Das Geheimnis ist gelüftet

Des Rätsels Löwe

Unbekannte haben den steinernen Löwen am Wegesrand zwischen Penzenhofen und Rummelsberg erst vor kurzem freigelegt und von Bewuchs befreit. | Foto: Heidrun Martini2020/05/Penzenhofen-Loewe-scaled.jpg

PENZENHOFEN/RUMMELSBERG – Die geheimnisvolle Skulptur am Rande eines Waldweges zwischen dem Diakoniedorf und
Penzenhofen diente wohl als Wegmarkierung. Junge Diakone bauten eine Abkürzung zum Wichernhaus in Altdorf.

Das Rätsel um den Sandsteinlöwen im Wald bei Penzenhofen ist gelöst. Auf unsere Veröffentlichung mit Bild am 21. April haben sich mehrere Leser mit Hinweisen gemeldet. Es handelt sich bei der rätselhaften Skulptur offenbar um einen Markierungsstein, der 1930 am Rand eines damals neuen Waldweges platziert wurde. Noch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erzählten Zeitzeugen vom Wegebau im Wald zwischen Penzenhofen und Rummelsberg.
Der Altenthanner Helmut Wilimsky hat die Löwen-Skulptur bereits 1984 fotografiert und sich seinerzeit mit einem Zeitzeugen unterhalten, der ihm von einem Versorgungsweg berichtete, den die Rummelsberger Diakone im Jahr 1930 zwischen dem Diakoniedorf und Penzenhofen anlegten.
Im Rummelsberger Brüderblatt vom Mai 1930 ist vom Wegebau nach Penzenhofen die Rede. „Die Brüder des Wichernhauses beginnen zur Erleichterung des Verkehrs zwischen Wichernhaus und Rummelsberg mit der Anlegung eines Waldweges zwischen Penzenhofen und Rummelsberg“, schreibt der Berichterstatter. Konrad Deinlein bemerkt dazu in seiner 1982 erschienenen „Geschichte Rummelsbergs“, dass die Diakone für den Unterbau des Weges Gipsabdrücke der orthopädischen Klinik und die Schlacken der Zentralheizung des Wichernhauses verwendet haben.

Die historische Aufnahme zeigt die Einweihung des Wichernhauses im Jahr 1925. Foto: Rummelsberger Diakonie2020/05/Rummelsberg-Wichernhaus-Altdorf-Einweihung-1925.jpg

Greif sieht einen Markuslöwen

Die Löwen-Skulptur nun findet sich am Rand dieses von den jungen Diakonen neu angelegten Wegs, für Dr. Thomas Greif, den Leiter des Diakonie-Museums in Rummelsberg, ergibt sich zweifelsfrei die Zuordnung nach Rummelsberg: „Dazu passt auch, dass man in der Mitte des Steins, zwischen den Zahlen 19 und 30, Reste eines Symbols erahnen kann, das wahrscheinlich einmal ein Kreuz war“, sagt er im Gespräch mit dem Boten. Greif weist auch darauf hin, dass der Löwe eines der vier Evangelistenzeichen (Markuslöwe) und damit ein christliches Symbol ist.
Die Rummelsberger betrieben schon seit 1905, dem Gründungsjahr der Rummelsberger Diakonie, eine Landwirtschaft in Rummelsberg und in der Fröschau im Schwarzachtal. Weil das Wichernhaus in Altdorf den Rummelsberger Anstalten unterstellt war, musste es über die Landwirtschaft der Diakonie mit Lebensmitteln versorgt werden.

Landarbeiter der Rummelsberger in der Fröschau bei der Heuernte. Foto: Rummelsberger Diakonie2020/05/Rummelsberg-Landwirtschaft.jpg

Bis zum Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bewegte sich der Versorgungsverkehr von Rummelsberg in Richtung Altdorf durchs Schwarzachtal nach Grünsberg und dort den steilen Berg hinauf nach Weinhof. Um diesen Weg abzukürzen und den steilen Grünsberger Anstieg zu vermeiden, bauten die jungen Diakone des Wichernhauses einen Versorgungsweg durch den Wald, der auf die Straße Feucht-Penzenhofen stieß. Damals gab es regen Verkehr zwischen Altdorf und dem Diakoniedorf. „Pfarrer fuhren zu Gottesdiensten und Besprechungen, junge Diakone fuhren zur Arbeit, und vor allem belieferte die Rummelsberger Landwirtschaft das Wichernhaus mit Lebensmitteln“, berichtet Greif. Als die Rummelsberger 1927 ihre ersten Autos anschafften, einen Opel Laubfrosch und einen Lieferwagen, erwies sich der Grünsberger Anstieg als große Herausforderung.

Die Abkürzung über Penzenhofen war dann von entscheidendem Vorteil, sie sparte Zeit und gewährleistete vor allem im Winter, dass die Lebensmittellieferungen für das Wichernhaus ihren Bestimmungsort erreichten. Hans Ritter aus Penzenhofen ist 92 Jahre alt. Er erinnert sich daran, wie er mit Spielkameraden durch die Wälder der Umgebung streifte. Blaubeeren haben die Kinder gesammelt und Indianer gespielt. „Und ich weiß noch, wie wir gesagt haben: Wir gehen zum Löwen.“ Die Skulptur weckte die Neugier der Kinder, nachdem die Rummelsberger sie am Wegesrand im Wald aufgestellt hatten.

Gerücht um Steinmetzlehrlinge

In Penzenhofen erzählt man sich aber auch von einem alten Steinbruch, den es in der Nähe der Skulptur gegeben haben soll. Steinmetzlehrlinge hätten die Löwen-Skulptur geschaffen, so das Gerücht, für dessen Verifizierung es aber keine Anhaltspunkte gibt. Hans Ritter jedenfalls weiß nichts von Steinmetzen und nichts von einem alten Steinbruch. Er versichert im Gespräch mit dem Boten, dass der steinerne Löwe eine Wegmarkierung der Rummelsberger ist. Unbekannte haben die Skulptur vor nicht allzu langer Zeit von Bewuchs befreit, so dass man Details erkennen kann.

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