Stichwahl: Farbenspiele in Stadt und Land

Bisping, Deuerlein, Kroder und Dünkel verhandeln mit anderen Parteien – Kommt es in Stadt und Kreis zur „Ampel“ mit Rot, Orange, Grün? Foto: Fischer2008/03/20080307_ampelrotgelbgruen_big.jpg

LAUF/NÜRNBERGER LAND — Spannende Farbenspiele vor den entscheidenden Stichwahlen am Sonntag, den 16. März, mit Deuerlein und Bisping in Lauf und Dünkel und Kroder im Kreis: Bei den Fragen, wer regiert künftig mit wem, wer unterstützt wen, tun sich ganz neue Koalitionen auf. Ihren Höhepunkt erreichten die Parteiengespräche diese Woche in einer klaren Wahl-Empfehlung der SPD Lauf für den Grünen Benedikt Bisping und der Kreis-SPD für den FW-Kandidaten Armin Kroder. Weil die Grünen im Kreis sich auch „gut die Zusammenarbeit mit den FW“ vorstellen können und umgekehrt die Freien Wähler in Lauf „auch mit den Grünen und Bisping gut klar kommen“ ohne sich aber festlegen zu wollen und sich keinesfalls mehr als „Anhängsel einer Partei“ sehen zu wollen, entwickelte sich in den letzten Tagen das in Bayern bislang einmalige Szenario einer möglichen doppelten neuen Ampel-Koalition aus den Farben „Rot-Orange-Grün“ in der Stadt Lauf und im Landkreis Nürnberger Land.

Die CSU mit den Spitzenkandidaten Norbert Dünkel im Kreis und Rainer Deuerlein in Lauf sieht sich dabei längst nicht außen vor. Im Gegenteil, so Deuerlein. Er spricht von einer sehr guten Stimmung, und er habe die ganze Woche über „großen Zuspruch aus allen Schichten der Bevölkerung“ erhalten. Die Wahlempfehlung der SPD für die Grünen sehe er gelassen und weil er dies schon Anfang der Woche gewusst habe, hätte es für die CSU Lauf auch keinen Anlass mehr für Gespräche mit den Genossen gegeben. Dagegen seien die offenen und fairen Gespräche mit den FW konstruktiv gewesen, auch wenn diese keine Empfehlung für die CSU ausgesprochen hätten und sie sich auch nicht auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit festlegen wollten.

Für Deuerlein wäre eine Empfehlung der FW für Bisping schlicht Wahnsinn, weil sie damit einen großen Teil ihres eigenen konservativen Wählerklientels verprellen würden. Die Empfehlung der SPD hält der CSU-Mann ebenfalls für verkehrt, weil der klassische SPD-Wähler nicht automatisch auch grün sei. Niemand sollte vor der Stichwahl Empfehlungen abgeben… – auch die Kreis-SPD nicht.

Die SPD in Lauf ist da ganz andererer Meinung, wie ihr Sprecher und neuer Laufer Stadtrat Alexander Horlamus der PZ sagte. Die Genossen jedenfalls seien nicht sehr begeistert davon gewesen, dass die CSU kein Gespräch gesucht hat. „Wenn die das nicht nötig haben, geben wir doch keine Empfehlung für Deuerlein“. Mit ihren Kontakten nur zu den Freien Wählen könnte sich die CSU vielleicht vergaloppiert haben ….

Ganz anders seien die Kontakte mit den Grünen gewesen, so der SPD-Sprecher. Bisping hätte das Gespräch mit der SPD gesucht. Die Empfehlung sei dann schnell und einstimmig gekommen. Davon seien selbst SPD-Teilnehmer fast überrascht gewesen. Nach der Diskussion über ein Dutzend Zukunftspunkte konnte man sich diese neue Allianz sehr gut vorstellen und auch der unterlegene Bürgermeisterkandidat Schweikert habe sich ganz klar für Bisping ausgesprochen.

Obwohl zu einer Ampel immer drei gehören, habe es zwischen SPD und FW in Lauf aber noch keine direkten Gespräche geben. Anders auf Kreisebene, wo die Laufer SPD die Kreislinie unterstützt und ebenfalls auf Kroder setzt. „Es gibt nun in Lauf und im Kreis eine Mehrheit jenseits der CSU“, sagt Horlamus.

Zurückhaltend agieren derzeit die Freien Wähler in Lauf. Sie werden und wollen vor der Stichwahl keine offizielle Wahlempfehlung abgeben. „Uns geht es um die Stadt- und nicht um Parteipolitik“, sagt Claus Offenhammer. Wenn der Bürgermeister gewählt ist, dann werde man in konkrete Gespräche eintreten und sehen, wie die Zukunft vom Laufer Stadtrat aus am besten gestaltet werden kann. Dass damit die FW wieder das Zünglein an der Waage werden könnten, weil ohne sie weder ein CSU-Bürgermeister noch eine Grünen-SPD-Allianz eine Mehrheit hätte, will der FW-Mann nicht als Problem oder Vorteil sehen. Neue Wege sind gut und müssen unterstützt werden, nur dies hätten sich die Freien als Vorgabe gegeben.

Deutlicher wird da schon Manfred Scheld. Offiziell werde er keine Stellungnahme abgeben, man müsse aber einfach sehen, dass die CSU derzeit der klare Wahlverlierer sei. „Ich halte Bisping, mit dem ich zuletzt ein paar Mal gesprochen habe, für einen guten Mann und kann mir in Zukunft eine Zusammenarbeit mit ihm sehr gut vorstellen“. Außerdem, so ein kryptischer Scheld, könnte es schon sein, dass es einfach zu spät ist, wenn man sich zu spät bewege…

Überhaupt nicht in Zusammenhang mit der künftigen Kreispolitik, wo es ebenfalls eine Koalition aus SPD, Grünen und FW geben könnte, wollen die FW die „Sondierungsgespräche“ in Lauf sehen. „Wir unterstützen unseren Mann Kroder, sind ansonsten aber autonom und machen unsere Politik nicht auf der Basis von Gegengeschäften“. Und Benedikt Bisping? Der ist natürlich von der SPD-Empfehlung begeistert und auch von der Stimmung unter den Freien Wählern angetan. Eine direkte Empfehlung sei da gar nicht nötig, in den guten Gesprächen jedenfalls hätten sich viele Gemeinsamkeiten für eine Laufer Zukunftspolitik ergeben. Beispielsweise darin, dass man Ökologie und Ökonomie unbedingt zusammenbringen müsse und man sich beispielsweise den Einstieg der Stadtwerke in den Wärmemarkt vorstellen könne. Dass er grundsätzlich auf die Unterstützung der Freien Wähler zählen könne und diese neue Wege mitgehen wollten, das sei für ihn schon Empfehlung genug, interpretiert er die Verhandlungen.

Dabei ist Bisping schon wieder voll im Stichwahlkampf. Diesen Sonntag um 19 Uhr ist der Grüne Bürgermeister Daxenberger im Wollnersaal zu Gast und für kommenden Samstag, 15. März, hat sich der alte und neue Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly von der SPD um 11 Uhr als prominenter Fürsprecher für Bisping auf dem Laufer Marktplatz angesagt.

Auf Kreisebene haben die SPD-Ortsvereinsvorsitzenden, der Unterbezirksvorstand und der am Sonntag ausgeschiedene SPD-Kandidat Norbert Reh einstimmig empfohlen, den FW-Kandidaten Armin Kroder zum Landrat zu wählen. Er sei „als Jurist, Verwaltungsfachmann und Abteilungsleiter im Landratsamt Nürnberger Land bestens mit der auf ihn zukommenden Aufgabe vertraut“, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter, „dass die SPD überzeugt ist, dass mit Armin Kroder ein an den Interessen des Landkreises orientiertes demokratisches Miteinander gewährleistet sein wird. Wir sind uns sicher, dass mit Armin Kroder bei den wichtigen Themen Bildung, Soziales und Umwelt gute gemeinsame Lösungen gefunden werden können.“

In der Allianz mit den Freien Wählern, der allem Anschein nach auch die Grünen angehören werden, sieht man seitens der SPD, sollte Kroder gewählt werden, endlich die Möglichkeit das Stellvertreteramt zu bekommen. Norbert Reh stellte diesbezügliche Konstellationen nicht in Abrede.

Für den CSU-Landratskandidaten Norbert Dünkel kommt die nunmehr ausgesprochene Empfehlung der SPD nicht überraschend. Er hofft aber, dass die Öffentlichkeit seine sechsjährige Arbeit und seine Erfahrung in der Amtsführung als Stellvertreter des Landrats mehr honoriert als eine Wahlempfehlung. Dünkel: „Die Wählerschaft ist frei und souverän.“

Er möchte sich der Bevölkerung „als Landrat für alle anbieten, der für jede Fraktion offen und nicht vorab gebunden ist“.

MdL und Kreisvorsitzender Kurt Eckstein stellt fest, „dass Norbert Dünkel schon immer auf eine parteipolitisch neutrale Arbeit im Landratsamt Wert gelegt hat.“ Auch beruflich sei Norbert Dünkel als Geschäftsführer der Lebenshilfe und langjähriger Sprecher der sozialen Wohlfahrtsverbände im Sozialwesen, Jugendförderung und Bildung, sowie ausgezeichnet mit dem Umweltpreis für die Wählerschaft der SPD geradezu prädestiniert. Ganz offen bezieht jetz auch Landrat Helmut Reich Position. Nicht nur in Anzeigen und auf großflächigen Plakaten macht er klar, dass Armin Kroder sein Wunschnachfolger ist. Dabei hatte Norbert Dünkel, Reichs Stellvertreter im Amt, während des gesamten Wahlkampfes immer wieder auf die im Team gemeinsam erreichten Erfolge für das Nürnberger Land hingewiesen und auch Reich bis vor Wochen aus der guten Zusammenarbeit mit Dünkel kein Geheimnis gemacht.

Regelrecht verärgert reagiert Reich nun aber nun darauf, dass sich Dünkel Beschlüsse, die der gesamte Kreistag gefällt habe, für seine Person zu eigen mache. „Das sind doch keine Einzelwohltaten einzelner Kreisräte, die hier beworben werden sollen.“ Er jedenfalls sei ein Kroder-Mann. Umsomehr er den „hervorragenden Mitarbeiter im Amt“ jetzt auch für einen ausgezeichneten Politker halte. Er sei überzeugt, Kroder ist für den Kreis genau der Richtige. Nichts dagegen hat Reich auch gegen neue Koalitionen. Der Wähler habe die Vielfalt offensichtlich gewollt und gewählt. Und dieses demokratische Miteinander könnte sich schon in neuen Mehrheiten im Kreistag niederschlagen. Bezüglich der Wahl in Lauf will sich Reich nicht direkt einmischen. Allerdings habe er speziell Bendikt Bisping als engagierten Menschen mit Ideen kennengelernt. „Der hat einiges drauf und ist jedenfalls kein radikaler Grüner.“

Wie sich Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis verhalten ist seit gestern Nachmittag auch nicht mehr ganz offen. Da hatten sich Benedikt Bisping, der im Kreistag von Platz 20 auf Platz ein vorgewählt worden war, und der gescheiterte Landratskandidat der Grünen Dobbert mit der FW-Spitze, mit Joachim Lang aus Leinburg und dem Stichwahlmann der Freien Wähler, Armin Kroder, getroffen.

Dobbert stellte zwar auch danach fest, dass man sich „nicht verkaufen“ will. Aber Armin Kroder sei ein „beweglicher Mensch“ und man habe viele Schnittstellen gefunden. Die Tendenz gehe ganz klar in Richtung Zusammenarbeit, so auch Benedikt Bisping. Daraus werde zwar keine konkrete Empfehlung für eine Wahl für Kroder erfolgen, allerdings werde man der Fraktion und der Kreisvorstandschaft diese Zusammenarbeit auch ganz eindeutig empfehlen…

Auch FW-Kreisvorsitzender Joachim Lang und Armin Kroder sagten nach dem Gespräch:, „Schnittstellen mit den Grünen sind eindeutig da, das war eine sehr konstruktive Besprechung, auch wenn konkrete Punkte natürlich nicht diskutiert wurden“. Die Schnittmenge reiche dabei von der Jugend-, über die Sozial- bis zur Schulpolitik. Und auch in Sachen Ökologie, so Kroder, gebe es grundsätzlich keine Gegenpositionen, „die ökonomische Seite ist uns beiden wichtig“ Nein, so Kroder, erzwungene Gegengeschäfte in Bezug auf Lauf werde es bestimmt nicht geben. „Wir wollen auch gar keine Wählerbevormundung, freuen uns aber über jede Empfehlung“.

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