„Das Konzept hinter dem wir stehen“

Offene Ganztagsschule in Feucht

In der Grundschule Feucht setzen die Verantwortlichen auf eine offene Ganztagsklasse: Der Unterricht findet am Vormittag statt, nachmittags sollen verschiedene Angebote die Kinder fördern und betreuen. | Foto: Foto: Kai Mirjam Kappes2016/01/Feucht-Grundschule-7.jpg

FEUCHT – Im Marktgemeinderat  hat man sich der Empfehlung aus dem Kulturausschuss angeschlossen, dass die Einrichtung eines gebundenen Ganztags in der Grundschule derzeit nicht angestrebt wird. Dagegen soll der offene Ganztag fortgeführt und ausgebaut werden und der Markt Feucht Kooperationspartner der Grundschule bleiben. Zugestimmt wurde der  Schaffung einer dritten Gruppe der Offenen Ganztagsschule ab dem Schuljahr 2016/2017. Bürgermeister Konrad Rupprecht wurde ermächtigt, die erforderlichen Anträge bei der Regierung von Mittelfranken zu gegebener Zeit zu stellen. Für die Offene Ganztagsschule soll eine weitere Erzieher/innen-Stelle sowie eine Stelle für eine Mitarbeiterin ab September 2016 im Haushaltsplan aufgenommen werden.

Damit kam man den Vorstellungen der Grundschule vollinhaltlich nach. Dort sieht man, so deren Leiter Karg, die Offene Ganztagsschule (OGTS) „als das Konzept, hinter dem wir stehen.“ Es habe sich an der Schule bewährt und – was am wichtigsten sei – „Eltern und Schüler zeigen sich äußerst zufrieden“.

Viele Gründe sprechen seiner Meinung nach gegen eine zusätzlich eingerichtete gebundene Ganztagsklasse (GGT) und für eine offene Ganztagsklasse (OGT): Die OGT ist seit diesem Schuljahr neu eingerichtet und der Fokus liegt momentan auf deren Optimierung. Die Einrichtung der GGT würde bedeuten, dass zusätzliche Räume installiert werden müssten, um Differenzierungsstunden abhalten zu können. Hinzu käme die Einrichtung eines Ruhe- und Spielraums mit entsprechender Ausstattung. Allerdings wären aufgrund der massiv steigenden Schülerzahlen schon jetzt die Zimmer nicht mehr ausreichend und ein Raum bereits in die Mittelschule verlegt.

Die Einführung einer GGT-Klasse würde bedeuten, zusätzliches externes Personal einzustellen. Außerdem müsste ein Kooperationspartner gefunden werden, der Personal zur Verfügung stelle.

Im Rahmen der OGS erledigen die Kinder ihre Hausaufgaben, danach haben die Kinder Zeit für sich. Eine Tatsache, die Sechs- bis Zehnjährigen sichtlich gut tut.

Karg verwies weiter darauf, dass sich bei der GGT die Klassenbildung erheblich erschwert, weil sich die Eltern darauf verlassen, dass ihr Kind von der 1. bis 4. Jahrgangsstufe eine GGT-Klasse besucht. Würde also eine GGT-Klasse mit 15 Kindern zustandekommen (was zudem drei sehr große und eine sehr kleine GGT-Klasse bedeuten würde ) und ein Kind wegzieht, so bräche der GGT-Zug zusammen. Die Unzufriedenheit der Eltern wäre vorprogrammiert, aber auch nachvollziehbar. Fraglich sei auch, ob GGT und OGS nicht irgendwann einmal konkurrieren.

Der Schule liege es am Herzen, die OGS weiter zu begleiten, zu verbessern und auszubauen, um für die Kinder die beste Form der Betreuung zu erzielen. Karg: „Eltern sollen sich diesbezüglich auf uns verlassen können, die Kinder sollen kindgemäß ihren Nachmittag verbringen.“

Für die Grundschule Feucht sehe man den GGT aus oben genannten Gründen nicht als geeignetes Instrumentarium, um allen Beteiligten gerecht zu werden.

Auch seitens des Schulamtes  sieht man das Konzept der „offenen Ganztagsschule“, für das sich die Grundschule entschieden hat, als das richtige an.

Die entsprechenden Rahmenbedingungen werden an der Grundschule Feucht „nicht nur erfüllt, sondern, unter anderem im Bereich der Qualifikation des Personals, weit übertroffen.

Damit ist eine hohe Qualität gegeben, sodass der pädagogische Nutzen des Modells sehr gut zum Tragen kommt. Das Staatliche Schulamt steht einem Ausbau der offenen Ganztagsschule an der Grundschule Feucht wohlwollend gegenüber. Die Konzeption kommt den Bedürfnissen der Familien entgegen und unterstützt die pädagogischen Erfordernisse einer modernen Grundschule“, schreibt Schulamtsdirektor Dr. Gerald Klenk in einer Stellungnahme.

Herbert Bauer (CSU) zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung, habe man doch einen kleinen Feuchter Weg gefunden. „Kompliment an die Schule, die das so gut meistert“, sagte er abschließend.

Ernst Klier (SPD) machte deutlich, dass er die gebundene Ganztagesklasse favorisiere, weil man hier schwächere Kinder besser beschulen könne.

Fehlende Raummöglichkeiten dürften kein Argument sein. Auch im Interesse der Kinder sollte man die Chancen der gebundenen Ganztagesklassen nutzen und zumindest auf Sicht diese Option offen halten. Sabine Meindl (Grüne) sah es ähnlich, ließ sich aber überzeugen, dass diese Form aktuell niemand will.

Ralf Karg zeigte auf, dass bis 2020 560 Kinder in Feucht die Grundschule besuchen werden und man schon deswegen sehr stark in räumliche Bedrängnis komme. Auch ein offener Ganztag brauche Räume und schon deswegen sei ein Parallelbetrieb nicht möglich.

 

ZUM THEMA

Offene Ganztagsklasse (OGT): Schulen mit Angeboten der ganztägigen Förderung und Betreuung im Anschluss an den Vormittagsunterricht werden als „Offene Ganztagsschulen“ bezeichnet.

Gebundene Ganztagsklasse (GGT): Schulen, an denen ein Ganztagszug mit häufig rhythmisiertem Unterricht eingerichtet ist, als „Gebundene Ganztagsschulen“ bezeichnet.

Beide Einrichtungsformen werden unter dem Oberbegriff der „Ganztagsschulen“ geführt.

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