Unglück beim Flugtag: 46-Jährige getötet und 38 Menschen verletzt

Dramatische Szenen ereigneten sich kurz nach dem Unglück in Lillinghof2010/09/onlinesofort.jpg

LILLINGHOF — Tragödie beim Flugtag in Lillinghof: Ein historischer Doppeldecker ist dort am Sonntag beim Start von der Bahn abgekommen und in die Zuschauermenge gerast. Eine Frau wurde getötet, fünf weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein siebenjähriges Kind. 33 erlitten leichtere Verletzungen.

Es war gegen 15 Uhr, der Flugtag lief gerade rund eine Stunde, als das Unfassbare geschah. Drei historische Propeller-Doppeldecker starteten zum Formationsflug. Während die ersten beiden problemlos abhoben, kam die dritte, hinterste Maschine, eine grüne Tiger Moth, ins Trudeln und nach rechts von der Startbahn ab. Sie raste in die Zuschauer, die dicht gedrängt am Rand die Vorführungen verfolgten, und stellte sich senkrecht auf den Propeller auf, bevor sie zurückfiel.

Unmittelbar nach dem Unglück spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen schrieen, Helfer versuchten sofort, die unter der Maschine eingeklemmten Personen zu befreien und das Flugzeug zurückzuschieben. Für eine 46-jährige Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät: Bei der Getöteten handelt es sich um die Frau des Laufer FW-Stadtrats und Allgemeinmediziners Martin Seitz. Das Ehepaar war zusammen mit weiteren Laufer Lokalpolitikern, darunter die Ehepaare Scheld und Hauck, ganz vorne gestanden. Die Frau von Bürgermeister-Stellvertreter Manfred Scheld wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Sofort zur Stelle waren zwei Sanitätsfahrzeuge, die für den „normalen“ Dienst am Flugtag abgestellt waren. Auch einige Ärzte aus dem Publikum kümmerten sich um die Verletzten, bis unzählige weitere Rettungswagen aus dem gesamten Landkreis über die schmale Straße von Freiröttenbach hinauf nach Lillinghof kamen. Vier Rettungshubschrauber landeten. Die Feuerwehren aus Lauf, Schnaittach, Freiröttenbach und Lillinghof übernahmen das Absperren der Unfallstelle. Immer wieder ertönten per Lautsprecher Durchsagen von Menschen, die auf der Suche nach ihren Angehörigen waren, darunter auch Kinder. Vor allem Besuchern, die das Unglück aus nächster Nähe miterlebt hatten, stand der Schock ins Geschicht geschrieben.

Fassungslosigkeit und entsetztes Schweigen herrschte im Tower bei den Mitgliedern des Veranstalters, des Segelflugclubs Lauf. Ihnen standen Tränen in den Augen. Die Tiger Moth, von der es nur noch wenige Exemplare gibt, kam aus Gelnhausen bei Frankfurt und war mit ihrem 68-jährigen Piloten schon öfter zu Gast beim Lillinghofer Flugtag gewesen. „Der kannte unseren Flugplatz aus dem FF“, meinte einer der Männer im Tower tief betroffen.

Der Pilot selbst blieb unverletzt, er erlitt jedoch einen Schock. Der 68-Jährige verweigerte die Aussage gegenüber der Polizei. Warum er von der Startbahn abkam, stand am Sonntagabend noch nicht endgültig fest. Denkbar sind ein plötzlicher Strömungsabriss oder Luftverwirbelungen, ausgelöst durch die beiden unmittelbar vorher startenden Flugzeuge. Die Wetterbedingungen waren zum Zeitpunkt des Unglücks völlig unproblematisch.

Der Flugtag wurde anschließend abgebrochen, die Zuschauermenge löste sich jedoch nur zögerlich auf. Die Schaulustigen wurden per Lautsprecher-Durchsagen zum kontrollierten Verlassen des Geländes aufgerufen. Die Straße hinunter nach Freiröttenbach wurde zeitweise gesperrt, um den Rettungsfahrzeugen das Durchkommen zu ermöglichen. Auf der Start- und Landebahn wurden derweil noch die leichter verletzten Menschen versorgt. Insgesamt 22 Menschen wurden in die Krankenhäuser gebracht, 174 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter auch  fünf Notfall-Seelsorger.

Noch am Nachmittag nahmen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ihre Ermittlungen auf. Die Kriminalpolizei bittet Zuschauer, die möglicherweise Videos von dem Unglück gedreht haben, diese bei der Polizei abzugeben, da sie hilfreich bei der Klärung der Unfallursache sein könnten. Hinweise telefonisch unter 0911/2112-3333 an den Kriminaldauerdienst in Nürnberg.

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