Krügel in Henfenfeld

Feuerwerksverbot: Großer Umsatz fehlt

Normalerweise sieht es vor Silvester so aus im Henfenfelder „Hauenstein“. | Foto: privat2021/01/FW-Kr-gel.jpg

HENFENFELD – „Das bedeutet für uns den größten Umsatzverlust in diesem Jahr und sogar seit Bestehen des Geschäfts“, sagt Roland Krügel. Seit 1971 ist für den „Hauenstein“ in Henfenfeld der Verkauf von Feuerwerksartikeln eine „wichtige Sache“.

Das liege zum einen an der Riesenauswahl – „Wir haben normalerweise 80 verschiedene Batterien da“ – sowie an der umfassenden Beratung, denkt Krügel. Er und seine Mitarbeiter versorgen die Kunden mit Infos zum Jugendschutz und zum Umgang mit den Raketen. „Das ist alles nötig, um im Vergleich zu den Supermärkten zu bestehen.“

Diesen Service wissen auch die Käufer zu schätzen: „Der Bereich Feuerwerk wurde über die Jahre stetig mehr.“ Dazu trugen sicher auch die Vorführungen einiger Artikel gemeinsam mit dem SV Henfenfeld bei, meint Krügel, die es seit über zehn Jahren gibt. „Da hatten wir bis zu 2000 Besucher.“

Auch für dieses Jahr hatten sich viele Helfer in den Tagen nach Weihnachten extra dafür und den Verkauf Urlaub genommen, erzählt Krügel. Um die Genehmigungen für den Präsentationstermin habe er sich seit Oktober gekümmert. Auch das Werbeprospekt war schon fertig. Und dann: „Wir haben am 14. Dezember erfahren, dass wir keine Raketen verkaufen dürfen.“

Aufteilen und ausräumen

Da waren aber schon acht von 15 Paletten mit Böllern, Batterien und Co. geliefert. „Wir mussten die Ware im Februar bereits bestellen.“ Die Auslieferung war etappenweise für Dezember vorgesehen, erklärt Krügel. Dafür trafen er, seine Frau und sein Team die entsprechenden Vorbereitungen: „Es darf sich immer nur eine bestimmte Menge Sprengkraft an einem Ort befinden, daher hätten wir alles auf verschiedene Garagen aufteilen müssen.“ Die wurden also ausgeräumt.

Auch im Keller des Ladens stellten die Krügels um und schufen rund 100 Quadratmeter Platz, denn auch dort sei nur ein gewisses Maß an Sprengkraft erlaubt. Zudem sollten die Kunden dort Abstand halten können. „Wir haben extra noch ein neunseitiges Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet.“

Doch damit nicht genug des Aufwands: Als nun das Verkaufsverbot klar war, musste Krügel die anderen drei Firmen – zwei hatten ja schon geliefert – anrufen, um die restlichen sieben Paletten abzusagen. Das ging, aber die Bestellung nehmen die Großhändler nicht zurück. „Einer lagert uns die Waren ein Jahr kostenlos ein, bei den anderen müssen wir wohl dafür zahlen“, sagt Krügel. Das sei aber noch nicht raus.

Das bereits bei ihm befindliche Material muss er selbst nach dem Gesetz einlagern. „Ein Freund von mir hat Gott sei Dank einen Bunker.“ Wenn man Rakete & Co. trocken und den Bestimmungen gemäß lagere, seien sie auch nach drei oder vier Jahren noch funktionstüchtig, weiß Krügel. Doch: „Ist Silvester in diesem Jahr sicher?“, fragt er sich.

Viele seien ja wegen der großen Feinstaubbelastung dagegen. „Aber ist das im Vergleich zu Industrie und Schiffsverkehr wirklich so gravierend?“ Auch das Argument mit den Verletzungen will Krügel so nicht gelten lassen. Übers Ausland und das Internet seien die Leute trotzdem an Ware gekommen – keine gute und kontrollierte. Da sei die Gefahr doch viel größer, ist er überzeugt. Denn es sei ja für ein Verbot doch recht viel geschossen worden.


Wenn er sich das Unverständnis seiner Kunden in Erinnerung ruft, verwundere ihn das nicht. „Ich finde es schlimm, dass es auf privatem Grund untersagt wurde.“ Die Maßnahmen der Bundesregierung bedeuten für ihn nicht nur, dass ein Instrument zur Neukundengewinnung weggefallen sei. „In den drei Tagen machen wir sonst den Umsatz eines Monats.“ Den Verlust in diesem Jahr beziffert er auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. „Ob wir dafür einen Ausgleich vom Staat bekommen?“

Dessen Scheibchentaktik und Informationspolitik ärgern Krügel fast noch mehr als die Regelungen an sich: „Die Post hat uns schon ein paar Tage vor der Regierung mitgeteilt, dass wir offen haben müssen und dass da was kommt.“ Auch nun sei es doch wieder so, dass die Verlängerung des Lockdowns bestimmt schon lange fix sei. „Wenn wir solche Dinge früher erfahren würden, könnten wir uns besser darauf einstellen.“

Dreifache Menge

Dann hätte er vielleicht an den Bestellungen noch etwas ändern können. „Beim Jugendfeuerwerk haben wir die dreifache Menge verkauft wie sonst.“ Die vorhandene Ware habe natürlich nicht ausgereicht. „Wir hatten Glück, dass wir einen Großhändler mit Vorrat hatten.“

Als Glück empfindet es Roland Krügel auch, dass er dank der Poststelle öffnen darf. Zwar müssten nun seine Frau und er den Laden alleine schmeißen, um zu viele Kontakte zu vermeiden, und die Umsätze seien spürbar zurückgegangen, aber ohne diese Einnahmen sei eines klar: „Dann müssten wir für immer zusperren.“

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