Festgottesdienst in Altensittenbach am 1. Advent

Kirchenstiftung St. Thomas feiert

Pfarrer Gerhard Metzger (rechts) ist Vorsitzender der Altensittenbacher Kirchenstiftung „St. Thomas“, Peter Uschalt sein „Vize“. Foto: A. Pitsch2015/11/Kirchenstiftung21.jpg

ALTENSITTENBACH – Vor zwei Jahren wurde die Kirche saniert, in die Jugendarbeit wird mit eigenem Referenten viel investiert. Allein mit Spenden und Mitteln der Landeskirche wäre dies nicht zu stemmen. Daher hat die Kirchengemeinde Altensittenbach, wie die in Artelshofen und Alfeld, eine Kirchenstiftung. Anlässlich der Anerkennung der Stiftung „St. Thomas“ als Körperschaft des öffentlichen Rechts gibt es am 29. November einen Festgottesdienst mit Dekan Werner Thiessen und Pfarrer Gerhard Metzger. Er ist erster Vorsitzender der Stiftung, Peter Uschalt sein „Vize“.

Warum ist eine Kirchenstiftung für eine Gemeinde überhaupt wichtig? Es wird doch jede Woche im Gottesdienst gesammelt und oft gespendet.
Pfarrer Gerhard Metzger: Eine Stiftung ist der Versuch, die Gemeinde langfristig über Generationen hinweg finanziell zu unterstützen. Mittlerweile wird auch in der Evang.-Luth. Landeskirche die finanzielle Seite immer schwieriger. Aber so kann eine Kirchengemeinde Geldmittel für sich selbst schaffen und ein Stück Unabhängigkeit erlangen. Ich nehme mir da durchaus die Finanzierung einer Freikirche als Modell. Dort stemmen etwa 100 Leute die gesamten Ausgaben für die Gemeindearbeit einschließlich der Gehälter der Hauptamtlichen. Viele der Mitglieder geben dort den Zehnten als Zeichen des Engagements.

Für was ist jetzt „St. Thomas“ genau da?
Peter Uschalt: Mit dem Geld der Stiftung werden alle Bereiche der Gemeindearbeit finanziert. Zum Beispiel flossen 50 Prozent der Ausschüttung von 2014 in die Arbeit des Posaunenchors, um damit neue Instrumente kaufen zu können. Rund 70 bis 80 Prozent des Geldes, das seit 2010 ausgeschüttet wird, gehen aber in die Kinder- Jugendarbeit. Wir denken dabei an die Zukunft der Gemeinde und der Kirche generell. Denn wer sich hier gut aufgehoben fühlt, sucht bei einem Umzug in einen anderen Ort vielleicht auch wieder eine Kirchengemeinde auf.

Wie kam bzw. kommt die Stiftung eigentlich an ihre Mittel?
Uschalt: 2007 hat uns der ehemalige, mittlerweile verstorbene Altensittenbacher, Manfred Wießner, als Dank für seine Zeit hier, das Grundstockvermögen von 5000 Euro gespendet. Das war der Anfang. Wir haben dann sieben Jahre gebraucht, um diesen unantastbaren Grundstock auf eine Höhe zu schrauben, bei der die Stiftung zur Körperschaft umgewandelt werden konnte. Das war letztes Jahr.

Und wie ist das gelungen?
Metzger: Durch Einzelspenden oder Aktionen, wie statt Blumen Spenden bei der Beerdigung. Überhaupt muss man sagen, dass die Bereitschaft, zu geben, hier sehr hoch ist. So werden beispielsweise die 20 Stunden unseres Jugendreferenten allein von der Kirchengemeinde mit einem Förderkreis getragen. Ich denke, dass hier viel gespendet wird, weil die Menschen wissen, dass Kassenverwalterin Gertrud Werthner die Finanzen gut und zuverlässig verwaltet. Zudem gilt bei uns – wie auch in der Stiftung – das Vier-Augen-Prinzip: Einer weist das Geld an und der darf nicht selbst überweisen; das macht eine zweite Person. Zudem kann jeder die Spenden für die Gemeindearbeit eine Woche lang im Schaukasten nachlesen. Das ist alles sehr transparent.

Wenn ich Vermögen an die Stiftung gebe, was habe ich davon?
Metzger: Ich bin persönlich kein Freund von „Du bekommst etwas, wenn Du spendest“. Die Menschen sollen Gemeinschaft und Freude in unserer Kirchengemeinde erleben. Und das soll sie motivieren, ohne sofortige Gegenleistung die Stiftung zu unterstützen. So habe ich das auch bei den Gemeindemitgliedern erlebt, die in den letzten Jahren zur Aufstockung des Grundvermögens beigetragen haben. Sie wollten damit ein Zeichen setzen.

Da das Grundstockvermögen nicht angetastet werden darf, lebt „St. Thomas“ ja im Endefffekt von den Zinsen.
Metzger: Genau. Aber ich bin trotz der niedrigen Zinslage mit den Ausschüttungen zufrieden. Ich bin da kein Banker oder Wirtschafter, ich bin eben Pfarrer: Niedrige Zinsen kurbeln nämlich die Wirtschaft an, lassen Mittelständler, wie wir sie hier viele haben, investieren, Arbeitsplätze schaffen und am Ende zufrieden leben. Und das ist es, was eine Gemeinde braucht.

Wenn die Anerkennung als Körperschaft schon 2014 war, warum erst der Festgottesdienst?
Uschalt: Bis die Urkunde kam, war es Herbst. Dann musste erst der fünfköpfige Stiftungsvorstand gewählt werden, der sich im November konstituiert hat. Und ein Termin musste ja auch noch her. Also fiel die Wahl auf den 1. Advent, 29. November. Im Gottesdienst um 9.30 Uhr wird Dekan Dr. Werner Thiessen die Predigt halten. Es gibt Grußworte von Bürgermeister Robert Ilg und vom Landessynodalen Friedrich Rößner. Danach folgt ein Empfang.

Sie sprachen eben von einem fünfköpfigen Stiftungsvorstand…
Metzger: Außer dem Pfarrer sind die vier weiteren Mitglieder von unserem Kirchenvorstand gewählt worden. Darunter sind drei Banker, zweiter Bürgermeister Peter Uschalt als stellvertretender und ich als erster Vorsitzender. Mit der Besetzung wollen wir Vertrauen bei den Menschen wecken und Kompetenz zeigen. In dem Zusammenhang ist mir die transparente Arbeitsweise wichtig. Aber unumgänglich ist der ständige Austausch zwischen uns, die Tatsache, dass wir fünf gut miteinander können und die gleichen Ziele mit der Stiftung verfolgen.

Die da wären?
Uschalt: Vor allem die Kinder- und Jugendarbeit liegt uns ja am Herzen. Aber wir schauen von Jahr zu Jahr, was unterstützt werden muss. Es sollen auch mal Themen sein, die andere ansprechen, wie das mit dem Posaunenchor.

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