Pegnitz-Zeitung

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