Buchdruckerbefall: Am Röthenbach werden 150 Jahre alte Fichten gefällt

Ein kleiner Käfer tötet riesige Bäume

Die gewaltige Fichte ist vom Borkenkäfer befallen und muss umgelegt werden. Mathias Bohrer vom Forstbetrieb Nürnberg legt die Fallrichtung fest. | Foto: Blinten2015/10/Säge-Rodungen.jpg

BRUNN/UNGELSTETTEN/ALTDORF – Borkenkäferalarm im Reichswald: Der zurückliegende heiße Sommer hat dazu geführt, dass sich die Schadinsekten in den Fichtenbeständen im Reichswald explosionsartig vermehrt haben. Mitarbeiter des Forstbetriebs Nürnberg sind seit Wochen unterwegs und fällen Bäume. Besonders schlimm hat es ein Waldstück am Röthenbach erwischt.

Bereits Anfang September entdeckte Försterin Bettina Knappe in einem etwa 500 Meter langen Streifen entlang des Röthenbachs Veränderungen in den Kronen der Fichten. Mitten durch das befallene Waldstück verläuft der beliebte Wanderweg zum Gasthaus „Am Wiesengrund“ in Ungelstetten. Die Baumwipfel wurden lichter, ein deutliches Anzeichen, dass sich hier der Buchdrucker in Massen eingenistet hatte. Befallen sind in dem Wandergebiet viele 100 bis 150 Jahre alte Bäume mit gewaltigem Stammumfang, die in dem Waldgebiet landschaftsprägend sind. Sie müssen jetzt so schnell wie möglich gefällt werden, ihr Holz muss raus aus dem Forst, nicht nur das Stammholz, auch und vor allem die Kronen. Während die Stämme von den Waldarbeitern auf Vier-Meter-Stücke zum Abtransport zurechtgeschnitten werden, kommen die Wipfel in den Häcksler.

Fichte ohne Wasser

Wie schafft es ein kleiner Käfer, eine riesige Fichte innerhalb kürzester Zeit so stark zu schädigen, dass sie abstirbt? Das Insekt bohrt sich durch die Rinde und legt darunter seine Eier ab. Die entwickelten Larven unterbrechen dann die lebenswichtige Wasserzufuhr des Baumes, erläutert Horst-Dieter Fuhrmann, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Nürnberg. Um einer Käfer-Katastrophe im kommenden Frühjahr zuvorzukommen, müssen die befallenen Bäume nun beseitigt werden.

Ursache für die derzeitige Situation ist das heiße, trockene Wetter im zurückliegenden Sommer. Letztmals hatten die Förster im Herbst 2003 mit einer vergleichbaren Käfer-Plage zu kämpfen, als es ebenfalls im Juli und August außerordentlich heiß und trocken war.

Sollte der Klimawandel fortschreiten, mit häufigeren Hitze-und Trockenperioden, wird der Borkenkäfer immer häufiger in den Fichtenbeständen auftauchen – mit der Folge, dass der Wald umgebaut werden muss. Fuhrmann ist heilfroh, dass in dem betroffenen Gebiet am Röthenbach bereits viel junges Laubholz nachwächst, so dass nach dem Einschlag der Fichten kein Kahlschlaggebiet zurückbleibt. Wenn die vom Käfer befallenen Nadelbäume weg sind, haben die jungen Eichen und Buchen Licht und Platz. Wanderer freilich werden in den kommenden Jahren am Röthenbach eine ganz andere Landschaft sehen, einen Wald überwiegend ohne Fichten, nur ganz wenige nicht befallene Bäume sollen stehenbleiben.

Die Waldarbeiter haben bereits in Fichtenbeständen im Wald am Altdorfer Fürstenschlag Bäume gefällt, im Reichswald bei Wendelstein und Feucht und im Forst zwischen Birnthon und Altdorf. Das am Röthenbach eingeschlagene Holz kommt ins Sägewerk Reitenspieß in der Fuchsmühle bei Leinburg.

Insgesamt rechnen Knappe und Fuhrmann mit 200 Festmetern Holz von rund 100 Fichten.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten