Kommunalpolitiker erklären ihr Engagement

Politik vor Ort wirkt sofort

Eckard Paetzold (v. l.) schätzt die Nähe zu den Bürgern. Thomas Ritter interessiert sich schon als Kind für Politik. Jutta Helmreich begrüßt es, keinem Fraktionszwang zu unterliegen. | Foto: privat2019/07/kommunalpolitik.jpg

NÜRNBERGER LAND – Dauernörgler, Kaugummi-Diskussionen, Sitzungen bis spät in die Nacht – Kommunalpolitik kann anstrengend sein. Zwei Gemeinderäte und ein Stadtrat erzählen, was sie dennoch dazu motiviert, sich politisch zu engagieren.

An der deutsch-deutschen Grenze fletschen sich Sowjets und Amerikaner an, schwenken ihre Atombomben und rücken keinen Millimeter. In diese brenzlige Situation marschiert Willy Brandt und erzählt etwas von „Wandel durch Annäherung“, stimmt mit seinen auf Konsens ausgerichteten Ostverträgen ein versöhnlicheres Lied an.

Eckard Paetzold, damals Jungspund, heute Stadtrat für die Grünen in Altdorf, ist beeindruckt. „Ich war fasziniert von Brandt“, erinnert sich der gebürtige Schleswig-Holsteiner. Inspiriert von seinem Vorbild tritt er Ende der 60er Jahre in die SPD ein und ist dreißig Jahre lang Mitglied. Anfang 2000 wechselt Paetzold jedoch zu den Grünen: „Nachhaltigkeit und Umwelt hatten bei denen einfach einen größeren Schwerpunkt“, erklärt er. Der Wechsel fällt ihm schwer, doch er bereut ihn nicht.

Feedback beim Brötchen holen

Als seine Kinder aus dem Haus sind, beschließt er Politik vor der eigenen Haustür auch selbst zu gestalten, lässt sich als Grünenkandiat aufstellen und ist in mehreren Bürgerinitiativen aktiv. Er investiert seine Zeit gern. „Wenn man nicht selber aktiv wird, überlässt man die Entscheidung am Ende anderen, von denen man nicht vertreten werden will“, erklärt er.

Befriedigend findet Paetzold, dass er das Ergebnis seiner Mühen oft direkt vor Augen hat. Stolz erzählt er von dem kleinen, grünen Weg, der Polizeiparkplatz und Mühlweg verbindet. Er hätte vor Jahren einer zweispurigen Straße weichen sollen. Aber es gibt ihn noch heute, dank einer von Paetzold ins Leben gerufenen Bürgerinitiative.

Der enge Kontakt zum Bürger gefällt dem Stadtrat besonders gut. „Man kann gar nicht über die Leute hinweg sehen. In der Kommunalpolitik hat man immer und überall mit Betroffenen zu tun, die einem Feedback geben, sogar früh beim Bäcker. Man wohnt ja selber da.“

Ähnlich sieht das Gemeinderat Thomas Ritter: „Die Nähe zu den Mitbürgern im Austausch um die möglichst beste Umsetzung einzelner Fragen ist sicherlich ein großer Vorteil“, sagt der Ortvorsitzende der Burgthanner CSU. Schon als Junge beschäftigt er sich mit Politik: Er verfolgt die Diskussionen seine Eltern zur Bundestagswahl 1998 und entscheidet sich schließlich für Helmut Kohl. Konsequent tritt er 2002 in die Junge Union ein und wird ein Jahr später CSU-Mitglied. Seit 2008 ist er im Kreistag und im Burgthanner Gemeinderat.

Ein Junge für Kohl

Als Kommunalpolitiker macht es ihm Spaß, Interessen zusammenzuführen und nach der besten Lösung zu suchen. Außerdem sei sie wichtig, die Politik im Kleinen: „Der Mittelstand war und ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wirtschaftswachstum und Beschäftigung in Deutschland brauchen eine optimistische Mittelschicht und einen engagierten sowie erfolgreichen Mittelstand. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist auch ein Teil der Kommunalpolitik“, erklärt Ritter.

Sie ist für ihn eine Gemeinschaftsleistung in den Gremien – eine sachliche Auseinandersetzung, finanzielle Stabilität, Orientierung an der Sache und Dialog zwischen den Fraktionen und Bürgern.

Auch Jutta Helmreich von der Leinburger SPD bricht eine Lanze für die Kommunalpolitik. Gegenüber der Landes- und Bundespolitik hat sie für Helmreich einen klaren Vorteil: „Es ist Politik nah beim Menschen. Man unterliegt hier keinem Fraktionszwang und ich kann bei Entscheidungen meinem Gewissen folgen“, erklärt die Leinburgerin.

Seit 2008 sitzt sie im Gemeinderat. Ein guter Bekannter hatte ihr vorgeschlagen, sich aufstellen zu lassen. „Und ich wurde tatsächlich wider Erwarten gewählt“, sagt sie bescheiden. Helmreich mischt sich gerne ein. Ein Zitat des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer gibt den Ausschlag: „Nur wer eine Ahnung hat, hat auch eine Meinung.“

Entscheiden nach Gewissen

Seit sie dies gelesen habe, sei ihr bewusst, wie wichtig es ist, sich zu informieren und Dinge zu hinterfragen, sich politisch zu engagieren und, wenn es nötig ist, dabei auch den Mut haben, nicht dem Mainstream zu folgen. Daher trägt sie Entscheidungen zum Wohl der Kommune auch dann gerne mit, wenn sie für einzelne manchmal nicht nachvollziehbar sind.

Besonderen Spaß hat Helmreich seit 2012 in ihrer Funktion als Seniorenbeauftragte: „Ich kann hier quasi ein Sprachrohr für die ältere Bevölkerung sein.“ Das direkte Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen, erfüllt sie mit Stolz: Nach Seminaren und Anregungen ihrerseits, steige die Gemeinde zum Beispiel endlich zusammen mit einem Projektleiter in die Planung für altersgerechtes Wohnen in Leinburg ein. „Das ist für mich ein großer Erfolg“, sagt Helmreich.

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock