Strenge Regeln für Trauerfeiern

Abschiednehmen nur noch mit Gästeliste

Ein Blick in die Aussegnungshalle am Laufer Friedhof bei einer Beerdigung vor einigen Jahren. Hier sind aktuell bei Trauerfeiern nur maximal 15 Gäste zugelassen, weitere Besucher müssen im Freien mit Abstand stehen. | Foto: PZ-Archiv2020/11/beerdigung-lissi-halle-II.jpg

NÜRNBERGER LAND – In Coronazeiten wird der Bestatter zum Türsteher: Weil bei den Trauerfeiern in den Aussegnungshallen nur sehr wenige Gäste erlaubt sind, müssen trauernde Angehörige vorher Namenslisten einreichen, die dann am Eingang „abgehakt“ werden. In Lauf haben sich die beiden Kirchengemeinden dafür eingesetzt, dass die Besucherzahl nicht noch weiter reduziert wird.

In Lauf, Heuchling, Rückersdorf, Neunkirchen und Behringersdorf sind in den Aussegnungshallen aktuell maximal 15 Trauergäste im Inneren zugelassen, in Röthenbach 25, in Schwaig 35, wie eine kleine Umfrage der PZ ergeben hat. Dieser Wert richtet sich nach der Größe des Gebäudes, zwischen den Stühlen müssen 1,50 Meter Mindestabstand eingehalten werden. Oft wird der Fußboden dafür mit Klebestreifen markiert. Angehörige eines Hausstandes dürfen zwar inzwischen meist zusammensitzen. In Röthenbach zum Beispiel ist die komplette erste Reihe für die engste Familie reserviert. Doch das war zuletzt nicht überall so.

Familien mussten getrennt sitzen

In Lauf etwa mussten Ehepaare oder Familien während der Aussegnungsfeiern noch im Sommer oft getrennt sitzen, weiß Pfarrer Thomas Hofmann. Weil die Stadt mit Beginn des „Lockdown light“ die Besucherzahl außerdem zunächst auf nur noch fünf begrenzen wollte, wandten sich die katholische und die evangelische Gemeinde mit einem „ökumenischen Brief“ an die Stadtverwaltung. „Das war uns ein wichtiges Anliegen“, so Pfarrer Hofmann, schließlich handle es sich bei Trauerfeiern nicht um „private Treffen“, sondern sie fielen unter § 6 der 8. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die Sonderregelungen für Gottesdienste vorsieht. Das bestätigt auch der Leiter des Laufer Ordnungsamtes, Thomas Wanke, auf Nachfrage der PZ.

Prinzipiell sei die seelsorgerische Arbeit zurzeit „ganz schwer“, erzählt Thomas Hofmann. Die Maske mache die Kommunikation mit den Trauernden schwierig, weil man die Mimik nicht einschätzen könne. Umarmungen seien nicht möglich. Man versuche, die Trauerfeiern trotz allem würdevoll zu gestalten. Am Salvatorfriedhof schallt beispielsweise die Orgelmusik durch die geöffnete Tür nach draußen.

„Adaptives Stellen“

Für die Aussegnungshalle am Haupt-Friedhof würde sich der evangelische Geistliche noch ein paar zusätzliche Stühle wünschen. „Durch adaptives Stellen wäre da sicher mehr möglich.“ Das Anpassen der Bestuhlung an die Teilnehmerlisten sei freilich zeitaufwendig.

Denn genau diese Namenslisten müssen die trauernden Angehörigen zurzeit im Vorfeld beim Bestatter einreichen, auch, um bei einem nachgewiesenen Coronafall Kontakte nachverfolgen zu können. Mitarbeiter der Bestattungsinstitute oder der Friedhofsverwaltung haken dann am Eingang ab, wer in die Aussegnungshalle darf. „Das ist eine heikle Aufgabe, weil manche Besucher das gar nicht wissen“, bestätigt Anja Blank vom Bestattungsunternehmen „End und Blank“ in Lauf. Da müsste dann schon mal eine langjährige Nachbarin abgewiesen werden.

Gerade bei größeren Familien oder jüngeren Verstorbenen sei das „Aussortieren“ der Gäste eine Katastrophe. „Das tut mir im Herzen weh“, bedauert Anja Blank. Erst in diesen Tagen habe sie eine trauernde Familie mit sieben Kindern betreut, die jeweils verheiratet waren und selbst wieder Kinder hatten. „Die mussten quasi Stöckchen ziehen, wer in die Aussegnungshalle mit darf.“


Kein Kondolenzbuch in Lauf

In Lauf darf zudem kein Kondolenzbuch aufgelegt werden und es dürfen keine draußen wartenden Gäste kurz nach drinnen zum Sarg gelassen werden, um sich zu verabschieden. Im Freien dagegen, also beispielsweise auf dem Weg zum Grab, ist keine Höchstteilnehmerzahl vorgesehen, auch hier muss allerdings der Abstand von 1,50 Metern eingehalten werden. In Röthenbach dürfen maximal 200 Menschen bei einer Beerdigung im Freien anwesend sein.

Trotz allem hätten sich die Maßnahmen inzwischen gut eingespielt, hat Anja Blank beobachtet. Die meisten Trauernden reagieren traurig, aber verständnisvoll, heißt es auch beim Bestattungsunternehmen Birkmann. „Manche sagen mir hinterher, dass die die Trauerfeier als sehr intensiv empfunden haben, gerade weil sie familiärer war“, sagt Anja Blank. Doch so viel Verständnis haben nicht alle.

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