Schließungen und Absagen

Der Coronavirus und seine Folgen

Ab Montag bleiben die Schulen im Nürnberger Land geschlossen. Das gleiche Schicksal haben auch Kindertagesstätten. | Foto: bluedesign - stock.adobe.com2020/03/AdobeStock-208232281.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ (ap/ kb) – Im Nürnberger Land gibt es den dritten Coronavirus-Fall. Das vermeldet das Landratsamt. Es handelt sich um einen älteren Mann aus dem Altlandkreis Lauf. Er wird derzeit stationär in Nürnberg behandelt. Der Freistaat Bayern trifft derweil drastische Vorkehrungen, um eine weitere Ausbreitung des Krankheitserregers einzudämmen. Das betrifft auch die Hersbrucker Schweiz. Ab Montag sind die Schulen und Kindergärten bis 19. April geschlossen. Und nicht nur die.

Auch die vhs Hersbrucker Schweiz setzt ab Montag ihre gesamten Kurse bis voraussichtlich 19. April aus. Die Volkshochschule informiert, wenn der Kursbetrieb wieder aufgenommen wird. Aktuelle Infos dazu gibt’s im Internet auf www.vhs-hersbrucker-schweiz.de.

Zudem sind sämtliche Schulen und Kindergärten hierzulande geschlossen. Für Eltern, die „systemrelevante“ Berufe ausüben, also zum Beispiel Ärzte, Pflegekräfte oder Polizisten sind oder aber in den Bereichen Energie, Wasser, Entsorgung arbeiten, soll laut Staatsregierung die Möglichkeit einer Kinderbetreuung geschaffen werden. Karlheinz Wölfel, Geschäftsleiter der Stadt Hersbruck, bittet vor allem Eltern aus diesen Berufsgruppen, ihre Sprösslinge möglichst am Montag und Dienstag noch selbst zu betreuen. Dann hat die Stadt eine entsprechende Notbetreuung für die Kinder auf die Beine gestellt. Aktuelle Informationen dazu finden sich auf www.hersbruck.de.

Sporthallen sind dicht

Bürgermeister Robert Ilg betont, dass die Stadt „alles dafür tun werde, um die Gesundheit der Bürger zu schützen.“ Deshalb empfiehlt der Rathauschef ebenso wie das Landratsamt allen, Veranstaltungen lieber abzusagen als auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Auch die Hersbrucker Sporthallen sind vorerst für den Vereinssport gesperrt. Folge davon: Nach den Basket- und Volleyballern haben nun auch die Handballer die laufende Saison unterbrochen. Auch die Fußballer im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund haben für mindestens zwei Wochen spielfrei.

Die Fackelmanntherme dagegen ist derzeit noch geöffnet. Doch auch das kann sich schnell ändern. Wölfel hat bereits beim Gesundheitsministerium nachgefragt und diesbezüglich um Handlungsempfehlungen gebeten.

Nur eingeschränkter Besuch

Zudem schränkt der Freistaat das Besuchsrecht in Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen ein, um so kranke und alte Menschen vor dem Coronavirus zu schützen. Auch das Sigmund-Faber-Heim in Hersbruck bittet, derzeit auf den Besuch der Senioren dort zu verzichten. In Einzelfällen seien Ausnahmen möglich, erklärt Einrichtungsleiter Stephan M. Abt. Etwa wenn der Angehörige im Sterben liegt. Individuelle Regelungen seien vorab allerdings mit der Einrichtungs- oder Pflegedienstleitung abzuklären. Sowohl die Senioren als auch ihre Angehörigen hätten auf die Vorsichtsmaßnahmen mit viel Verständnis reagiert, so Abt.

Auch die Kirchen haben sich mit dem Coronavirus auseinandergesetzt. „Auch wir sind uns unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst“, betont Dekan Tobias Schäfer. In Panik wolle man aber nicht verfallen. Die Regelgottesdienste finden weiterhin statt, so Schäfer. „Wichtig ist zu sehen, dass es einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen betrifft und nicht ein dauerhafter Zustand ist.“ Jedoch treffe es leider genau die Zeit der Konfirmationen, von Karwoche und Ostern. „Wer sich nicht wohl fühlt oder unsicher ist, der sollte daheim bleiben“, rät Schäfer.

Verzicht auf Abendmahl

Kleine Einschränkungen nimmt Stadtpfarrer Thomas Lichteneber ab sofort vor: Er wird auf den persönlichen Handschlag nach dem Gottesdienst verzichten. Und: „In der Stadtkirche wird es – wie bereits in Lauf – bis 19. April kein Abendmahl geben.“ Den Verzicht darauf sowie weitere vorsorgliche Maßnahmen will Schäfer den Kollegen auf der Pfarrkonferenz am Dienstag vorschlagen. Eine Absage musste Lichteneber in Absprache mit Kantorin Heidi Brettschneider schon aussprechen: Die Johannespassion am 29. März sowie das erklärende Vorgespräch am kommenden Dienstag finden nicht statt. „Wir haben das Konzert auf 21. März 2021 verschoben; die Karten können ab Mai zurückgegeben werden“, erklärt Lichteneber.

Er und Schäfer werden vorerst auch keine Gottesdienste in Krankenhaus und Seniorenheimen halten: „Es geht darum, diese Risikogruppe und auch sich selbst zu schützen.“ Eines liegt beiden am Herzen: „Die persönliche Seelsorge, Aussegnungen, Trauerfeiern und Beerdigungen finden weiterhin statt.“ Man solle einfach anrufen bei den Pfarrern und die Details absprechen.


Lebensmittel in Kisten

Auch die Tafel Nürnberger Land mit ihren neun Ausgabestellen reagiert. Um lange Wartezeiten bei der Lebensmittelausgabe zu vermeiden, werden diese bereits in Tüten oder Kisten zur Mitnahme bereitgestellt. An den Ausgabezeiten ändert sich vorerst nichts. Das teilt die Tafel in einer Presseerklärung mit. Zudem entfällt zum Schutz der Kunden sowie der Helfer vorerst das gemeinsame Kaffeetrinken vor Beginn der Lebensmittelausgabe.

Kein Ticket beim Fahrer

Um die Ansteckungsgefahr für Fahrgäste und Personal zu verringern und die Ausbreitung des Virus einzudämmen, setzen die Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ab dem heutigen Samstag vorübergehend den Ticketverkauf und die Fahrscheinkontrolle durch die Fahrer aus. Das teilt der VGN in einer Presseerklärung mit. Die Fahrt in den Bussen im VGN sei trotzdem nur mit einem gültigen Ticket erlaubt. Fahrgäste werden gebeten, ihre Tickets vor Antritt der Fahrt zu erwerben.

Bedingt durch die Schulschließungen könne es ab Montag zudem zu Abweichungen beim Fahrplanangebot kommen. Vor allem die VGN-Linien 334, 336 und 337 könnten davon betroffen sein. Fahrgäste sollten sich deshalb beim jeweiligen Verkehrsunternehmen oder in der Fahrplanauskunft des VGN informieren.

Die Corona-Hotline des Landratsamts unter Tel. 09123/950-6299 ist an diesem Wochenende jeweils von 10 bis 12 Uhr besetzt.

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