Trotz Corona: Altdorfs Sternsinger kommen

Die Sternredner

Im vergangenen Jahr konnten die Altdorfer Sternsinger die Tradition ausüben. In diesem Winter gestaltet sich das Sternsingen aufgrund der Corona-Pandemie sehr schwierig. Wegen des Singverbots werden sie nur Sprüche aufsagen. | Foto: Archiv2020/11/Altdorf-Sternsinger-2020.jpg

ALTDORF – Die Heiligen drei Könige sollen trotz der Pandemie durch Altdorfs Straßen ziehen und Geld für soziale Projekte sammeln.
Altdorf. Am Mittwoch entschied die Bundesregierung über neue Corona-Maßnahmen für den Dezember und über eine Strategie zur Eindämmung der Corona-Pandemie über die Weihnachtsfeiertage und Silvester.

Was noch nicht zur Debatte stand, ist das traditionelle Sternsingen vom 26. Dezember bis zum Heilig-Drei-Königs-Tag am 6. Januar. Das katholische Pfarramt Altdorf hat sich diesbezüglich jedoch schon viele Gedanken gemacht.

Zum alljährlichen Sternsingen nach dem Weihnachtsfest ziehen für gewöhnlich Kinder, verkleidet als die heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, von Tür zu Tür. Sie singen, sagen Sprüche auf und segnen die Häuser der Gemeindebürger. Teil der Tradition sind auch Geldsammlungen für soziale Projekte, die international vor allem Kindern zugutekommen. „Wir wollen auch in diesem Jahr für Kinder in Not sammeln, trotz der aktuellen Umstände“, sagt Brigitte Märx, die Gemeindereferentin der katholischen Gemeinde „Heiligste Dreifaltigkeit“ in Altdorf.

Kirche muss Brauch anpassen

Doch um die Tradition auch in diesem Jahr aufrechtzuerhalten, muss die katholische Kirche ihren Brauch an die aktuellen Umstände anpassen. Dies beginnt bereits bei der gemeinsamen Vorbereitung mit den Sternsingern. „In jedem Jahr treffen wir uns in der Vorweihnachtszeit mit den Kindern, um Organisatorisches zu klären, die Texte einzustudieren und die Kostüme anzuprobieren“, erklärt Märx. Doch bereits jetzt deutet sich an, dass die Vorbereitung sich nicht nur aufgrund der Pandemie schwieriger gestaltet als gewöhnlich: Die Sternsinger haben ein Nachwuchsproblem. „Wir bemerken schon jetzt, dass sich deutlich weniger Kinder für das Sternsingen anmelden“, berichtet die Gemeindereferentin.

Im Mittelpunkt der Vorbereitungen steht ein durchdachtes Hygienekonzept. Das beginnt schon bei den Vorbereitungstreffen: „Diese werden in diesem Jahr in der Kirche selbst stattfinden“, sagt Märx, „Dort haben wir genügend Platz, um Abstand zu gewährleisten.“

Die Sternsinger-Gruppen dürfen auf ihren Touren aus maximal vier bis fünf Personen bestehen, davon eine erwachsene Aufsichtsperson, welche die Kinder begleiten und auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen achten soll. „Diese Gruppen werden immer aus den selben Teams bestehen“, betont Märx, „damit wollen wir verhindern, dass es hier zu unnötig vielen Kontakten kommt.“ Die Sternsinger müssen außerdem bei den Besuchen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Noch ist offen, ob die Kinder die Maske nur vor den Häusern oder auf ihrer gesamten Tour tragen müssen“, sagt Märx. Ein weiterer Einschnitt ist das Singverbot für die Sternsinger: „Die Kinder werden lediglich einen Spruch aufsagen“, erklärt die Gemeindereferentin.

Segen vor der Tür

Neben der Maskenpflicht gilt auch, dass die Kinder nicht in die Häuser und Wohnungen der Gläubigen eintreten dürfen. „Bei Mehrfamilienhäusern handhaben wir es so, dass wir nur an der Haustür stehen werden, nicht an den Wohnungstüren“, erklärt Brigitte Märx. Außerdem dürfen die Sternsinger keine Süßigkeiten oder Geschenke annehmen. „Wenn die Leute gerne spenden wollen, dann können sie das, wir werden aber Spendendosen und Körbe dabei haben und somit kein Bargeld durch viele Hände wandern lassen“, ergänzt Märx. Ähnliche Planungen gäbe es ebenfalls in den Kirchengemeinden der Pfarrei in Winkelhaid, Burgthann und Leinburg, so die Gemeindereferentin.


Doch was, wenn die Pandemie den Sternsingern einen Strich durch die Rechnung macht? „Sollte sich die Lage zuspitzen, dann werden wir gemeinsam mit dem Pfarrer unser Vorgehen überdenken, anpassen und im schlimmsten Fall müssen wir in diesem Jahr auf die Sternsinger vor den Türen Altdorfs verzichten“, sagt Brigitte Märx. Eine mögliche Strategie wäre, die Spendentüten der Sternsinger zusammen mit einem Säckchen Weihrauch und dem Segensaufkleber in den Briefkästen zu verteilen. Eine andere Strategie, die vor allem dann greifen würde, sollten sich nicht genügend Sternsinger finden, wäre der Besuch nur nach Anmeldung. „So könnten wir auch mit weniger Kindern möglichst viele Bürger besuchen, die sich den Segen der Sternsinger wünschen“, sagt Märx.

Trotz der Corona-Regelung von Bund und Ländern soll das Sternsingen nach jetzigem Stand stattfinden. „Solange wir die Unterstützung der Diözese und des Kindermissionswerkes haben, halten wir an unserem Plan fest“, sagt Märx. „Sollte sich die Infektionslage in Altdorf ins Negative verändern, dann werden wir die Aktion allerdings nochmal überdenken.“ Die neuen Kontaktregelungen beträfen die Sternsinger nicht, betont Märx, da die Maßnahmen explizit Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ausschließen.

INFO

Die Anmeldung für die Sternsinger ist über die Religionslehrer oder unter www.dreifaltigkeit-altdorf.de/sternsinger möglich. Das erste Vorbereitungstreffen findet am Samstag, 5. Dezember, von 10 bis 11 Uhr in der katholischen Kirche statt. Fragen per Mail an [email protected]

Von Robin Walter

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