Planungsverband sieht Sandabbau kritisch

Muss es die Geißlach sein?

Diese Bäume werden fallen, wenn die Zapfwerke am Birkensee Sand abbauen dürfen. Das Unternehmen verspricht eine teilweise Wiederaufforstung, allerdings sorgen sich Naturschützer um einen seltenen Lebensraum: den Flechten-Kiefernwald. In der Metropolregion verschwinde dieser Biotoptyp nach und nach, so Experten. Foto: Sichelstiel2013/05/60958_baeumereichswaldgeisslachhimmel_New_1368806764.jpg

RÖTHENBACH — Während sich die Gemeinden Schwaig, Röthenbach und Leinburg unisono dafür ausgesprochen haben, dass Sand am Birkensee abgebaut werden darf, stimmt der Planungsverband – er vertritt acht kreisfreie Städte und Landkreise sowie deren Kommunen – dem Vorhaben der Behringersdorfer Zapfwerke nicht zu. Ihm ist nicht klar, warum ausgerechnet die Geißlach, ein geschützter Kiefernwald, gerodet werden soll. Es gebe im Reichswald noch ausreichend andere Flächen.

Das letzte Wort in der Angelegenheit hat allerdings die Regierung von Oberfranken. Bei ihr ist das Bergamt angesiedelt, das sich um das sogenannte Planfeststellungsverfahren kümmert. Die Behörde muss die Argumente für und gegen den Sandabbau gegeneinander abwägen und dann eine Entscheidung treffen. Bis Ende Mai sind zunächst nicht nur die betroffenen Kommunen, sondern zum Beispiel auch die Naturschutzbehörden und die Forstverwaltung dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen.

Grünes Licht aus drei Gemeinden

Schwaig, Röthenbach und Leinburg haben das bereits getan: Alle drei Gemeinden gaben grünes Licht für das Vorhaben der Zapfwerke. Das Unternehmen, hieß es etwa im Schwaiger Gemeinderat, sei für umweltbewusstes Handeln bekannt, man könne eine Renaturierung der Abbaufläche erwarten. Zudem wollten die Räte einen wichtigen Gewerbesteuerzahler vor Ort halten. Keine Einwände auch aus Leinburg. In Röthenbach stimmten nur die Grünen gegen den Sandabbau. „Aus ökonomischen Gründen naturschutzrechtliche Belange beiseite zu schieben, halte ich für nicht verantwortbar“, so Grünen-Stadtrat Rüdeger Baron.

Er trug Bedenken vor, die auch der Bund Naturschutz immer wieder geäußert hat (die Pegnitz-Zeitung berichtete mehrfach): Zwar könne nach dem Abbau durchaus wieder ein Biotop entstehen, doch sei der seltene Flechten-Kiefernwald dann unwiederbringlich verloren. Laut dem renommierten Biologen Gerhard Brunner aus Schwabach existieren in ganz Bayern nur zwei oder drei Gebiete, in denen ähnliche Lebensräume vorkommen. Vor zwei Jahrzehnten hat Brunner die Flechten-Kiefernwälder rund um Nürnberg kartiert. Rund 80 Prozent davon seien inzwischen verschwunden.

„Keine Chance der Weiterexistenz

Die von den Zapfwerken in Auftrag gegebenen Gutachten weisen darauf hin, dass die Flechten-Kiefernwälder ohnehin „keine Chance der Weiterexistenz“ hätten, sie seien durch die Streunutzung vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden und inzwischen vor allem durch Stickstoff, der aus der Umgebung eingetragen wird, stark gefährdet. Die Naturschützer lassen das nicht gelten; umso wichtiger ist es für sie, diesen Lebensraum zu bewahren.

Der Planungsverband der Industrieregion Mittelfranken, der zu Beginn der Woche in Heroldsberg getagt hat, bringt nun einen weiteren Aspekt in die Debatte ein. In den Sitzungsunterlagen heißt es, dass die Zapfwerke bisher nur „bruchstückhaft und aus hiesiger Sicht zu oberflächlich“ nachgewiesen hätten, warum sie unbedingt die Geißlach unweit des Naherholungsgebiets am Birkensee zur Sicherung ihres Sandnachschubs benötigten. In Mittelfranken seien rund 890 Hektar speziell für den Abbau dieses Rohstoffs ausgewiesen, teilweise schon seit 1988. Alleine in einem Radius von zwölf Kilometern rund um Behringersdorf gibt es demnach mehrere sogenannte Vorrang- und Vorbehaltsgebiete.

Das Unternehmen begründet seinen Antrag damit, dass diese Areale „meist bereits durch andere Firmen belegt oder aus anderen Gründen nicht zugänglich (z.B. Besitzverhältnisse)“ seien. Doch dem Planungsverband reicht das nicht aus. Der Hersteller von Kalksandsteinen muss nun konkret nachweisen, dass er auf bestimmte nahe gelegene Gebiete keinen Zugriff hat. Erbringt er diesen Nachweis, will der Planungsverband noch einmal neu entscheiden.

Areal liegt im Bannwald

Auch die Forstverwaltung und die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Mittelfranken werden den Zapfwerken wohl eine Abfuhr erteilen, das geht aus den Unterlagen zusätzlich hervor. Die Geißlach liegt mitten im Bannwald, zudem ist sie gleich nach mehreren rechtlichen Vorschriften geschützt. Dort kommen neun gefährdete Arten vor, vor allem sind das Flechten.

Ganz so einfach ist die endgültige Entscheidung trotzdem nicht: Vor der Sitzung am Montag gab es zwei Kundgebungen. Die einen Demonstranten hielten Plakate gegen den Sandabbau hoch, die anderen für den Sandabbau. „So etwas habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Thomas Maurer von der Geschäftstelle des Planungsverbands. Immer wieder hatten sich in den vergangenen Wochen auch Zapf-Mitarbeiter zu Wort gemeldet. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze. Das Unternehmen stellt, bekommt es keine Genehmigung, den Standort Behringersdorf in Frage.

Unter http://bit.ly/16qMMC2 – auf der Seite des nordbayerischen Bergamts – lassen sich die Antragsunterlagen der Zapfwerke herunterladen. Für einen ersten Überblick empfiehlt sich die allgemein verständliche Zusammenfassung (Anlage 2).

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