Erarbeitung eines Theaterstücks des DHT über Kaiser Karl IV. mit Schülern

Interaktion im Klassenzimmer

Aufmerksam und amüsiert beobachtet die 6a, wie Johannes Lukas (links) zwei Rollen fast gleichzeitig spielt, während Hannes Hoffmann nur eine Glocke mimen muss. | Foto: Spandler2016/02/db-feuchtdehnbergerhoftheatertheaterkaiserkarlinderms.jpg

FEUCHT – Johannes Lukas und Hannes Hoffmann wirbeln als Hinz und Kunz durch das Schulzimmer. Mit wenigen Requisiten und ein paar Kostümen schlüpfen sie schnell in verschiedene Rollen und begeistern damit die Elf- und Zwölfjährigen der Klasse 6a von Andrea Neudecker. Ihr Thema: Der 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. Was langweiliger, trockener Geschichtsstoff sein könnte, wird für die Jungs und Mädels der Mittelschule zum Erlebnis, bei dem sie auch mitreden dürfen. Denn wenn das Stück „Mensch Karl“ vom Dehnberger Hof Theater am 8. März bei ihnen im Klassenzimmer aufgeführt wird, sollen sie auch verstehen, um was es dabei geht.

 Seit einigen Jahren gibt es das Projekt „Partnerschulen“ am Dehnberger Hof Theater (DHT). Im Rahmen ihrer Bildungsarbeit an Schulen hat die kleine Einrichtung bei Lauf ein ziemlich großes Paket geschnürt, mit dem sie ihre „allerwichtigsten Zuschauer“, Kinder und Jugendliche, für Kultur interessieren will.

Patenklassen

Dazu gehören auch die „Patenklassen“. Einzelne Klassen werden Pate für ein neu entstehendes Kinder- oder Jugendstück. Sie begleiten den Probenprozess, erleben eine spielerische Einführung zum Stück durch Theaterpädagogin Nicole Schymiczek, geben wertvolles Feedback zur Erarbeitung „ihres“ Stücks und gestalten durch ihre Kritik die Inszenierung mit. In diesen Prozess sind die Jungs und Mädels der 6a gerade eingebunden und sie scheinen das sehr zu genießen.

Eine erste Probe in der vergangenen Woche haben sie als nicht nur amüsant, sondern auch interessant erlebt, wie Bianca (11), Russella (11), Victoria 12) und Christina (12) bestätigen. Ihnen scheint das Konzept, bei dem sie immer wieder zu ihrer Meinung befragt werden, zuzusagen.

„Das ist nicht so spießig, wie andere Aufführungen, aber auch nicht kindisch“, urteilt das Quartett. „Die haben sich wirklich was Gutes ausgedacht“, finden sie und freuen sich schon in der Pause auf die ungewöhnliche Geschichtsstunde.

Denn darum geht es ja eigentlich: Kaiser Karl IV., von dem die Teenies bisher noch nie etwas gehört haben, feiert in diesem Jahr seinen 700. Geburtstag.

Wie den Kindern das nun nahebringen, ohne sie unendlich zu langweilen? Ein neues Stück musste entwickelt werden, speziell für Kinder und Jugendliche.

Ehrgeiziges Ziel

Ralf Weiß, der Leiter des DHT, freut sich daher auch über einen Zuschuss der Bildungsregion Nürnberger Land, mit dem das ehrgeizige Ziel erreicht werden soll, alle fünften und sechsten Klassen im Landkreis an dieser innovativen Klassenzimmerproduktion teilhaben zu lassen. Mit im Boot ist daher auch die Sparkasse Nürnberg, die die Bildungsregion dieses Jahr mit 20.000 Euro unterstützt, von denen 5000 an das DHT-Projekt gehen, wie Otfried Bürger, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Geldinstituts, erklärt.

Sparkasse als Sponsor

Die Unterstützung speziell des DHT durch die Sparkasse hat eine ganz lange Tradition. Die machte nun die Produktion von „Mensch Karl“ möglich, das Theaterpädagogin Nicole Schymiczek und Anja Noel von der Stückwerkstatt Schimmert extra für diese Altersklasse geschrieben haben.

Auf das Thema kam man natürlich durch den aktuellen Geburtstag und den regionalen Bezug des Kaisers zum Landkreis.

Zudem hat auch Kultusminister Ludwig Spaenle dazu aufgefordert, den Pennälern den besonderen Geburtstag näherzubringen, erinnern sich Weiß und Brigitte Schürmann, die Dramaturgin des DHT. Auch wenn das Stück extra für die fünften und sechsten Klassen entworfen wurde, ist man sich jedoch nicht sicher, ob die jungen Menschen sich bei einer Aufführung tatsächlich mit dem Inhalt auseinandersetzen und etwas aus dem Stück mitnehmen. Aus diesem Grund werden sie an der Erarbeitung durch Autorinnen und Schauspieler beteiligt.

Als sich die Schüler dann zur zweiten Probe versammeln, fasst Nicole Schymiczek noch einmal zusammen, was in der ersten erarbeitet wurde: Die Verbindung der Kaiser-Karl-Zeit mit der Neuzeit stellt ein Fluch her, der die beiden Figuren Hinz und Kunz aus dem 14. ins 21. Jahrhundert katapultiert. In den einzelnen Szenen, die aber durch die Mitarbeit der Kinder noch verändert werden können, erschließt sich die Figur Karls IV. jugend- und zeitgerecht.

Sankt Google

Etwa, wenn einer der beiden Protagonisten ein Handy findet und mit „Sankt Google“ kommuniziert. Natürlich stiftet das Gerät zunächst Verwirrung, treibt aber dadurch den Plot weiter voran. Und hier kommen auch die Vorschläge der Sechstklässler: Man sollte doch ein echtes Handy nehmen, man sollte die tatsächliche Sprachfunktion von Google nutzen. Hilfen geben sie Autorin Schymiczek auch, als die sich nicht ganz sicher ist, ob es nachvollziehbar sei, dass einer der beiden mir nichts, dir nichts, ein Smartphone bedienen kann. Doch die jungen Leute haben damit eher kein Problem. Schmiczek wird überzeugt, der Regieeinfall bleibt drin.

Viel Gelächter gibt es noch einmal in der folgenden Szene, in der Johannes Lukas zwei Rollen gleichzeitig spielt – eine Meisterleistung, die den Buben und Mädchen besonders gefällt. Da der Text bei den beiden jungen Schauspielern noch nicht hundertprozentig sitzt und immer wieder mal souffliert werden muss, kommt es zu ungeplanten Nachfragen, spontanen Einfällen und kleinen Unterbrechungen, die die Probenarbeit auch für die Kinder nur lebendiger und nachvollziehbarer macht. Das erinnert stark an Impro-Theater. Die Figur des spätmittelalterlichen Kaisers wird von den verschiedensten Warten aus beleuchtet – und für die 6a bestimmt auch in Zukunft kein unbeschriebenes Blatt bleiben.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler