Kinoberg in Röthenbach: Anwohner gegen Bauunternehmen

Angst um Conradty-Häuser

Ihre Grundstücke liegen oberhalb des Kinobergs (im Hintergrund): Die Anwohner – hier mit Protestplakat – kritisieren das Vorgehen der Berger-Gruppe. | Foto: Sichelstiel2020/09/kinoberg-rothenbach-bebauung-scaled.jpg

RÖTHENBACH – „Ein neues Zuhause inmitten einer historischen Kleinstadt“: Mit diesen Worten bewirbt die Berger-Gruppe ihr aktuelles Bauvorhaben in Röthenbach. Am Kinoberg entstehen drei Gebäude mit über 30 Wohnungen. Dass sich das Unternehmen aber ausgerechnet um ihre zum Teil denkmalgeschützten Häuser nicht besonders sorgt, fürchten Anwohner. Sie fühlen sich obendrein erpresst.

Hintergrund ist ein Schreiben, in dem ein von der Berger Bauprojekte GmbH beauftragter Anwalt mehrere Nachbarn mit Fristsetzung dazu auffordert, dem Einbringen von sogenannten Litzenankern unter ihren Grundstücken zuzustimmen. Andernfalls müsste die Sache „gerichtlich geklärt werden“. Durch die „rechtswidrige Verweigerung“ drohe ein erheblicher Schaden, die Rede ist von über 500 000 Euro.

Drei denkmalgeschützte Doppelhäuser

Das rund 3200 Quadratmeter große Hanggrundstück am Kinoberg liegt an der Röthenbacher Ortsdurchfahrt, direkt unterhalb der Conradty­siedlung. An der Hangkante stehen vier Doppelhäuser, drei davon sind Teil des denkmalgeschützten Ensembles, das der Elektrodenhersteller Conradty um die Jahrhundertwende für seine Arbeiter errichtet hat.

Ausgerechnet im oberen Teil des Hangs muss die Berger-Gruppe aber eine Tiefgarage errichten, um die für die 34 Wohnungen notwendigen Stellplätze nachweisen zu können. Unter anderem an der Stellplatzfrage waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bauvorhaben auf dem prominenten Areal gescheitert.

Baugrube hinter den Häusern

Für die Hausbesitzer bedeuten die Pläne, dass sich hinter ihren Grundstücken eine mehrere Stockwerke tiefe Baugrube auftun wird – und dann sollen auch noch Litzenanker hinzukommen. Dabei handelt es sich um ein Bündel von Drähten, das in eine bis zu 20 Zentimeter große Bohrung eingebracht und mit einer Wasser-Zement-Mischung verpresst wird. Diese Anker sichern die Rückwand der Baugrube ab. Gebohrt werden muss im Abstand von etwa zwei bis vier Metern, auch unter den Grundmauern der Gebäude.

„Ich schlafe seit drei Wochen nicht mehr gut“, sagt Bernd Holzenleuchter, einer der Betroffenen. Seine größte Angst, die er mit den anderen Anwohnern teilt: Dass der Hang ins Rutschen gerät und die Häuser Schaden nehmen. Die Bodenbeschaffenheit sei ohnehin schlecht, ergänzt Michael Groß, der ebenfalls am Kinoberg wohnt: „Es handelt sich teilweise um einen Schuttberg. Da ist jede Erschütterung Gift.“ In den vergangenen Tagen habe die Berger-Gruppe mit der Vorbereitung der Bauarbeiten begonnen, „da wurde nur Erde bewegt, aber bei uns im Garten sind schon Tonpötte umgefallen“.

Geschäftsführer: Sicherheit geht vor

David Weiland, einer der beiden Geschäftsführer der Berger Bauprojekte GmbH, kann die Sorgen nachvollziehen. Er wolle eine Gefährdung der Häuser natürlich „unbedingt ausschließen“, sagt er auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung. Gerade deshalb seien die von seinem Unternehmen geforderten Litzenanker so wichtig. „Wir haben einen Spezialisten hinzugezogen“, sagt Weiland. Der Sachverständige habe dieses Vorgehen empfohlen. Es gebe zwar Alternativen, „aber das ist eine Frage von Zeit und Kosten – und natürlich auch von Sicherheit“.

Die Litzenanker, argumentiert der Geschäftsführer, würden weit unter den Häusern eingebracht. Sie träfen auf die Grundstücke der Anwohner bereits in vier Metern Tiefe. Bei einer Neigung von 20 bis 30 Grad sei unter den Gebäuden die Sechs-Meter-Marke erreicht. Um für einen eventuellen Schadensfall dennoch gewappnet zu sein, sei bereits eine gutachterliche Bestandsdokumentation vorgenommen worden. Sie belegt den Ist-Zustand der Häuser.

„Unmoralische Forderungen“

„Ich weiß nicht einmal, ob ich gegen die Rückverankerung bin“, sagt Nachbar Groß, „aber ich bin gegen das Vorgehen der Firma Berger“. Diese baue Druck auf, stelle „unmoralische Forderungen“. Deshalb hätten die Betroffenen nun ihrerseits Anwälte eingeschaltet und die gesetzte Frist verstreichen lassen. Er hätte neben den Beteuerungen des Geschäftsführers gerne weitere Auskünfte, so der Anwohner: „Wir wollen offengelegt bekommen, wie genau sich das Unternehmen mit den Risiken befasst hat“.

Weiland sagt, dass vor dem Anwaltsschreiben mehrere „friedliche Gespräche“ geführt wurden. Ohne Ergebnis. Immerhin wird es die angekündigte gerichtliche Klärung vorerst nicht geben. Erst einmal soll ein von Anwälten begleiteter Einigungsversuch unternommen werden.

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