Video-Dreh

Hersbrucker Hirtentag nur in digitaler Form

Eine der beiden Kameras filmt, wie Hermann Schmitt (links) und Moritz Vogel patschen. | Foto: A. Pitsch2021/01/IMG_8361-scaled.jpg

HERSBRUCK – Zwei kleine Kameras stehen im großen Innenhof des Hersbrucker Hirtenmuseums. Sie haben Hermann Schmitt im Blick, der leidenschaftlich patscht – ohne Publikum. Das kann den diesjährigen Hirtentag nur im Video erleben.

Dafür hat sich Museumschefin Ingrid Pflaum ein genaues Drehbuch ausgedacht: „Klar war, dass Hirtenruf, Prolog und die Begrüßung des Bürgermeisters zur Eröffnung mit rein müssen. Und natürlich das traditionelle Patschen.“ Immer wieder besprechen Pflaum und Eike Wagner sich, der von professionellen Herangehen mit Drehbuch ganz angetan gewesen sei, so Pflaum.

Er hat nicht nur die beiden kleinen Videokameras für Nah- und Gesamtaufnahme im Blick, sondern auch den Ton per Kopfhörer im Ohr. Meist braucht es nur einen Take für eine Szene. „Hat die Lautstärke gepasst?“, fragt Hermann Schmitt nach seinem Prolog, der auf die Umstände angepasst wurde: „Vertagt aufs 28. Jahr.“ Wagner ist zufrieden, lobt Schmitts „gute Stimme“. „Bin ja auch im Gesangverein“, kontert er.

Ehre für den Patscher

Schmitt ist so ein bisschen die Hauptfigur, verrät Pflaum. Für den fitten Senior wäre das Patschen am Hirtentag der 28. Auftritt gewesen. „Es war eh an der Zeit, mal Filmaufnahmen von ihm dabei zu machen, um ihn zu dokumentieren.“ Doch sonst komme sie im Vorfeld des 6. Januar aufgrund der Vorbereitung für den „Obersten“ nie dazu. Jetzt schon.

Doch das war nur ein Grund, ein Video über den Hirtentag zu drehen. Schon seit Herbst lag die Unsicherheit, ob das Fest stattfinden könne, über dem Museum. „Ich konnte mir eine Absage aber gar nicht vorstellen, und wir haben uns eine abgespeckte Version überlegt.“ Konzerte und Vorträge, die man nur mit Eintrittskarte besuchen kann. Anfang Dezember war klar: Auch das geht nicht.

Mit den Aufnahmen von Schmitt im Hinterkopf war die Idee eines Films schnell geboren. Doch wer sollte filmen? „Über das Industriemuseum Lauf haben wir den Kontakt zu den „Filmautoren“ bekommen, eine Gruppe von Hobby-Filmern.“ Eike Wagner sollte das Projekt übernehmen, der Zeitrahmen war jedoch gering. „Das war eine sportliche Sache, alles in einer Woche auf die Beine zu stellen.“

Peitsche gegen Kerzen

So flott, wie die Vorbereitungen liefen, so zügig geht auch der Drehnachmittag voran: Kaum hat Schmitt durch Peitschenschwünge herausgefunden, wo er am besten im Innenhof steht, ohne die Kerzen am Baum und andere Gerätschaften abzuräumen, knallt es auch schon. „Ohne Training und Aufwärmen“, zollt Thomas Geiger den Kollegen Respekt.

Eigentlich lässt der Fotograf am Hirtentag neben Schmitt die Peitsche knallen, doch eine Schulterverletzung bremst ihn gerade aus. „Letztes Mal hat erstmals Moritz Vogel mitgemacht, und da habe ich ihn gefragt fürs Video – als junger Nachwuchs“, berichtet Pflaum. Schmitt habe ihm extra eine kleinere Ringelpeitsche besorgt und zum Üben zukommen lassen.

Jetzt patscht sich Schmitt ein – mit Hut und Mantel, ohne, mit Moritz Vogel. Wagner ist mit den Aufnahmen schon zufrieden. „Ich will noch was probieren“, ruft Schmitt schnaufend von der Hofmitte aus. Sein Ehrgeiz ist trotz Kälte und Anstrengung geweckt. Er legt noch einmal los und ist begeistert: „Was für ein toller Klang hier drinnen.“

Pünktlich zur Eröffnung

Trotz dieser Extraschicht liegt das Team vor dem Zeitplan. Alle warten auf Bürgermeister Robert Ilg, um dessen Ansprache aufzunehmen. Da springt Robert Vogel mit einem weiteren Hirtenruf ein. Seine musikalischen Vorträge lockern die Reden, Moderationen von Pflaum sowie das Patschen laut Drehbuch immer wieder auf. Dir frischen Temperaturen setzen seinem Langhorn zu. Er ist nicht ganz zufrieden: „Sie können ja die Aufnahme davon drüber legen.“

Wie das klingt, ist am 6. Januar zu hören. Pünktlich zur normalen Eröffnungszeit um 11 Uhr wird der Film auf der Homepage des Hirtenmuseums online gehen, so Pflaum: „Das ist ein tolles Dokument für unser Museum.“

Auch wenn sie sich darüber freut, der 48. Hirtentag wird ihr fehlen: „Das Miteinander im Team mit Backen und Kochen kann nicht stattfinden, es gibt keine Aussteller und kein Markttreiben.“ Doch dieses Video macht den „Obersten“ dank kleiner Höhepunkt erlebbar und ist eine schöne „Erinnerung an den Hirtentag“ – in dieser Zeit und für später.

Das Video ist am 6. Januar ab 11 Uhr unter https://deutsches-hirtenmuseum.de/ online.

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