Fairer Handel

Neu fairliebt

Feucht bleibt Fairtrade-Gemeinde: Das hat die Marktgemeinde am Freitagabend gefeiert. | Foto: Tobias Arhelger/stock.adobe.com2020/02/Feucht-Fairtrade-Bananen-Adobe-Stock-scaled.jpeg

FEUCHT – Die Marktgemeinde feiert im Zeidlerschloss die Rezertifizierung als Fairtrade-Gemeinde: mit kompakten Vorträgen, zahlreichen Wortspielen und einer ordentlichen Portion Konsumkritik.

Bürgermeister Konrad Rupprecht bedankte sich bei allen, die die Fairtrade-Idee mit Leben füllten: allen voran die Steuerungsgruppe unter der Führung von Helmut Schleif. Ferner berichtete Rupprecht, dass im Rathaus stets fair gehandelter Kaffee getrunken wird und Neugeborene in der Marktgemeinde mit einem fairen Lätzchen beschenkt werden.

Frisch fairliehen: Bürgermeister Konrad Rupprecht mit der Urkunde. Foto: Christian Geist2020/02/Feucht-Fairtrade-Rupprecht-Urkunde-online.jpg

„Dennoch sind wir weit davon entfernt, unser gesamtes Handeln an fairen und nachhaltigen Kriterien auszurichten“, meinte der Bürgermeister. Sich beim Einkaufen über die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern im Klaren zu sein, das sei aber weder einfach noch bequem. „Wir müssen uns immer vor Augen führen, dass für den günstigen Preis jemand anders bezahlen muss. Dann ändert sich vielleicht auch unser Handeln.“

Politik an der Supermarktkasse

„Jede Kaufentscheidung ist am Ende ein gesellschaftspolitisches Bekenntnis“, sagte auch Landrat Armin Kroder und ergänzte: „Wenn es sich jemand nicht leisten kann, dürfen wir nicht den moralischen Zeigefinger heben. Aber wenn er es nicht will, dann muss man das hinterfragen.“

Ferner dankte Kroder der Gemeinde und den Initiatoren für ihren teils schon jahrzehntelangen Einsatz für den Fairen Handel und die Nachhaltigkeit. Gerade der Gedanke der Nachhaltigkeit sei ihm immer noch einer der liebsten. „Er beinhaltet immer noch so viel Richtiges. Auch wenn er durch missbräuchliche Verwendung eine Abwertung zu erleiden droht“, sagte Kroder und mahnte, ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Interessen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zusammen zu bringen.

Regionalität und Fairer Handel etwa seien kein Widerspruch, sondern passten ideal zusammen. „Denn auch wenn ich regional einkaufe, muss ich auf Fairness achten“, sagte der Landrat und Bezirkstagspräsident und ermutigte die Ehrenamtlichen im Raum, gegenüber der Politik unbequem zu bleiben, damit es nicht beim Aufhängen einer Urkunde bleibe. Den Landkreis sieht er indes auf einem guten Weg, die Hürden der Zertifizierung zu nehmen.

„Bildungsarbeit ist das A und O“

Helmut Schleif, Sprecher der Fairtrade-Gruppe, kündigte bei der Feier im Zeidlerschloss für das Frühjahr eine Faire Kaffeepause mit einem Espressomobil in der Feuchter Ortsmitte an. Außerdem informierte er über Neuerungen für den Markt der Fairen Möglichkeiten. Dieser werde zwar erst wieder 2021 stattfinden, dann aber im und um das Zeidlerschloss: mit Buden im Freien und Vorträgen im Innern. „Bildungsarbeit ist das A und O des Fairen Handels“, sagte Schleif und appellierte an alle Anwesenden, die Arbeit in den Schulen nicht zu vernachlässigen. Damit aus verhandeln fair handeln, aus verantworten fair antworten und aus Ferien Fairien werden, meinte Schleif zum Ende seiner Ansprache mit einem Schmunzeln.

Übernimmt Fairantwortung in der Steuerungsgruppe: Helmut Schleif. Foto: Christian Geist2020/02/Feucht-Fairtrade-Schleif-online.jpg

Über das Vorhaben Faire Metropolregion sprach Projektleiterin Mareike Grytz. Das Netzwerk erstrecke sich inzwischen von Kronach bis Roth und von Kitzingen bis Waldsassen. Aus diesem Einzugsgebiet berichtete Grytz von einigen Positivbeispielen, etwa fair produzierten Fußbällen, Bauhofmitarbeitern in fairer Dienstkleidung und Handtüchern mit dem jeweiligen Stadtwappen.

Zuständig für Fairnetzung: Mareike Grytz. Foto: Christian Geist2020/02/Feucht-Fairtrade-Gruetz-online.jpg

Fairtrade im zwölften Jahrhundert

Wie die Imkerei mit Fairem Handel zusammenhängt, erläuterte Wolfgang Mittwoch, Kurator des Zeidelmuseums. Er gab einen kurzen Einblick in knapp 1000 Jahre Imkereigeschichte und die drei Produkte der Zeidler: Honig, Met und Bienenwachs. „Sie wurden schon im zwölften Jahrhundert in unglaublichen Mengen unglaublich weit gehandelt“, sagte Mittwoch und sprach von Handelsverbindungen, die von Nürnberg ausgehend bis nach Portugal, Arabien und Sibirien reichten.

„Es wurde zwar intensiver Handel getrieben, aber er war fair und nachhaltig.“ Wenngleich die Zeidler sich dessen nicht unbedingt bewusst gewesen seien. Das Wachs etwa hätten sie stets weiterverwendet, „weil sie ein bisschen geizig waren“.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren