Nach Forstunfällen: Vorsicht bei Waldarbeiten

Handgriffe, die über Leben und Tod entscheiden

Mit der sogenannten Sicherheitsfälltechnik lässt sich der Zeitpunkt genau bestimmen, an dem ein Baum fällt. Aber es ist gar nicht so einfach, die Schnitte dafür korrekt anzubringen. Nicht zuletzt deshalb empfiehlt sich ein Motorsägenkurs. | Foto: SVLFG/Klugmann/Thoma2020/10/ff-baumfallen-sicherheitstechnik-svlfg.jpg

NÜRNBERGER LAND – Dass im Landkreis binnen zwei Wochen zwei Menschen bei Forst­arbeiten sterben, ist „höchst dramatisch“, sagt Steffen Taeger, Abteilungsleiter des Forstbereichs Nürnberger Land am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Roth. „Die Todesfälle haben uns sehr getroffen. Wir standen mit beiden Waldbesitzern in Kontakt“, so Taeger.

Denn während sich der Abteilungsleiter nicht erinnern kann, dass es im Jahr 2019 überhaupt einen einzigen tödlichen Unfall gab, haben sich in diesem Jahr innerhalb eines Monats gleich zwei ereignet: Am Mittwoch, 23. September, ist ein 59-Jähriger bei Hormersdorf ums Leben gekommen. Sein Traktor war in einem Waldstück umgekippt und auf den Mann gefallen. Bereits eine Woche zuvor, am Mittwoch, 16. September, war ein 57-Jähriger im Wald bei Vorra von einem von ihm gefällten Baum getroffen und tödlich verletzt worden.

Aktuelle Zahlen

Insgesamt, teilt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) auf Anfrage der Pegnitz-Zeitung mit, seien in diesem Jahr bis zum 14. September – also noch vor dem Tod der beiden Männer aus dem Nürnberger Land – in Bayern bereits neun Menschen bei Forstarbeiten tödlich verunglückt und 1723 verletzt worden. Deutschlandweit wurden der SVLFG, die zum Beispiel Waldbesitzer und Forstarbeiter absichert, bis zu diesem Stichtag insgesamt 17 Todesfälle und 3319 Verletzte gemeldet.

Doch wie sind diese Zahlen einzuordnen? „Die Entwicklung der meldepflichtigen und tödlichen Unfälle der letzten fünf Jahre lässt weder einen eindeutig fallenden noch steigenden linearen Trend erkennen“, so Marc Wiens von der SVLFG.

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Borkenkäfer-Befall macht viel Arbeit

Eine Ursache dafür, dass sich vor allem im nördlichen Landkreis in diesem Jahr die Unfälle häufen, sieht Taeger vom AELF unter anderem im Borkenkäfer-Befall, der sich seit 2018 extrem gesteigert habe.

„Waldbesitzer müssen dort teilweise mehrmals im Jahr Bäume aus dem Wald nehmen. Ab Mai stehen sie unter großem Zeitdruck, da Borkenkäfer ihre Larven unter der Rinde ablegen“, so der Forstfachmann. Befallene Bäume bergen ein höheres Gefahrenpotenzial durch Totholz in der Krone, das sich schon bei leichter Erschütterung lösen und zu Unfällen führen kann.

Borkenkäfer entfernen

Die Landesverordnung zur Bekämpfung schädlicher Insekten besagt: Die Überwachung und das Entfernen der von Borkenkäfern befallenen Bäume sind Pflichten eines jeden Forstinhabers. „Wir rufen die Waldbesitzer auf, das Holz wegzumachen. Nun ist der Zeitdruck aber schon weg, da sich die Larven bis zur nächsten Vegetationsperiode im Frühjahr erst einmal nicht mehr weiterentwickeln“, warnt Taeger davor, die Fällarbeiten nun zu überstürzen.

Die Statistik der SVLFG für das Jahr 2019 macht deutlich, welche Waldarbeiten am gefährlichsten sind: 75 Prozent der tödlichen Unfälle ereigneten sich beim Fällen von Bäumen. Rund 2300 Menschen verletzten sich außerdem bei der anschließenden Holzaufarbeitung, beim Rücken und Heranbringen sowie beim Verladen. Das höchste Unfallrisiko ist laut SVLFG allerdings, von Baumteilen wie Stämmen und Ästen getroffen zu werden.

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Lieber Profis rufen

Generell, so die Empfehlung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sollten Ungeübte Waldarbeiten Profis überlassen, sich etwa an die Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land zu wenden.
Aktuell sei der Holzpreis auf einem schlechten Niveau und deckte die Erntekosten nicht, weiß Taeger. „Ich verstehe, dass Menschen deswegen keine Unternehmen bezahlen möchten. Aber weder das Geld noch der Borkenkäfer sind es wert, dass man sich in Gefahr begibt“.

Wer die morschen und befallenen Bäume doch selbst aus dem Wald nehmen möchte, sollte in jedem Fall die Vorgaben zur Arbeitssicherheit beachten. „Diese wird oft schleifen gelassen, entscheidet im Zweifelsfall aber über Leben und Tod“, so der Forstexperte.

Motorsägenkurs und Hilfs-App

Während die „Waldtage“ des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aktuell noch coronabedingt pausieren, werden nun wieder Motorsägenkurse angeboten. Diese legt Taeger allen ans Herz, die sich selbst um ihre Wälder kümmern. Neben Tipps für Waldarbeiter bietet die SVLFG auf ihrer Website unter www.svlfg.de auch die App „Stockfibel to go“ an, mit der Motorsägenführer beurteilen können, ob sie sicher arbeiten.

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