Erzählabend im PZ-Kulturraum

Geschichten vom Teufel und der armen Seele

Sehr unterhaltsam: Katharina Ritter und Evelyn Borchard (rechts). | Foto: Spieß2017/05/Ritter-und-Borchard2.jpg

LAUF — Die „Kino im Kopf“-Veranstaltung im PZ-Kulturraum bestritten diesmal Andrea Gonze, Katharina Ritter und Michl Zirk. Passende Musik dazu lieferte Evelyn Borchard am Akkordeon.

Vormittags waren bereits Schüler in den Genuss gekommen, Geschichten hören zu dürfen – in heutiger Zeit beileibe keine übliche Form der Unterhaltung. Dass dies auch Erwachsenen große Freude bereiten kann, dafür sorgen als Unterstützer seit Jahren die Stadt Lauf und der Fahner-Verlag.

Als dramaturgisch sehr gelungener Schachzug erwies sich die musikalische Begleitung: Evelyn Borchard, am Konservatorium ausgebildete Akkordeonistin und Leiterin des Akkordeon-Orchesters Hersbruck, verfeinerte die thematischen Ansätze perfekt. Stets auf Inhalt und Aussagen bezogen, gab es träumerische, wehmütige Musette-Walzer, Tango- und Swing-Töne, Chanson-Erinnerungen und flotte Schlagermelodien – länder- und zeitenübergreifend wie die Geschichten.

Die drei Erzähler boten in ihrem zweistündigen Programm ein überzeugendes Beispiel dafür, was freies Erzählen sein kann. Denn es gibt sie noch, die Unterhaltung ohne Bildschirm und Tastatur. Die andere Sinne anspricht und Aufmerksamkeit weckt, durch Sprache und imaginäre Bilder. Die mitnimmt in ferne Welten und Zeiten – und letztlich zum Menschen selbst führt.

Wunderliche Geschehnisse

Schon mit der ersten Geschichte machte Michl Zirk klar, dass das „Bären aufbinden“ in vielerlei Hinsicht zu verstehen ist. Die Grenzen zwischen wahr und unwahr, zwischen wirklich passiert und erfunden, sind nicht nur häufig schwer zu ziehen, sondern auch meist völlig irrelevant. Dann nämlich, wenn es darum geht, den Zuhörer zu entführen. Weit weg vom Alltäglichen, zu oft skurrilen Protagonisten und wunderlichen Geschehnissen. Dass dabei der Teufel eine zentrale Stellung einnimmt, ist nicht verwunderlich. Kein anderer vermag einen größeren Kontrast zum scheinbar harmlosen Leben zu liefern.

Katharina Ritter ließ ihn in seiner Paraderolle erscheinen: Der Seelenverkauf für Geld und Macht scheitert letztlich am Urvertrauen und der Liebe eines Menschen. Ein solches Ende tut immer gut, denn zu selten siegt ja das Gute über das Böse. Und manchmal, so berichtete Andrea Gonze in einer ihrer Geschichten, ist es auch die allseits bekannte Bauernschläue, die dem Satan ein Schnippchen schlägt. Noch besser, dass als Ergebnis eine stimmungsvolle Schlucht entsteht – und das bei Ottensoos …

Auch ernstere Themen wurden angeschlagen, etwa in der Geschichte von Tereus, Prokne und Philomela. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die griechischen Sagen für unser Verständnis, das die Handlungen stets eins zu eins empfinden will, auch sehr grausam sein können. Umso berückender das Ende, denn aus gewaltsamen Todestragödien erwachsen Nachtigall und Schwalbe. Auch Gonzes Ausflug ins alte China vermittelte anrührend, dass Wunder nicht durch Geld und Selbstgefälligkeit entstehen.

Die drei Fabulierer schenkten dem Publikum zum Ende hin noch ein paar leichtere Varianten. Sie erzählten davon, dass der Mensch auch mit Witz und Schläue ausgestattet ist, die scheinbar ausweglose Situationen „lösen“ können. Ein rundum gelungener Abend.

N-Land Erich Spieß
Erich Spieß