Hormersdorfer lehnen Projekt vor Haustür ab

Viel Gegenwind für das Gewerbegebiet

Bei Hormersdorf, zwischen der Staatsstraße 2404 (im Bild) und der A 9 (links im Hintergrund) soll ein 5,3 Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Im Ort regt sich dagegen Widerstand.2019/02/Hormersdorf-A9-x-kunftiges-Gewerbegebiet-Foto-kir.jpg

HORMERSDORF — Bei der Bürgerversammlung in Hormersdorf am Montagabend gab es fast nur ein Thema: Das vom Markt geplante Gewerbegebiet an der Autobahnausfahrt der A 9 nahe des Schnaittacher Ortsteils. Im voll besetzten „Graoler‘s Wirt“ musste Bürgermeister Frank Pitterlein viel Kritik einstecken.

Zwar gab es bereits im Vorjahr einen Sonderversammlung zum geplanten Gewerbegebiet in Hormersdorf. Doch auch bei der regulären Bürgerversammlung im Ort in diesem Jahr, der letzten von neun im gesamten Gemeindegebiet, interessierte die Bürger fast nur das eine Thema. Pitterlein (CSU) hatte in seinem Vortrag für das Projekt geworben. Der Markt brauche zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen, so das Hauptargument des Bürgermeisters. Neben ihm waren einige Marktgemeinderäte zu dem Ortstermin gekommen, vor allem von der CSU, aber auch Pitterleins Stellvertreter Karlheinz Lang (SPD), der sich zuletzt im Bauausschuss gegen das Gewerbegebiet ausgesprochen hatte. Ende Januar war der Vorentwurf mit sechs zu drei Stimmen angenommen worden (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

Bevölkerung verständnislos

Viele Hormersdorfer äußerten im „Graoler‘s Wirt“ Unverständnis für die Pläne der Gemeinde. Über eineinhalb Stunden lang hinterfragten sie das Projekt. Warum braucht es eine weitere Tankstelle entlang der A 9? Auch die geplante Autowaschanlage sei überflüssig. Und was ist mit dem zusätzlichen Lkw-Verkehr?

Zwar möchte der Markt, dass nur fünf Stellplätze für Lastwagen entstehen – der Investor hatte laut Pitterlein auf mindestens die doppelte Anzahl gedrängt. „Wir wollen keinen Lkw-Autohof“, so der Bürgermeister. Doch befürchten die Hormersdorfer, dass etliche Lastwagenfahrer nach einem Stopp am Gewerbegebiet in ihrem Ort parken. Die ganze Nacht lang laufende, laute Kühlaggregate vor dem Schlafzimmer und wild urinierende Brummifahrer inklusive.

Erwähnt wurde auch, dass 5,3 Hektar Wald und Wiesen für das Areal weichen müssen. Betroffen ist auch ein knapp zwei Hektar großer Teil des Landschaftsschutzgebietes „Nördlicher Jura“. Für das bebaute Land müsste die Gemeinde Ausgleichsflächen schaffen. „Wir zahlen mit unserer Lebensqualität“, äußerte ein Bürger.

Investor hat freie Hand

Ein Landwirt forderte, wenn überhaupt, solle der Markt das Gewerbegebiet selbst entwickeln statt einem Investor freie Hand zu lassen. Und womöglich werde das Gebiet in wenigen Jahren gar nicht mehr gebraucht, falls es zu einer Rezession komme. „Wir können nicht immer nur wachsen, wachsen, wachsen.“

Pitterlein entgegnete, die Gemeinde habe „Schulden ohne Ende“, deshalb sei es unmöglich, das Areal selbst zu entwickeln. Es sei denkbar, dass sich der Markt Rückkaufsrechte sichert.

Eine Hormersdorferin drückte die Befürchtung aus, bei den 5,3 Hektar werde es nicht bleiben, das Gewerbegebiet könne in weiteren Schritten wachsen. Dem widersprach der Bürgermeister nicht. Doch dann müsse es ein neues Verfahren geben, wiederum samt Öffentlichkeitsbeteiligung.

Der Bürgermeister betonte, wie wichtig es ihm und der Gemeinde sei, dass die Bürger gut informiert würden. „Keiner kann sagen, es ist durch die Hintertür gemacht“. Das zeige beispielsweise die themenbezogene Bürgerversammlung im Vorjahr, bei der auch der Investor Rede und Antwort stand. „Vertrauen Sie Ihrem Gremium“, warb Pitterlein. Von Teilen der Gäste erntete er höhnisches Gelächter.

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Steuereinnahmen sind nötig

Mehrfach versprach er auch Arbeitsplätze, die vor Ort entstünden, für die Hormersdorfer interessant sein könnten und dem Markt über die Einkommenssteuerbeteiligung wiederum Geld brächten. „Jeder Arbeitsplatz, der dort entsteht, bringt Geld, jede Firma bringt Gewerbesteuereinnahmen.“ Und diese seien nötig.

Neue Kindergärten, der Unterhalt des verzweigten Straßennetzes, all das müsse bezahlt werden. Um die Fläche sei es schade, nahe des Kernortes gebe es aber kein geeignetes Areal mehr. „Ich kann mit einer Ideologie keine Kommune ernähren“. Heimische Firmen wollten sich vergrößern. Wenn es aber im Markt keine Flächen gäbe, könnten sie komplett wegziehen, argumentierte der Bürgermeister. Die Tankstelle, auf die der Investor besteht, bezeichnete Pitterlein als sauren Apfel, in dem man beißen müsse. Sie sei eine sichere Einnahmequelle.

Aktuell liegt der Vorentwurf im Rathaus aus. Bis Ende März haben alle Schnaittacher die Möglichkeit, ihn dort oder auf der Webseite der Marktgemeinde unter www.schnaittach.de/bauleitplanverfahren einzusehen und sich schriftlich dazu zu äußern. Pitterlein warb dafür, das auch zu tun. „Ab jetzt sind Sie gefragt.“ So vehement er sich für das Projekt einsetzte, eine Hintertür ließ Pitterlein offen. „Wenn wir merken, die Akzeptanz ist gar nicht da, müssen wir überlegen, wie wir weitermachen.“

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