Mittelständler zwischen Kurzarbeit und Investitionen

Schon zeigt sich die Fassade am Emuge-Neubau – bis Ende September soll sie fertiggestellt sein2009/09/20090917_emugeneubaulaufganz_big.jpg

LAUF (as) – Auch die Kreis-FDP macht Dampf im Bundestagswahlkampf. Katja Hessel, Staatssekretärin im bayerischen Wirtschaftsministerium, hat jetzt mit ihren Parteikollegen aus dem Nürnberger Land die Firma Emuge in Lauf besucht. Angesichts der Wirtschaftskrise kein bloßer Fototermin – sondern die Gelegenheit, um mehr über die Situation des Unternehmens zu erfahren. Das errichtet immerhin trotz Flaute gerade ein dreistöckiges Produktionsgebäude.

Etwa 1400 Menschen arbeiten rund um den Globus für Emuge, davon 870 allein am Standort Lauf. 180 Millionen Euro Umsatz hat der Hersteller von Präzisionswerkzeugen wie etwa Gewindebohrern im letzten Jahr gemacht, ein neuer Rekord. 2009 allerdings, das verrät Gerhard Knienieder von der Geschäftsführung, wird die Bilanz deutlich schlechter ausfallen. Auch das mittelständische Familienunternehmen, dessen Kunden vor allem aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau kommen, trifft die globale Krise. Bohrer zum Produzieren von neuen Autos sind halt derzeit wenig gefragt.

Kurzarbeit statt drei Schichten

Kein Wunder also, dass Knienieder den Gast aus dem Wirtschaftsministerium mit folgenden Worten begrüßt: «Vor einem Jahr hätte ich ihnen noch einen brummenden Dreischichtenbetrieb zeigen können, jetzt haben wir Kurzarbeit.» In den Produktionsgebäuden im Laufer Westen laufen nicht mehr alle Maschinen rund um die Uhr. Die kleine Delegation der Liberalen, zu der auch der Landtagsvizepräsident Jörg Rohde gehört, trifft dort lediglich auf einzelne Arbeiter.

Katja Hessel, die noch im Oktober «nur» Rechtsanwältin war und damals für die Kreis-FDP im Nürnberger Land als Direktkandidatin zur Landtagswahl antrat, kennt solche Bilder zur Genüge. Als Staatssekretärin im bayerischen Wirtschaftsministerium ist die 37-Jährige schlechte Nachrichten gewohnt. Freilich: Quelle und Schaeffler sind Extrembeispiele. Aber die Rezession hat längst gesunde Unternehmen erreicht.

Und gesund ist Emuge allemal: Der 1920 gegründete Betrieb hat sich nie in die Abhängigkeit von Banken oder Investoren begeben. Der größte Gewerbesteuerzahler in Lauf wird noch immer als Familienunternehmen geführt. Knienieder ist ein Verfechter des deutschen Standorts. Nur hier, erzählt er, gebe es Fachleute, die seine Maschinen bedienen könnten – «gute, langjährige Mitarbeiter».

Deshalb errichtet Emuge sein neues Produktionsgebäude (wir berichteten) samt Kundenzentrum nicht irgendwo in Osteuropa, sondern an der B 14 in Lauf. Noch zum Jahresende soll der Bau fertig sein; auf der Westseite kann man die künftige Fassade schon erahnen. Die Ausmaße – insgesamt sind es 12000 Quadratmeter an Fläche – beeindrucken selbst die Staatssekretärin, die zugibt, «auch kein Patentrezept» gegen die Krise zu haben. «Kristallkugel», mit diesem Wort bügelt sie alle Fragen nach dem Aufschwung ab, von dem so manche Experten schon sprechen.

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«Eine Belastung»

Einen zweistelligen Millionenbetrag gibt Emuge in Lauf aus, während Unternehmen wie Schaeffler um Staatshilfe bitten. Wie passt das zusammen? Natürlich sei der Neubau derzeit «eine Belastung», sagt Knienieder. Geplant wurde er, als von einem Auftragsrückgang noch nichts zu spüren war. «Aber sie können das nicht mehr stoppen. Das wäre noch teurer.» So sieht er die Halle als Investition in die Zukunft. Muss er zwar – aber vielleicht geht Emuge mit dieser Strategie ja gestärkt aus der Krise. Mit dieser Hoffnung nutzt Knienieder die Zeit der Kurzarbeit, um neue Software einzuführen. Dass viele Mitarbeiter skeptisch sind, ob die Firma diese Belastungen tragen kann, ist kein Geheimnis, aber der Kaufmann bleibt optimistisch.

Von der Politik wünscht sich der Emuge-Chef vor allem eines: Bürokratieabbau. Außerdem, so Knienieder, sollten die Personalnebenkosten nicht weiter steigen. Da trifft er sich mit Hessel. Die nämlich fordert eine «allgemeine Reform der Sozialversicherung». Und ärgert sich über Politikerkollegen, die gerade jetzt auf mehr Bürokratie und ein Eingreifen des Staats setzen. «Es ist doch klar: Der Freistaat wird sich kein staatliches Versandhaus leisten», sagt sie mit Blick auf Quelle. Auch wenn dort Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Eine kalte Sichtweise? «Es ist nicht bösartig, den Leuten die Wahrheit zu sagen», meint die Staatssekretärin.

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