Alfelder Kirwa war Publikumsmagnet

Hut für Vorgänger

Vom Kapo zum Houterer: Andreas Fischer und Christina Prager, das Alfelder Kirwapaar 2015. Foto: K. Rösel2015/09/DSC_0347.jpg

ALFELD – Der Alfelder Houterer des Jahres 2015 heißt Andreas Fischer, sein Moidl Christina Prager darf den Goldenen Buschn, das Wahrzeichen der Kirwa, mit nach Hause nehmen. Fischer war über viele Jahre der Kapo der Alfelder Kirwaboum, im nächsten Jahr wird diese Aufgabe ein anderer übernehmen müssen.

Die Alfelder Kirwa ist etwas ganz Besonderes. Sicher, dies behauptet wahrscheinlich jeder von seiner eigenen Kirwa. Aber selbst ein Fremder, der zum ersten Mal dabei ist, merkt schnell, dass es hier ein paar Besonderheiten gibt, die andernorts nicht zu finden sind.

Am 24. August steht der Tag des heiligen Bartholomäus im Kalender. Die Alfelder Kirche ist ihm geweiht, deshalb feiert das Dorf Ende August Kirchweih. Der Montag muss dabei immer noch im August liegen. In diesem Jahr war es mit dem 31. die spätest mögliche Variante. Mindestens fünf Tage lang wird ab Donnerstag gefeiert, an dem es die Vogelsuppe gibt. Bis zum Einholen des Baumes am Samstag passiert noch nichts wirklich Außergewöhnliches.

Aber spätestens beim Aufstellen beginnen die Besonderheiten. Der Baum wird immer aus zwei Teilen zusammengesetzt und noch hergerichtet, bevor er am Samstagnachmittag aufgestellt wird. Hier kommt ein weiteres Markenzeichen ins Spiel: Während andernorts Kränze mit bunten Bändern am Baum flattern, ist er in Alfeld leer. Oben im Wipfel ist ein fränkisches Fähnchen festgemacht, am Stamm befindet sich ein Holzschild mit „Herzlich Willkommen“.

Kränze würden nur eine weitere Besonderheit der Alfelder Kirwa behindern. In der Nacht zum Sonntag wird als Zeichen der früheren Teilung Alfelds zwischen Kegelberg und Schneiderberg ein 240 Meter langes Seil gespannt. An diesem baumelt der goldene „Buschn“, ein zylindrischer Behälter, in dem kopfüber ein Tannenbäumchen hängt. Daran befestigt ist eine vergoldete Schweinsblase.

Ihren Kirwabaum tanzen die Alfelder nicht wie anderswo am Sonntag aus, sondern erst am Montag. Nach dem Frühschoppen führen die Alfelder Musikanten einen langen Zug vom Gasthof Berghof in Richtung Ortsmitte. Beim Einziehen ins Dorf wird gesungen und zwischendrin spielen die Musikanten einen „Eingemachten“ – eine weitere Besonderheit, quasi eine Mischung aus Tanz und Gesang. Die Kirwaboum legen sich gegenseitig die Arme um die Schultern und verneigen sich vor den Musikanten. Im Anschluss wird eine Runde getanzt.

Währenddessen laufen zwei rußgeschwärzte Kirwaboum – in diesem Jahr Markus Kurzer und Noah Haas -, die zuvor auf dem Rad des Eilwagens gesessen sind, umher und schwärzen die Menschen in der Nähe als Glückssymbol. Ist der Tross am Gasthaus „Scharfes Eck“ angekommen, löst er sich auf und die Kirwapaare machen sich auf nach Hause, um sich für das Austanzen herzurichten.

Dazu erscheinen die 35 Kirwaboum in weißem Hemd, schwarzer Hose und einer schwarzen, ärmellosen Weste. Auf dem Rücken ist neben einer Nummer mit Kreide ein Symbol für den jeweiligen Beruf aufgemalt. Einer ist jedoch anders gekleidet, der so genannte Platzknecht. Er trägt eine weiße Schürze und hat die Aufgabe, während des Baumaustanzens die Maßkrüge mit Bier aufzufüllen. Dazu geht er mit seinem Moidl in „falscher“ Richtung um den Baum.

Während die Kirwapaare ihre Runden drehen, wird das Seil mit dem Buschn gelockert, so dass sich dieser immer weiter in Richtung Marktplatz senkt. Bereits einige Tage zuvor wird bestimmt, wer in diesem Jahr der Houterer werden soll – für jeden Burschen eine große Ehre, einmal diese Würde zu bekommen. Ein Oberkirwapaar gibt es in Alfeld nicht. Auf Zeichen des Kapos ertönt nach einigen Tanz- und Singrunden ein Schuss und kürt den Houterer und sein Moidl, für das der Buschn bestimmt ist.

Heuer gab der neue Kapo Maximilian Buchler das Zeichen, als sein Vorgänger Andreas Fischer und Christina Prager den Blumenstrauß in Händen hielten und als der Schuss ertönte, mussten die Umstehenden aufpassen, weil sofort auch der Buschn endgültig herabgelassen wurde. Die Kirwaboum fielen über Andreas her, denn er bekam jetzt den bisher vom Platzknecht verwahrten Hut auf den Kopf „gehauen“. Währenddessen wurde der Buschn vom Seil gelöst, damit der Houterer 2015 seine Ehrenrunde drehen konnte.

Andreas Bauer, der das Wahrzeichen auch gebaut hat, schwang es dazu über den Köpfen von Christina und Andreas. Danach machte sich die Kirwagesellschaft mitsamt Musik erst einmal auf zum Kugelplatz ins Elternhaus von Andreas. „Nachkirwa“ feierten die Kirwapaare dann auf Kosten des neuen Houterer am Dienstag unter sich noch einmal im Kirwa-stodl.

N-Land Kerstin Rösel
Kerstin Rösel