Kulturverbund Nürnberger Land

Landsknecht, Schwede, Wallensteiner

Nicht nur als Wrangel stimmgewaltig: Armin Winkelmann als Hauptmann vor dem Zelt der Landsknechte Zeh auf dem Oberen Markt. | Foto: privat2020/11/NEU-Altdorf-Armin-Winkelmann-Hauptmann_1-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Sein halbes Leben bereichert Armin Winkelmann nun schon die Altdorfer Festspiele.

Mit Rotbart und Donnerstimme: Vielen in Altdorf und über die Stadtgrenzen hinweg ist Armin Winkelmann als unerschütterlicher Unterhändler aus Schillers Wallenstein bekannt. Seit 16 Jahren beeindruckt er in der Rolle des Schwedenoberst Wrangel. Als gebürtiger Altdorfer steckt sich der 50-Jährige schon als Jugendlicher mit dem Wallensteinfieber an, das die Stadt alle drei Jahre heimsucht.

Zunächst nimmt er allerdings nur als Zaungast an dem bunten Treiben teil. „Selbst aktiv geworden bin ich erst relativ spät“, erinnert sich Winkelmann. Zum ersten Mal streckt er seine Fühler als 27-Jähriger bei den Landsknechten Zeh aus. Ein Jahr später ist er fest mit dabei und schlägt zusammen mit seinen Spießgesellen das Lager am Oberen Markt auf, lümmelt als lebende Kulisse malerisch am Feuer herum, verlangt Pflasterzoll und erfreut sich des Lagerlebens. Seit 2012 ist Winkelmann stolzer Hauptmann der Landsknechte Zeh.

Gewand an, Alltag aus

Wenn der 50-Jährige sein Gewand überwirft, streift er den Alltag ab. „Es ist ein so schöner Ausgleich zur Arbeit“, sagt der Industrieelektroniker. „Als würde man in eine andere Welt abtauchen.“ Besonders liebt er es, sich im Festspiel-Flow treiben zu lassen und den Besuchern, vor allem Kindern, durch kleine Schauspielereien oder pure Anwesenheit eine Freude zu machen. Jede Wallensteinsaison habe ihre Highlights, sagt Winkelmann, aber mit am liebsten erinnere er sich an die von der Jahrtausendwende.

Damals marschiert er mit 59 Landsknechtkumpanen im Vorfeld zu Fuß und mit Pferdefuhrwerken von Amberg nach Altdorf. „Die Planwagen haben wir selbst gebaut gehabt“, erzählt er. Drei Tage sind sie unterwegs, zum Teil auf der Route der alten Eisenstraße. „Die Leute, die wir unterwegs getroffen haben, hatten so einen Spaß und wir natürlich auch“, sagt er.
Apropos Spaß: Mit dem von ihm 2015 ins Leben gerufenen Fischerstechen fügt der Landsknechthauptmann den Festspielen eine besonders beliebte Gaudi hinzu.

Stolz ist er auch auf sein jüngstes Projekt, mit dem er 2018 anlässlich des 400sten Jahrestags zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges ein Zeichen setzt: An der Altdorfer Friedenstafel wollen die Wallensteiner nun jährlich gemeinsam auf den Westfälischen Frieden anstoßen und damit auch den gelegentlich aufkommenden Vorwurf des Krieg-Verherrlichens entkräften.


Freizeit gleich Null

Sein Engagement bei den Wallenstein-Festspielen bringt Winkelmann viel Freude. Aber es fordert auch seinen Tribut. Seit der heute 50-Jährige 2012 zum Hauptmann der Landsknechte Zeh gewählt wurde, frisst sein Hobby sämtliche Freizeit. Selbst außerhalb der Saison. Denn dann ist der Vollblutwallensteiner mit seinen Landsknechten unterwegs um die Festspiele zu repräsentieren und Werbung für sie zu machen. „Ich habe vor gut zehn Jahren einen Segelschein gemacht. Vor Kurzem bin ich zum ersten Mal dazu gekommen, ihn auch zu nutzen“, sagt er und lacht. Zu Festspielzeiten ist er rund um die Uhr beschäftigt.

Durch seine Rolle im Schiller-Stück und das Hauptmannsein bei den Landsknechten ist er gleich doppelt gefragt. Daran stört ihn eigentlich nur, dass er nicht überall gleichzeitig sein kann. „Wenn ich auf der Bühne stehe, kriege ich nichts vom Lagerleben mit. Das ist schon schade“, sagt er. Nächste Festspielsaison könnte sich das ändern, je nachdem wie der neue Regisseur von Schillers Wallenstein das Stück interpretiert. „Sollte der Wrangel nicht mehr vorkommen, werde ich das überleben“, sagt Winkelmann gelassen und fügt freudig hinzu: „Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf das, was kommt.

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