Unfall bei Getränke Ziegler: Wollte der Sohn dem Vater schaden?

Autoraub sollte wohl eine Abreibung sein

Der Ford flog in der Nacht auf Silvester 2019 etwa 30 Meter durch die Luft, ehe er in einer Getränkelagerhalle am Bräunleinsberg landete. Dabei wurden die beiden mutmaßlichen Autoräuber schwer verletzt.2020/06/unfall-autodiebe-getrankeziegler-innen-vogel-1200x900-1.jpg

OTTENSOOS/HERSBRUCK – Ein halbes Jahr lang hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth keine Auskunft gegeben. Noch seien nicht alle Beteiligten vernommen worden, hieß es auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung stets. Nun hat die Behörde doch über die Hintergründe eines der spektakulärsten Unfälle der vergangenen Jahre gesprochen.

Damals, am letzten Tag des Jahres 2019, landeten zwei junge Männer mit einem in Hersbruck geraubten Auto am Bräunleinsberg in einer Lagerhalle, nachdem sie zuvor auf der B 14 vor der Polizei geflohen waren. Der Ford flog 30 Meter durch die Luft, ehe er in dem Gebäude des Getränkegroßhändlers Ziegler einschlug (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

Nicht minder spektakulär ist offensichtlich die Vorgeschichte des Unfalls. Im Raum steht sogar der Vorwurf des versuchten Mordes, auch wenn laut Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke noch nicht absehbar ist, ob deshalb Anklage erhoben wird. Zwei junge Männer aus der Nähe von Köln sitzen in U-Haft, beschuldigt werden sie außerdem der gefährlichen Körperverletzung und des Schweren Raubs.

„Eine Abreibung verpassen“

Die beiden Männer, 21 und 22 Jahre alt, haben den Erkenntnissen der Ermittler zufolge einen jungen Hersbrucker über das Internet kennengelernt. Sie chatteten miteinander. Dabei bekam das Duo aus dem Rheinland wohl mit, dass der Minderjährige mit seinem Vater im Streit liegt. Die Tatverdächtigen hätten beschlossen, dem Hersbrucker zumindest „eine Abreibung zu verpassen“, erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sie hätten mit dem Sohn „eine Vereinbarung geschlossen“.

Ein Mordversuch?

Ob es darum ging, den Mann zu ermorden? Die beiden Männer seien von diesem Vorhaben nach jetzigem Ermittlungsstand wieder zurückgetreten, sagt Gabriels-Gorsolke. Wer freiwillig die Tat aufgibt oder deren Vollendung verhindert, so das Strafgesetzbuch, der kann nicht wegen versuchten Mordes bestraft werden.

Dem Vater gegenüber sollen sich die Beschuldigten in der Nacht zu Silvester 2019 als Polizisten ausgegeben haben, um in dessen Wohnung zu gelangen. Dort sollen sie laut Staatsanwaltschaft „erhebliche Gewalt“ angewendet und den Schlüssel des Ford an sich genommen haben. Anschließend hätten sie den Mann und dessen minderjährige Tochter gefesselt, ehe sie flohen, so Gabriels-Gorsolke.

Ermittlungen gegen den Sohn

Offen lässt sie, wer damals die Polizei verständigte: Waren es Nachbarn, konnten sich die Gefesselten befreien, um einen Notruf abzusetzen? Ermittelt wird auch gegen den Sohn des Autobesitzers, dessen Alter die Staatsanwaltschaft nicht nennt. Schwerer Raub steht auf der Akte. Doch die Rolle des Jugendlichen, der jünger als seine Schwester ist, ist der Behördensprecherin zufolge „noch nicht abschließend geklärt“. Gegen den Teenager gibt es keinen Haftbefehl.

Erschwert wurden die Ermittlungen zunächst durch den Gesundheitszustand der mutmaßlichen Autoräuber: Der 21- und der 22-Jährige hatten sich schwere Verletzungen zugezogen. Einen Monat nach dem Unfall berichtete die Polizei auf Nachfrage, dass einer der Männer noch immer in stationärer Behandlung sei. Zuletzt führte die Corona-Pandemie zu Verzögerungen.

weitere Autoren: Andrea Beck, Wolfgang Sembritzki

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