Schwarzenbruck ist dabei, „Fairtrade-Gemeinde“ zu werden

„Fairtrade-Abend“ war voller Erfolg

Das Filmplakat von „Zartbitter“, in dem es um faire Anbaubedingungen für den Kakaoanbau geht. Foto: privat2015/02/schwarzenbruckzartbitterfilmplakat_New_1423661401.jpg

SCHWARZENBRUCK – In der Bürgerhalle stand die Filmvorführung „Zartbitter“ im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dazu gab es jede Menge Informationen und Verkostungen rund um Fairtrade-Produkte – mit dabei waren „Der faire Jakob“ aus Feucht, die Rummelsberger Dienste mit ihrem Kooperationspartner „Espressone-Kaffee“ aus Cadolzburg, „Farcab“, faire Mode aus Fürth, und die Agenda 21 Schwarzenbruck mit Infostand, die auch die meisten organisatorischen Aufgaben übernommen hatte.

Wer die Halle betrat, wurde mit feinem Kaffeeduft und Zartbitterschokolade begrüßt – ein ansprechender Empfang und eine gelungene Hinführung zum Thema. Vor dem Film hatten die über 100 Besucherinnen und Besucher an den verschiedenen Ständen die Möglichkeit, faire Produkte zu probieren und Näheres darüber zu erfahren. Dabei konnten sie sich auch von der Qualität der präsentierten Produkte überzeugen.

In seiner Begrüßung zeigte sich Bürgermeister Bernd Ernstberger, der zugleich Vorsitzender der Fairtrade-Steuerungsgruppe ist, begeistert über den großen Zulauf und dankte den ehrenamtlich, also kostenlos, mitarbeitenden Mitgliedern und Stand-Betreuern für ihren Einsatz.

Gute Basis

Schwarzenbruck sei gut ausgestattet, so Ernstberger. Durch die Rummelsberger Dienste (Hotel „Anders“ und Bäckereien), Einzelhandelsunternehmen wie Edeka, Der Beck, die beiden Kirchengemeinden, die Grundschule, das KulturNetzwerk und last but not least die Agenda 21 seien bereits wichtige Normen erfüllt, Fairtrade-Gemeinde zu werden. Denn Fairtrade im Sortiment und in der Gastronomie, bei öffentlichen Einrichtungen und entsprechende mediale Multiplikation sind in der Gemeinde vorhanden.

Das angestrebte Siegel sei beantragt und werde dann in einer gesonderten Veranstaltung vorgestellt. Ernstberger empfahl eindringlich, die Produkte zu probieren und sich so von der hohen Qualität zu überzeugen – das sei der erste, wichtige Ansatz, Fairtrade als richtigen Schritt in die Zukunft zu verstehen.

Frank Braun, der Eine-Welt-Promotor für die Region Nordbayern, der gleichzeitig Leiter der Steuerungsgruppe Fairtrade in Nürnberg ist, hatte Schwarzenbruck bei seinem Bestreben unterstützt und begleitete den Abend als Moderator. Für ihn seien „Bio“, „Fair“ und, wo möglich, „Regional“ entscheidende Kriterien für Wege in die Zukunft, wobei „biologisch“ und „fair gehandelt“ untrennbar verbunden sein sollten. Nur so könnten Lebenslust und Wertschätzung zusammenkommen.

Mit dem Film „Zartbitter“ zu den Themen Fairer Handel, Wirtschaft, Selbsthilfe, Entwicklung, Armutsbekämpfung, Gerechtigkeit und Migration wurde anhand eines konkreten Beispiels anschaulich aufgezeigt, wie es mit viel Idealismus und Beharrlichkeit gelingen kann, eine Vision für mehr Gerechtigkeit konkret umzusetzen. Der Film zeigte die Chancen, aber auch die Probleme eines Fairtrade-Projektes auf.

Zartbittere Realität

Der Ghana-Schweizer Yayra Glover schilderte darin seinen Weg, biologisch angebauten Kakao aus Ghana auf den europäischen Markt zu bringen. Wesentliche Kriterien waren zunächst viele Informationen durch Agronomen für die Bauern über den richtigen Anbau und Umgang mit den Pflanzen und Früchten. Denn: Seine 50 Beschäftigten brauchen „keine Almosen, sie brauchen Chancen“, so Glover. Nach überwundenen Schwierigkeiten vor Ort – Behörden-Willkür, Bestechung etc. – kann er nun biologisch angebauten und fair gehandelten Kakao nach Europa liefern.

Dadurch haben die Landarbeiter die Möglichkeit, genug für ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihre Kinder in die Schule schicken zu können. Damit – so Frank Braun in der anschließenden Gesprächsrunde – werde auch ein wichtiger Beitrag gegen die bestehende Landflucht geleistet.

Global gesehen, werde fruchtbarer Boden zukünftig immer wertvoller und Bauern, die sich, um stärker zu sein, in Kooperationen zusammenschließen, bekämen dadurch die Möglichkeit, in Eigenverantwortung ihre Zukunft zu sichern. Einer der wichtigen Ansätze, Migration zur puren Existenzsicherung zu ver-
hindern.

Fairtrade bedeute für uns aber auch: „Guter Geschmack, qualitätvolle Produkte – ohne schlechtes Gewissen!“, lautete Brauns eindringliche Mahnung.Erich W. Spieß

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