Sabine Weigand las im Fischbacher Pellerschloss aus ihrem neuesten Roman

Von Liebe, Hass und Macht

Sabine Weigand | Foto: Foto: Spieß2015/10/weigand2.jpg

FISCHBACH – Eleonore von Aquitanien war eine der schillerndsten Frauenfiguren des Mittelalters. Sie war ehrgeizig, stark und leidenschaftlich und nicht nur französische, sondern auch englische Königin. Und so sind die Frauengestalten, die Autorin Sabine Weigand interessieren. Wer war diese Frau? Wie lebte sie? Wie empfand sie? Diese Fragen beantwortet sie in ihrem neuesten Werk „Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche“.

Eleonore wurde verehrt und verachtet, sie war aber vor allem eine starke Frau, die immer Wert darauf legte, an der Herrschaft beteiligt zu sein. Vor allem ihr Herzogtum Aquitanien, dessen Regentin sie war, lag ihr immer sehr am Herzen.

Verschrien als Hure, vergöttert als schöne Frau, begehrt als Herzogin von Aquitanien, bewundert für ihre starke politische Rolle – Aliénor von Aquitanien, die mit rund 80 Jahren ein bemerkenswertes Alter erreichte, gilt zu Recht als eine der prägendsten Frauenfiguren des europäischen Mittelalters.

Als Mitbegründerin des Hauses Plantagenet, dessen Spuren sich bis heute im englischen Königshaus wiederfinden, als Mutter von insgesamt zehn Kindern, unter ihnen drei Könige, hat sie, außergewöhnlich in ihrer Zeit, als Frau die Geschicke der Politik entscheidend mitbestimmt.

Denn das Frauenbild im 12. Jahrhundert war klar definiert: Mutter und Ehefrau oder Nonne. Wer diese festen Rollenverteilungen verletzte, zog sich den Unmut der Kirche und somit der herrschenden Macht zu. Eleonore tat dies gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie unterwarf sich keinem ihrer Ehemänner, wie dies im Mittelalter die Regel war, denn eine Frau stand stets unter Vormundschaft, und mischte sich stets in politische Entscheidungen ein.

Und dazu kam, dass sie auch als Frau begehrt werden wollte – und geachtet.

Königin von Frankreich

Von diesem außergewöhnlichen Schicksal lässt Weigand ihre Heldin und deren Männer selber erzählen und beginnt bei ihrer Lesung mit der Rahmenerzählung, die im Jahr 1200 spielt: Eleonore holt ihre Enkelin Blanche, die sie selbst auswählte, aus Kastilien ab, um das Mädchen nach Frankreich zu bringen, wo sie mit dem französischen König verheiratet werden soll.

Die mittlerweile 76-Jährige erzählt ihrer Enkelin während der langen Reise nach Bordeaux ihr Leben, um diese über das Leben als Königin aufzuklären, aber auch um alles noch einmal Revue passieren zu lassen.

Sie hatte schon sehr früh ihre Eltern verloren und wurde als Kind mit dem französischen Thronfolger, Ludwig VII., verheiratet. Enttäuscht von ihrem Mann, dem eigentlich ein Leben als Kirchenmann zugewiesen war und dessen bieder-brave Keuschheitsfrömmelei sie als Unfähigkeit zu körperlicher Leidenschaft durchschaut, kommt es nach einem gescheiterten Kreuzzug ins Heilige Land – auch da versagte er – schließlich zum endgültigen Bruch und sie bringt Ludwig schließlich dazu – einen Thronfolger hatte sie ihm nicht schenken können –, im Jahre 1152 die Ehe auflösen zu lassen.

Schon kurz danach heiratet sie den sehr viel jüngeren Henry Plantagenet, der schon bald als Henry II. englischer König wird und damit Eleonore zur Königin von England macht. Fünf Söhne, darunter ihr Lieblingssohn Richard Löwenherz, und drei Töchter werden geboren und die Ehe scheint lange Zeit glücklich gewesen zu sein, spricht ihr Mann doch auch von ihr als der schönsten Frau der Welt.

Doch Henry II. ist als machthungriger Despot nicht in der Lage, für eine gerechte Erbfolge zu sorgen. Schließlich versucht Eleonore, zusammen mit ihren ersten drei Söhnen, den Tyrannen Henry zu stürzen. Doch dieser schlägt den Aufstand blutig nieder und Eleonore verbringt 16 Jahre, bis zu Henrys Tod, in Gefangenschaft. Ihr Leben beendet sie schließlich im Kloster.

Herrlich Weigands lebendige Schilderungen, die gelungenen Charakterisierungen der Romanfiguren, die in ihrer Unmittelbarkeit, weil zeitlich stimmig, überzeugen.

Der flüssige Erzählstil der Autorin, oft sehr direkt und unverblümt, bringt dem Leser und Hörer quasi nebenbei das Mittelalter nahe, vermittelt die Weltsicht dieser Zeit und die historischen Zusammenhänge und Personen, die, wie man es von der Autorin kennt, genau recherchiert sind. Wunderbar etwa die Beschreibung des charismatischen Richard Löwenherz: blond, blauäugig, ein Bild von einem Mann … aber dumm und „eine arrogante Sau“, so die promovierte Historikerin. Klug, burschikos und ein gestandenes Weibsbild – Weigand ist auch eine sehr unterhaltsame Erzählerin.

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