„Pragmatismus, menschliche Nähe, Verbindlichkeit“

„Altdorf ist jetzt meine Stadt“

Unter anderem mit Schwimmkursen bietet der Unterstützerkreis für Asylsuchende in Altdorf geflüchteten Kindern und Jugendlichen ein buntes Programm zur Integration. | Foto: Monkey Buisness/stock.adobe.com2021/04/Altdorf-Integrationspreis-Schweimmen-AdobeStock-scaled.jpg

ALTDORF – Der Unterstützerkreis für Asylsuchende bewirbt sich um den bayerischen Integrationspreis.

Wer Integration will, muss Teilhabe ermöglichen. Dazu braucht es eigentlich nicht viel: Verbindlichkeit, einen langen Atem, Neugierde und Liebe zu den Menschen. Die Kinder geben alles vielfach zurück. Es ist ein Geben und Nehmen, aber das scheinen viele noch nicht verstanden zu haben“, sagt Elisabeth Ehm. Sie ist ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Altdorfer Unterstützerkreis für Asylsuchende und eine der Initiatorinnen des Projekts „Altdorf ist jetzt meine Stadt“.

Mit Hilfe von zwei konkreten Angeboten sollen sich die geflüchteten Kinder und Jugendlichen das neue Lebensumfeld aneignen. „Niedrigschwellig, lebensweltorientiert und partizipativ“ sei das Angebot, das 2016 ins Leben gerufen wurde und sich an alle Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 15 Jahren richtet. Während die wöchentliche Spielstunde ein festes Ritual direkt im Haus oder auf dem örtlichen Spielplatz darstellt, sollen bunte Ferienangebote die Integration der Geflüchteten voranbringen.

Acht bis 14 Kinder besuchten zuletzt regelmäßig die Spielstunde, deren Programm sie mitbestimmen konnten. Wie gut die Spielstunde bei den Jugendlichen ankommt, zeigt die Aussage des 14-jährigen Abdallah, der sie als „die schönste Stunde in der Woche“ bezeichnet.

„Teilhabe, Inklusion, Bildung“

Zu den Ferienangeboten zählen Sonderaktionen wie Schwimmkurse, Ausflüge in Museen, in den Zoo, Feiern sowie die Beteiligung am städtischen Ferienprogramm oder an Vereinsangeboten. „Teilhabe, Inklusion und Bildung“ wurden unter anderem während eines Büchereibesuchs gelebt, heißt es in der Bewerbung. „Die Führung, die Ausleihe, das Medienangebot, die Vorstellung der Mitarbeiter sowie das Beobachten anderer brachte den Kindern eine wichtige Institution nahe, die sie bis dato noch nicht kannten.

Die Besonderheit: Alle Altersgruppen werden dabei zusammen betreut. Das ermögliche sowohl den Vorschulkindern als auch den Jugendlichen die Teilnahme, die sonst auf die kleinen Geschwister aufpassen müssten und das Angebot deshalb nicht wahrnehmen könnten. Doch wie sehr setzte den Verantwortlichen die anhaltende Pandemie zu? „Das Projekt lebt von Pragmatismus, menschlicher Nähe, Verbindlichkeit, Lebensrealität und maximaler Flexibilität“, lautet die Antwort des Unterstützerkreises. Corona-bedingt fanden die Treffen im Freien statt, das Wetter bestimmte folglich den Spieltag.

Einer, der als Mitglied der Jury des bayerischen Integrationsrates über die Preisverleihung mitentscheiden wird, ist Arif Taşdelen. Der SPD-Landtagsabgeordnete freut sich über die Bewerbung des Projekts und erklärt: „Mit der wichtigen Arbeit hier vor Ort leisten die Engagierten einen wertvollen Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Diese Arbeit kann man gar nicht hoch genug wertschätzen. Deshalb habe ich die Bewerbung als Jurymitglied unterstützt.“ Nur durch das Engagement von Menschen mit dem Herz am rechten Fleck könne Integration vollständig gelingen, ist er überzeugt.

Landtagsabgeordneter Arif Taşdelen sitzt in der Jury des bayerischen Integrationsrates und unterstützt das Projekt. Foto: Arif Taşdelen2021/04/Altdorf-Arif-Tasdelen-Integrationspreis.jpg

Forderung an die Staatsregierung

Dem Integrationspreis steht Taşdelen freilich positiv gegenüber, er warnt jedoch davor, sich mit der Vergabe der Auszeichnung zufrieden zu geben. „Die Staatsregierung muss dieses Engagement stärker unterstützen und darf sich nicht auf der Vergabe des Integrationspreises ausruhen. Stattdessen muss sie den Projektträgern und den vielen Ehrenamtlichen mit unkomplizierten Fördermaßnahmen dauerhaft unter die Arme greifen“, stellt der Abgeordnete klar. Worte, die beim Altdorfer Unterstützerkreis für Asylsuchende auf offene Ohren stoßen.

Dotiert ist der bayerische Integrationspreis 2021 mit insgesamt 6 000 Euro, das Preisgeld kann dabei in Teilsummen auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden. Es ist zweckgebunden für Projekte und Initiativen im Bereich der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einzusetzen. Der Sonderpreis ist darüber hinaus mit 500 Euro bedacht. Die Auszeichnung wird voraussichtlich am 21. Juni im bayerischen Landtag verliehen. Sollte das Altdorfer Projekt ausgezeichnet werden, soll das Preisgeld in die Einrichtung eines neuen Spielraums investiert werden.

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