Zapfwerke wollen Rohstoff im Reichswald gewinnen

Wird am Birkensee bald doch Sand abgebaut?

Die geplante Sandgrube wird – wenn die Behörden grünes Licht geben – nördlich des Birkensees (hier im Bild) entstehen. Foto: PZ-Archiv2013/04/birkensee_wurzel_herbst.jpg

RÖTHENBACH — Nach 2006 und 2009 unternehmen die Behringersdorfer Zapfwerke einen erneuten Vorstoß: Sie wollen eine Sandgrube in direkter Nähe zum Birkensee errichten. Die Kritik von Umweltschützern kontert das Familienunternehmen mit 150 Seiten voller Gutachten. Sie sollen belegen, dass der geplante Eingriff in den Reichswald weniger groß als bislang befürchtet ist.

Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz in Bayern, wählt deutliche Worte: „Wir sind entsetzt, dass erneut ein Versuch unternommen wird, den Wald zu roden.“ Die Pläne der Zapfwerke seien für ihn „nicht tragbar“.

Das Familienunternehmen – es produziert seit 1899 in Behringersdorf Kalksandsteine – hat beim Bergamt Nordbayern beantragt, auf etwa zehn Hektar in unmittelbarer Nähe zum Birkensee Quarzsand, den wichtigsten Rohstoff für seine Produkte, abbauen zu dürfen. Das Areal liegt mitten im Lorenzer Reichswald zwischen dem Finstergraben und dem Röthenbach.

Bereits 2006 und 2009 gab es Versuche, eine damals allerdings wesentlich größere Fläche von etwa 30 Hektar als sogenanntes Vorranggebiet ausweisen zu lassen. In Vorranggebieten hat der Abbau von Bodenschätzen eine höhere Priorität gegenüber anderen Nutzungsarten. Doch die Untere Naturschutzbehörde und der Bund Naturschutz sprachen sich dagegen aus, seltene Flechten und Vogelarten seien in dem Kiefernwald beheimatet, dieser sei ein einzigartiger Lebensraum. Der zuständige Planungsverband der Industrieregion Mittelfranken gab kein grünes Licht.

Hannes Zapf, einer der geschäftsführenden Gesellschafter, glaubt nun, die Argumente der Kritiker entkräften zu können: „Im Vorfeld wurde viel mit Mutmaßungen gearbeitet. Wir wollen die Debatte versachlichen.“ Mehrere hunderttausend Euro habe man in den vergangenen Jahren für Gutachten ausgeben. Das Resultat: Durch die geplante Sandgrube entstehe vor Ort „mehr Biodiversität“. Bisher lebe nicht eine gefährdete Vogelart auf dem Areal, nach dem Abbau könne die seltene Heidelerche dort brüten. Geschützte Flechten immerhin, gibt der geschäftsführende Gesellschafter zu, müssten weichen, „aber es entstehen neue Lebensräume“.

Mergner vom Bund Naturschutz freilich will da nicht mitgehen: „Ich hoffe, dass die Behörden das ablehnen.“ Natürlich könne man Ersatzbiotope schaffen, „aber erst einmal geht doch Wald und gehen Lebensräume verloren“. Genehmige das Bergamt die Pläne nicht, sagt Zapf dagegen, müsse er das Werk verlagern. Kalk und Sand gewinnt das Unternehmen seit jeher in der Region. Der Kalk kommt aus dem Jura, unter anderem aus Gräfenberg, der Sand aus dem Reichswald.

Informationsveranstaltungen der Zapfwerke zum geplanten Sandabbau finden statt: am Dienstag, 9. April, um 18.30 Uhr in den Röthenbacher Ratsstuben, am Mittwoch, 10. April, um 18.30 Uhr im Restaurant im Sportpark in Schwaig und am Donnerstag, 11. April, um 18.45 Uhr im „Grünen Baum“ in Diepersdorf.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren