Tiere suchen Schutz in der Festung Rothenberg

Winterquartier für rund 200 Fledermäuse

Die Fledermäuse, die zum Überwintern nach Schnaittach kommen, interessieren sich für gut geschützte Spalten und konstante Temperaturen. Die Festung Rothenberg ist daher ideal. Aufwecken sollte man sie nicht, denn das kostet viel Energie. | Foto: Glassauer2021/01/Festung-Rothenberg-Winter-Foto-Glassauer-scaled.jpg

Schnaittach – Auf der tief verschneiten Festung Rothenberg trafen sich zum alljährlichen „Fledermausmonitoring“ Jonas Raab von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und Jürgen Glassauer, der Vorsitzende des Heimatvereins Schnaittach. Die Begehung fand dieses Jahr coronabedingt nur mit kleinster Besetzung statt.

In knapp drei Stunden wurden die Winterquartiere der Fledermäuse erkundet. Auf Teile des Kreuzgewölbes und auf den Besuch der Bastion Karl mit ihrer Kanoneneinfahrt musste aus Sicherheitsgründen verzichtet werden.


Bedeutsames Winterquartier


Das Gelände der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Anlage stellt ein bayernweit bedeutsames Winterquartier für die Mopsfledermaus dar und ist von regionaler Bedeutung für andere Fledermausarten. Die durchgeführten Winterzählungen in den letzten Jahren ergaben eine Artenvielfalt von sieben Fledermausarten, unter anderem die bereits erwähnte Mopsfledermaus und die Zwergfledermaus.

Dieses „Braune Langohr“ hält in einer Felsspalte Winterschlaf. Foto: Raab | Foto: Raab2021/01/Braunes-Langohr.jpg


Die unterirdischen Kasematten und die Reste des vierschiffigen Kreuzgewölbes eignen sich als Winterquartier, da eine gleichbleibende Temperatur von etwa 5 Grad Celsius vorhanden ist, Spalten, Ritzen und Vorsprünge ausreichend verfügbar sind und durch die Schießscharten genügend Einflugöffnungen vorhanden sind.


Keine Führungen im Winter


Auch sind die Fledermäuse ungestört, da in den Wintermonaten Führungen aufgrund des Bundesnaturschutzgesetzes nicht erlaubt sind. Das Aufwachen während des Winterschlafes ist mit einem hohen Energieverbrauch verbunden, schwächt die Tiere und sollte daher unbedingt vermieden werden. Der Sommerlebensraum kann bis zu 100 Kilometer entfernt sein und geschwächte Tiere können ihn dann nicht mehr erreichen.


Versteckt in Spalten oder Ritzen


In den begehbaren Bereichen hängen die Tiere nur selten frei an der Wand. Meistens verstecken sie sich in den Ritzen oder Spalten des Festungsgemäuers. So wurden 26 Fledermäuse gefunden. Aufgrund der Höhe der Kasematten von bis zu 14 Metern und nicht begehbarer Bereiche kann die Zahl der gefundenen Fledermäuse mit einem Faktor von sieben multipliziert werden, so dass etwa 200 Fledermäuse die Festung als Winterquartier benützen.


Die Fledermäuse wurden von Jonas Raab fotografiert und werden dann zur weiteren Auswertung an die Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern in Erlangen übermittelt.


Erhaltung des Mikroklimas


Auf Grund des Artikels 6 Absatz 1 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union ist über die Ruine Rothenberg bei Schnaittach ein 4,42 Hektar großes Natura 2000/FFH Gebiet gelegt worden. Die wichtigsten Erhaltungsziele sind die Erhaltung des Hangplatzangebotes, des Mikroklimas und der traditionellen Einflugmöglichkeiten.


Bei Sanierungsmaßnahmen werden von der Bayerischen Schlösserverwaltung und dem Heimatverein die Belange des Fledermausschutzes mitberücksichtigt. So ist die Festung aus Sicht des Heimatvereinsvorsitzenden Jürgen Glassauer ein gelungenes Beispiel dafür, dass sich Denkmalschutz und Naturschutz ergänzen können.

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