Bayern hebt Katastrophenfall auf

Lockerungen: Das ändert sich ab Montag

Pfarrer Stefan Alexander verteilte 2020 die Sitzplätze in St. Otto mit dem Meterstab. Die Abstände gelten weiterhin, aber Singen ist wieder erlaubt. | Foto: Andreas Sichelstiel2020/05/gottesdienst-corona-st-otto-neu-abstand-pfarrer-alexander.jpg

NÜRNBERGER LAND – Auf diese Nachricht haben viele gewartet: Ab Montag gelten in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens weniger strenge Corona-Regeln, ob im Gottesdienst, im Sport, der Gastro oder bei Kulturveranstaltungen. Welche Auswirkungen haben die Lockerungen tatsächlich? 

Sport ist im Freien und auch in der Halle bei Inzidenzen unter 100 ohne Obergrenze bei der Personenzahl möglich, unter 50 auch ohne negativen Test. Beim Sportklub Lauf hofft man auf eine reguläre Fußball-Saison ohne Unterbrechung oder Abbruch, wie Sportvorstand Marc Schober sagt.

Am Donnerstag steht der Trainingsauftakt der Vollmannschaft an, die Spieler bringen sich bisher selbstständig mit Laufeinheiten in Form. „Die Jungs sind heiß“, sagt Schober, der auf Nachricht vom Bayerischen Fußball-Verband wartet, wann es mit der neuen Spielzeit los geht.

Machen die Spieler weiter?

Wie viele Vereine beschäftigt auch den SK Lauf die Frage, wie viele Kicker nach der Pandemie die Fußballschuhe wirklich wieder auspacken. Wer im letzten Jahr andere Hobbies entdeckt hat, kann sich jetzt vielleicht nicht mehr motivieren, viermal die Woche in der Vorbereitung am Ball zu sein, spekuliert Schober. „Das wird in ganz Deutschland oder weltweit so sein.“ Viele Mitglieder habe der SKL in den vergangenen Monaten zwar nicht verloren, allerdings sei es schwierig gewesen, neue Spieler zu holen.

Der 29-Jährige ist erst seit Herbst Sportvorstand, nachdem er sich vor eineinhalb Jahren schwer am Sprunggelenk verletzt hatte. Viele Spiele hat er seitdem nicht verpasst, es fanden ja pandemiebedingt kaum welche statt. Zum Trainingsauftakt will es Schober nun noch einmal wissen.

Wenig Veränderungen für Theater

„Für uns tut sich wenig“, sagt der leiter des Dehnberger Hof Theaters, Ralf Weiß. Weil künftig wieder mehr Personen zusammen etwas unternehmen dürfen, steigt die maximal erlaubte Zuschauerzahl von 44 auf 56. Das entspricht einem Viertel der 220 Plätze im DHT. Abstands- und Maskenpflicht bleiben bestehen, die Testpflicht war zuletzt bereits weggefallen.

Weiß hatte darauf gehofft, dass Theater unter einer Inzidenz von 35 jeden zweiten Sitzplatz im Schachbrettmuster vergeben können. Dass das bei niedrigen Fallzahlen möglich sei, hätten Studien gezeigt. Dennoch betont er das Positive: „Wir nehmen jede Erleichterung mit Freude zur Kenntnis“, hoffentlich kämen bald weitere hinzu. 

Singen ist wieder erlaubt

Chöre dürfen wieder ohne feste Personenobergrenze proben, die maximale Personenzahl richtet sich danach, ob der Mindestabstand eingehalten werden kann. Auf den Männergesangverein Haimendorf hat das zunächst aber keinerlei Auswirkung, sagt dessen Vorsitzender. „Wir werden nicht gleich wieder durchstarten“, sagt Bertram Kalmer, er rechnet mit Proben nicht vor Herbst.

Viele der Chormitglieder seien über 70 oder gar über 80, es gebe nur noch rund zehn regelmäßig aktive Sänger. Man wolle warten „bis alle durchgeimpft sind“, so Kalmer. 

Seinen großen Auftritt hat der MGV Haimendorf jedes Jahr im Gottesdienst der Moritzbergkirchweih im August. Ob diese stattfinden wird, steht aber noch gar nicht fest – und es wäre ein Auftritt nach langer Zeit ohne Probe. 

Eine lange Zeit ohne Gesang mussten auch die Gottesdienstteilnehmer in den Kirchen überbrücken. Ab Montag dürfen sie wieder mitsingen, in der Kirche allerdings nur mit FFP2-Maske. Außerdem müssen die Kirchen größere Gottesdienste nicht mehr anmelden und die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen erlauben wieder das Treffen in Gruppen, unter anderem von Senioren und Jugendlichen.

„Wir hoffen schon seit längerem, dass sich Gruppen wieder treffen dürfen und Chöre wieder singen“, sagt der evangelische Pfarrer Jan-Peter Hanstein aus Lauf. Auch das Singen während der Gottesdienste habe den Teilnehmern gefehlt. „Einige kommen vor allem wegen der Musik in die Kirche.“ Hanstein glaubt nicht, dass ab Montag alles so sein wird, wie vor dem Lockdown. „Es wird etwas brauchen, bis die Menschen der Sache trauen. Nicht alle Eltern werden ihre Kinder sofort wieder in die Gruppen schicken.“ 

Der katholische Pfarrer aus Lauf, Stefan Alexander, freut sich sehr über die neue Verordnung. Auch er sei regelmäßig von Gottesdienstbesuchern angesprochen worden, wann das Singen wieder erlaubt werde. „Die Menschen haben nach den Lockerungen gehungert.“  

Lockerungen für alle, außer für Clubs

Die Lokalbesitzer im Nürnberger Land freuten sich vor rund zwei Wochen, dass sie ihre Außenbereiche wieder öffnen dürfen, ab Montag kommen neue Lockerungen dazu. Dann dürfen, unter einem Inzidenz­wert von 100, auch in den Innenräumen bis 24 Uhr wieder Gäste sitzen. Ein negativer Test für verschiedene Haushalte ist bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 notwendig.

Im Nachteil sind die Inhaber von Diskotheken und Bars ohne Speiseangebot, die weiterhin nicht öffnen dürfen. Dafür hat der Laufer Wirt Volker Birkel kein Verständnis. „Die Betreiber der Clubs sind die Angeschmierten. Ich weiß, dass einige von ihnen in Kontakt mit der Regierung stehen, weil es so nicht mehr weiter gehen kann.“

Schließlich zahlten große Diskotheken jeden Monat Mieten im fünfstelligen Bereich für ihre Häuser. „Man darf gar nicht darüber nachdenken, was man durch den Lockdown verloren hat, das bringt auch nichts. Unsere erste Woche nach der Öffnung war jedenfalls bombastisch.“ 

Die Lockerungen im Überblick

Die Bayerische Regierung hat zum 7. Juni den Katastrophenfall aufgehoben. Ab dann sind nur noch die zwei Inzidenzschwellen 50 und 100 relevant. 

Laut der neu beschlossenen 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung werden die allgemeinen Kontaktbeschränkung gelockert. Bei einer Inzidenz unter 50 dürfen sich zehn Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen. Geimpfte und Genesene müssen nicht gezählt werden.

Öffentliche und private Veranstaltungen aus besonderem Anlass (Geburtstags-, Hochzeits-, Tauffeiern, Beerdigungen, Vereinssitzungen) werden wieder möglich: Bei einer Inzidenz unter 50 draußen mit bis zu 100 Gästen, drinnen bis zu 50 (zuzüglich Geimpfte und Genese). 

In Gebieten mit einer Inzidenz unter 50 findet wieder Präsenzunterricht in allen Schulen statt, alle Kitas haben geöffnet. Im Sportunterricht kann auf die Maskenpflicht verzichtet werden. An den Schulen sind allerdings weiterhin zweimal wöchentliche Tests erforderlich. 

Der Handel im Nürnberger Land ist allgemein wieder geöffnet. Die bestehenden Hygiene-Auflagen  wie die Kundenbegrenzung bleiben bestehen.

Freizeiteinrichtungen wie Solarien, Saunen, Bäder, Thermen, Indoorspielplätze, vergleichbare  Einrichtungen und Stadt- und Gästeführungen können mit Infektionsschutzkonzept wieder öffnen. 

Kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel sind ab Montag bei fester Bestuhlung mit bis zu 500 Personen zulässig. Für kulturelle Veranstaltungen drinnen wie draußen können künftig nicht nur feste Bühnen, sondern wieder alle geeigneten Stätten, wie Hallen, genutzt werden, wenn sie ausreichend Platz bieten.

Die Testpflicht für Besucher von Alten- und Pflegeheimen entfällt in Gebieten mit Inzidenz unter 50. Gemeinschaftsveranstaltungen in den Heimen sind indoor mit 25 Personen, outdoor mit 50 Personen zulässig. 

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