Bürgermeisterwahl in Burgthann

Burgthann : Alle Kandidaten im Interview

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Am 15. März haben die Bürger das Wort. Sie wählen Kreistag, Landrat sowie den Burgthanner Gemeinderat und Bürgermeister. Lange war Amtsinhaber Heinz Meyer (CSU) ohne Gegenkandidat, ehe sich ein Parteikollege neu positionierte. Björn Reese schloss sich den Freien Wählern an und fordert Meyer nun heraus. Auf dieser Seite beziehen die beiden Kontrahenten Stellung zu aktuellen Themen der Gemeindepolitik.

Für die CSU: Heinz Meyer

Foto: CSU Burgthann2020/02/BM-Heinz-Meyer-scaled.jpg

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen für Mittelständler in Burgthann ist ungebrochen. Wo sehen Sie noch Potenzial? Oder ist die Grenze des Wachstums bereits erreicht?

Wir haben seit 2007 keinen neuen Bebauungsplan mehr aufgestellt. Das gilt für Gewerbe- und Wohnbau. Da die Gemeinde vor kurzem circa zwei Hektar erschlossene Gewerbefläche zurückerworben hat, sind wir in der Lage, den Bedarf an Flächen für mittelständische Unternehmen vorerst wieder zu decken. Wann immer es in Bereichen, in denen der bestehende Flächennutzungsplan Gewerbe vorsieht, möglich ist, Grundstücke zu erwerben, tun wir das. Die derzeitige Beschlusslage des Gemeinderates sieht vor, nur noch dort Bauland auszuweisen, wo auch die Gemeinde Einfluss auf Art und Zeitpunkt der Nutzung nehmen kann. In Mimberg wird derzeit eine Industriebrache in ein hochwertiges Wohngebiet umgewandelt. Flächenfressende und transportintensive Neuansiedlungen sind in Burgthann nicht geplant.

Sanierung beziehungsweise Neubau des AWO-Pflegeheims in Mimberg sind unumstritten, aber wie soll es mit den übrigen Flächen in AWO-Hand weitergehen? Soll der Grund auf dem freien Markt verkauft werden? Und wo kann dann noch Betreutes Wohnen entstehen?

Klare Aussagen von mir zur Wohnversorgung im Alter sind Überlegungen zum Bau von seniorengerechten Wohnungen im Neubaugebiet Ezelsdorf. Das Areal um die AWO-Senioreneinrichtung am Standort Mimberg ist im Flächennutzungsplan als Vorbehaltsfläche für soziale Einrichtungen vorgesehen. Dort kann alles realisiert werden, was man unter altersgerechtem Wohnen versteht. Sollten hier seitens des Eigentümers Änderungswünsche zur Bauleitplanung bestehen, so sind diese mit dem Gemeinderat abzustimmen.

In mehreren Ortsteilen werden Wirtshaussterben, mangelnde Grundversorgung und fehlende attraktive Aufenthaltsorte für Jung und Alt beklagt. Wie wollen Sie die Ortskerne beleben?

Über mangelnde Attraktivität für Jung und Alt können wir uns nicht beklagen. Auch bin ich der Meinung, dass wir im Bereich Grundversorgung und der Versorgung mit Gaststätten in allen Ortsteilen gut aufgestellt sind. Unsere Gastronomie ist nicht nur eine Bereicherung für unsere Bürger, sondern für die gesamte Region und die Naherholung. Die oft von Einzelnen gewünschten Tante Emma-Läden sind aus meiner Sicht wirtschaftlich schwer darstellbar. Wenn sich auf ehrenamtlicher Basis eine tragfähige Initiative zum Aufbau eines Dorfladens gründen möchte, bin ich gerne bereit, diese zu unterstützen. Von einem Gasthaussterben kann in Burgthann nicht die Rede sein. Es gibt in allen Bereichen Angebote für unsere Bürger. Für die Belange unserer Gastronomen setze ich mich gerne ein, wobei für deren Erhalt natürlich Faktoren wie der Fachkräftemangel eine große Rolle spielen. In allen Ortsteilen gibt es Möglichkeiten, sich in seiner Freizeit zu bewegen und aufzuhalten. Natürlich lässt sich darüber streiten, wie man bei circa 11 500 Einwohnern, aufgeteilt auf zwölf Ortsteile, attraktiv definiert. Feststellen möchte ich, dass wir sehr naturnah leben und ausgezeichnete Sportanlagen vorweisen. Ebenso nehme ich wahr, dass bei uns vorrangig Einfamilien- und Doppelhäuser mit Gartenanlagen zu finden sind und somit die Neigung, sich in seiner Freizeit auf öffentlichen Plätzen zu präsentieren, nicht sonderlich ausgeprägt ist.

Bei Ablauf einer weiteren Amtszeit wären Sie über 70 Jahre alt. Streben Sie an, die vollen sechs Jahre abzuleisten?

Das Pensionseintrittsalter für Beamte beläuft sich momentan auf 67 Jahre. Selbstverständlich strebe ich an, die volle Amtszeit zu erfüllen, da ich mich zum jetzigen Zeitpunkt physisch und psychisch in der Lage sehe, das Bürgermeisteramt weiterhin erfolgreich zum Wohl der Gemeinde Burgthann auszuführen.

Für die Freien Wähler: Björn Reese

Foto: Freie Wähler Burgthann2020/02/1-Bjoern-Reese.jpeg

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen für Mittelständler in Burgthann ist ungebrochen. Wo sehen Sie noch Potenzial? Oder ist die Grenze des Wachstums bereits erreicht?

Wir sind natürlich begrenzt durch unsere Fläche und sollten nicht alles versilbern. Lieber kleinere Gewerbetreibende mit Arbeitsplätzen für unsere Bürger als große Logistikhallen. Zusätzlich ist auch eine nachhaltige Entwicklung gefragt, um der allgegenwärtigen Flächenversiegelung etwas entgegenzusetzen – Retensionsmulden, Entsiegelungen von nicht mehr benötigten, versiegelten Flächen sowie Fassadenbegrünung sind Beispiele. Wir haben in unserem Wahlprogramm explizit die Stelle eines Umweltbeauftragten für die Gemeinde formuliert, der natürlich auch als Netzwerk zu den Unternehmen fungieren soll. Hier passierte in den letzten Jahren leider nichts. Auch sind leider viele Leerstände in unserem Gewerbegebiet vorhanden, die von Privatpersonen zurückgehalten werden. Doch bevor man sich darum bemüht, werden Flächen neu ausgewiesen oder gekauft. Das ist nicht der richtige Weg.

Sanierung beziehungsweise Neubau des AWO-Pflegeheims in Mimberg sind unumstritten, aber wie soll es mit den übrigen Flächen in AWO-Hand weitergehen? Soll der Grund auf dem freien Markt verkauft werden? Und wo kann dann noch Betreutes Wohnen entstehen?


Sehen Sie nach Schwarzenbruck, da gibt es eine Vielzahl von Altersheimen und altersgerechtem Wohnen. Uns als Freien Wählern brennt das Thema seit vielen Jahren unter den Nägeln, wir haben bereits vor der Wahl gebeten, 20 000 Euro für ein Konzept einzustellen. Dies wurde abgelehnt. Kein Geld, hieß es lapidar. Trotz eines über 20 Millionen schweren Haushaltes. Da wurde ich richtig sauer. Die Seniorenbeauftragte Frau Nette erklärte uns noch, dass mit Pyrbaum und Rummelsberg der Bedarf der Gemeinde gedeckt sei! Ein Unding den Bürgern und Senioren gegenüber. Es ist nötig, hier ein Gesamtkonzept zu entwickeln: transparent mit den Bürgern, nicht hinter verschlossener Tür.

In mehreren Ortsteilen werden Wirtshaussterben, mangelnde Grundversorgung und fehlende attraktive Aufenthaltsorte für Jung und Alt beklagt. Wie wollen Sie die Ortskerne beleben?

Auch ich habe mit viel Bürokratie, Kosten und zeitintensiven Verhandlungen mit den Behörden zu kämpfen. Seitdem ich als Bürgermeister kandidiere, erstaunlicherweise umso mehr. Unterstützung für Unternehmer statt ihnen das Leben schwer zu machen, dafür wollen wir uns einsetzen. Darüber hinaus fehlt auch hier seit Jahrzehnten eine transparente Investition in die Zukunft. Vielleicht ein Familienzentrum analog dem in Neumarkt und dies in bestehenden Immobilien. Vereine müssen gestärkt werden, wenn sie Nischen besetzen möchten. Hier darf der Bürger nicht als Bittsteller kommen, mit mir würde die Gemeinde die Dinge proaktiv angehen.

Sie haben erst vor kurzem der CSU den Rücken gekehrt. Da Sie gleich als Bürgermeister-Kandidat antreten, sind Sie offenbar unzufrieden mit der Politik der Gemeindespitze. Oder wollen Sie nur verhindern, dass Ihr Mitbewerber ohne Gegenkandidat durchmarschiert?

Wie Sie wissen, bin ich ja staatlich geprüfter Hotelbetriebswirt und da lernt man viel über Unternehmensführung, Kundenorientierung und Transparenz. Ich möchte transparent sein und Bürger mit einbeziehen. Dies waren alles keine Ziele meiner alten Partei. Vielleicht bedingt durch die Jahrzehnte der absoluten Mehrheitsverhältnisse, die sowas oft mit sich bringen. Daher der Wechsel zu einer Partei, die näher am Bürger ist. In der CSU Burgthann, so kann ich Ihnen berichten, war zumeist nicht mal die Vorstandschaft in das Handeln involviert. Bisher bekam ich zu 95 Prozent sehr positive Rückmeldungen, dass sich nun ein junger Politiker für das Amt des Bürgermeisters bewirbt.

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