Erlanger Hydrogeologin stellt klar:

„Keine Gefahr für Grund- und Trinkwasser“

Auf zwei Flächen des über 50 Hektar großen Gebiets soll der Quarzsand im Nassabbau gewonnen werden, auf der dritten Fläche im Trockenabbau. Eine Grundwassergefährdung sei damit nicht gegeben, sagt die Hydrogeologin Tanja Belicic. | Foto: Natascha/stock.adobe.com2021/05/Roethenbach-Sandabbau-nass-scaled.jpg

RÖTHENBACH – Hydrogeologin warnt vor Alarmismus und Fake News beim Protest gegen den geplanten Sandabbau auf einer über 50 Hektar großen Waldfläche bei Röthenbach. Die Planerin räumt aber ein, dass man das Vorhaben wegen seiner Größe kritisch sehen muss.

Der geplante Sandabbau bei Röthenbach stößt auf breiten Widerstand. Quer durch die Parteienlandschaft melden sich die Gegner zu Wort. Der Bürgerinitiative gegen das Vorhaben ist es zwischenzeitlich gelungen, eine große Öffentlichkeit zu mobilisieren, in den in der Nähe des Abbaugebiets liegenden Ortschaften Röthenbach und Ludersheim ebenso wie in Altdorf und Winkelhaid. Über 50 Hektar Naturflächen sollen der Rohstoffgewinnung zum Opfer fallen, jährlich rund 300 000 Tonnen Sand abgebaut und das Material mit Lkw abgefahren werden.

Nachdem sich inzwischen fast alle Parteien im Landkreis auf Gemeinde- wie auf Kreisebene gegen das Vorhaben positioniert haben, gibt es aber auch Stimmen, die vor ungerechtfertigtem Alarmismus warnen.
Die Erlanger Hydrogeologin Tanja Belicic ist Fachfrau für Genehmigungsplanung und erstellt seit vielen Jahren begleitende Gutachten für Abbauvorhaben. Sie hat sich in die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren eingelesen, mit dem der Quarzsandabbau bei Röthenbach im Gebiet Vogelherd genehmigt werden soll.

Erstellt wurde die Untersuchung vom Büro Piewak und Partner aus Bayreuth. Belicic weist darauf hin, dass durch einen Sandabbau im Vogelherd und die anschließende Verfüllung keine Gefährdung des Grundwassers zu erwarten sei. „Eine Grundwasserabsenkung ist weder geplant noch wäre sie genehmigungsfähig“, sagt die Hydrogeologin. Wer anderes behaupte, der verbreite Fake News.

Kein Einfluss auf Wassermenge des Bachs

Keine Gefährdung des Röthenbachs also, wie von der Bürgerinitiative befürchtet? Nein, sagt Belicic, auf die Wassermenge im Bach habe der benachbarte Sandabbau überhaupt keinen Einfluss. Auch nicht auf das 400 Meter nördlich, jenseits der A 6 gelegene Wasserschutzgebiet der Stadt Nürnberg, betont die Hydrogeologin. Die EWAG ziehe das Wasser für die Nürnberger Trinkwasserversorgung aus sehr viel tieferen geologischen Stockwerken.

Dass auf den über 50 Hektar ausgebeuteten Sandabbauflächen Bauschutt abgelagert werden soll, wie von der Bürgerinitiative dargestellt, entspricht nicht den Raumordnungsunterlagen, betont Belicic. Darin sei festgelegt, dass im größeren Bereich der Abbaufläche lediglich unbelasteter Erdaushub deponiert werden darf, auf einem kleineren Teil der Fläche ist eine Verfüllung mit leicht belastetem Aushub möglich. Der Bauschuttanteil darf bei diesem Material ein Drittel betragen.

Mindestens zwei Meter über Grundwasser

Belicic verweist auch auf die Aufteilung der 50 Hektar in drei Abbauflächen, zwei für den Nassabbau und ein 22 Hektar großer Bereich für den Trockenabbau. Für letzteren greift das Bergrecht, für die Nassabbauflächen ist eine wasserrechtliche Genehmigung einzuholen.
Im Bereich des Trockenabbaus müssen die tiefsten Punkte, die sogenannte Sole, mindestens zwei Meter über dem zu erwartenden höchsten Grundwasserstand liegen. „Das Grundwasser wird also hier durch den Abbau gar nicht beeinflusst“, sagt die Hydrogeologin.

Nassabbauten dürfen nach einem geologischen Eckpunktepapier für Gruben, Brüche und Tagebauten eigentlich nicht verfüllt werden. Im konkreten Fall macht die Abbaufirma aber ein öffentliches Interesse geltend. „Aber auch dann kann nur mit unbelastetem Erdaushub verfüllt werden, von dem keine Grundwassergefährdung ausgeht“, hält Belicic fest.

Verfüllung wohl erst nach 35 Jahren

Insgesamt sei das Abbauvorhaben im Vogelherd aber durchaus problematisch. Es handle sich hier um ein sehr großes Vorhaben, dem eine große Fläche relativ alten Walds geopfert werden müsse. Hinzu kommt laut Belicic, dass sich zwar die Abbauzeit auf 35 Jahre bemessen lasse, über den anschließenden Zeitraum der Wiederverfüllung könne man aber keine Aussagen treffen. Weil beim Sandabbau der Quarzsand laut Belicic aus den Trockenabbau- und Nassabbauflächen gemischt werden soll, könnten Abbau und Wiederauffüllung auch nicht parallel laufen. Verfüllt würden die ausgebeuteten Flächen deshalb laut Belicic tatsächlich erst nach 35 Jahren.

Als den Bürgern in Schwarzenbruck in den 80er Jahren erläutert wurde, wie lange die Gsteinacher Aushub- und Bauschuttdeponie in Betrieb sein würde, war vom Beginn der 2000er Jahre die Rede. Der Landschaftsplaner Professor Reinhard Grebe versprach den Schwarzenbruckern damals eine parkähnliche Landschaft auf dem Deponiegelände, in die ein Badesee eingebettet werden könnte. Grebe ist 2007 verstorben. Die Deponie bei Gsteinach ist eine der größten Bauschuttdeponien Nordbayerns und immer noch in Betrieb.

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