Experten diskutieren Vorhaben am Birkensee

Keine Alternative zum Sandabbau?

Sieht aus wie schlichter "Steckerlaswald", ist aber ein wichtiges Biotop: Flechten und Kiefern sind in dem Areal am Birkensee beheimatet.2013/04/reichswald_steckerlaswald_fichten.jpg

RÖTHENBACH — Neun gefährdete Arten beherbergt das Areal in der Nähe des Birkensees, auf dem die Zapfwerke in den nächsten drei Jahrzehnten Sand abbauen wollen. Das Unternehmen hat sich auf das komplexe Genehmigungsverfahren gut vorbereitet und präsentiert viele Fakten, die für den Eingriff in den Bannwald sprechen. Naturschützer zeigen sich allerdings weiterhin skeptisch, erste Experten widersprechen.

Die Zapfwerke, die seit 1899 in Behringersdorf Kalksandsteine herstellen, haben nach eigenen Angaben mehrere hunderttausend Euro für Gutachten zur Beschaffenheit der zehn Hektar großen Geißlach ausgegeben.

Auf öffentlichen Informationsveranstaltungen – der letzte von insgesamt drei Abenden findet am Donnerstag um 18.45 Uhr im „Grünen Baum“ in Diepersdorf statt – stellt der Familienbetrieb jetzt die Resultate vor.

Folgende Tatsachen sind dabei unumstritten: Die Fläche, die nach und nach gerodet werden soll, liegt nicht nur im Bannwald und im Vogelschutzgebiet, sondern ist auch zu weiten Teilen ein gesetzlich geschütztes Biotop. Das bestätigt das Landratsamt in Lauf. Insgesamt neun gefährdete Pflanzenarten hat der von den Zapfwerken beauftragte Diplom-Biologe Jürgen Herbst in dem Kiefernwäldchen zwischen Schwaig und Diepersdorf gefunden, allen voran das seltene Silbergras, aber auch Rentierflechten, die magere Böden bevorzugen.

Rund zehn Meter hoher Sandrücken

Trotzdem will das Unternehmen den im Durchschnitt zehn Meter hohen Sandrücken abtragen. Sein wichtigstes Argument: Im näheren Umkreis gibt es keine alternative Fläche, um den Nachschub für den Standort Behringersdorf zu sichern. Insgesamt sieben Probebohrungen haben die Zapfwerke laut den Gutachten im Reichswald durchführen lassen – ohne Erfolg. Mit größerem Abstand zur Sandgrube werde der Transport ohnehin unrentabel, sagt Hannes Zapf, der geschäftsführende Gesellschafter. Bis zu 50 Arbeitsplätze in Behringersdorf seien in Gefahr.

Außerdem tritt Zapf mit dem Anspruch an, den Abbau möglichst umweltverträglich zu gestalten: Keine Grube werde entstehen, sondern eher ein offenes Tal. Einen Teilbereich werde man renaturieren, also wieder aufforsten, einen anderen Teilbereich als offene Fläche erhalten. So steige sogar die Biodiversität, also die Artenvielfalt, sagt der Firmenchef, weil hinterher mehr Vögel Brutgelegenheiten fänden. Am Kreuzstein – dem bisherigen Abbaugebiet von Zapf – habe man das bereits bewiesen. Auch das Silbergras könne in der Geißlach wieder heimisch werden, bestätigt der Biologe.

Die Badenden am Birkensee seien von dem Eingriff in den Wald ebenfalls kaum betroffen, so Zapf. Etwa 100 Meter Abstand will er zu dem Fußweg einhalten, der zu dem Gewässer führt. Rund 20 Lastwagenladungen Quarzsand am Tag würden abtransportiert, die Zufahrt liege abseits des Parkplatzes für Badegäste.
Die Qualität und damit die Aussagekraft der Gutachten lässt sich für Laien nur schwer beurteilen, zumal sich die zuständigen Behörden in diesem Punkt bisher in Schweigen hüllen.

Landratsamt will Verfahren nicht vorgreifen

Nach der Bedeutung der Geißlach gefragt, teilen die Naturschutzexperten im Landratsamt nur mit, dass sie dem laufenden Planfeststellungsverfahren – das wahrscheinlich Monate dauern wird –  nicht vorgreifen wollen. In dessen Rahmen werden auch sie angehört, ebenso wie die benachbarten Kommunen und der Bund Naturschutz. Dessen Landesbeauftragter hatte die Pläne zuletzt scharf kritisiert. Natürlich, so Richard Mergner im Gespräch, könne man Ersatzbiotope schaffen, „aber erst einmal geht doch Wald und gehen Lebensräume verloren“.

Das Bergamt Nordbayern, das über die Genehmigung entscheidet, zieht sich genauso auf Formalitäten zurück. „Das Beteiligungsverfahren ist erst vor einigen Tagen eingeleitet worden. Stellungnahmen sind daher noch nicht eingegangen“, schreibt die Pressesprecherin in einer E-Mail. Wissen wollte die Pegnitz-Zeitung allerdings, wie die Reaktion auf die von Mergner öffentlich vorgebrachten Einwände aussieht.

Bund Naturschutz sieht Pläne kritisch

Christiane Matern von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz will die Unterlagen der Zapfwerke in den kommenden Tagen studieren und dann detailliert dazu Position beziehen. Vorerst stehe sie den Plänen aber „sehr kritisch“ gegenüber. Laut Matern sei Artenvielfalt nicht unbedingt ein entscheidendes Kriterium. Wichtig sei, dass spezialisierte Arten wie etwa die Flechten nicht ihren Lebensraum verlören.

Dem stimmt auch der Diplom-Biologe Gerhard Brunner aus Schwabach zu. Ihm zufolge gibt es in ganz Bayern nur zwei oder drei Gebiete, in denen ähnliche Lebensräume existieren, „danach erst wieder in der norddeutschen Tiefebene“. Vor zwei Jahrzehnten hat Brunner die Flechten-Kiefernwälder rund um Nürnberg kartiert. Rund 80 Prozent davon seien inzwischen verschwunden. Dabei sei dieser Biotoptyp eigentlich „europaweit per se geschützt“.

Brunner betont auch, dass es derzeit noch keine Untersuchungen dazu gebe, wie ähnliche Wälder neu entstehen können, etwa nach dem Rohstoffabbau: „Einen Sandmagerrasen können sie leichter anlegen als einen Flechten-Kiefernwald. Aber das ist halt ein anderer Lebensraum.“

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