Die Wallenstein-Spiele fallen aus

Wallenstein folgt Eppelein

Sebastian Kögel als Wallenstein im Volksstück „Wallenstein in Altdorf“ 2018. Wie wenig er von der neuesten Verordnung des Rates der Freien Reichsstadt Nürnberg gegen die akademische Freiheit hält, demonstriert er, in dem er die Verordnung auf seinen Degen spießt. | Foto: Felix Röser2020/06/Altdorf-Wallenstein-Festspiele-scaled.jpg

ALTDORF – Die Altdorfer Wallenstein-Spiele fallen dem Coronavirus zum Opfer und daher aus. Weil der Festspielverein keine Chance sieht, sie 2021 wirtschaftlich abzusichern, sollen sie nun 2022 stattfinden.

Nach Eppelein muss nun auch noch Wallenstein der Corona-Pandemie weichen. Einstimmig beschloss die Vorstandschaft des Wallenstein-Festspielvereins inklusive Bürgermeister Martin Tabor, in Absprache mit dem Wichernhaus, die für nächstes Jahr geplanten Festspiele um ein Jahr zu verschieben und erst 2022 über die Bühne gehen zu lassen. Die Führungscrew des Vereins ist sich einig, dass Festspiele unter Hygiene-Auflagen, wie sie zurzeit herrschen, nicht möglich sind.

Allein der Mindestabstand von 1,50-Metern stellt große Probleme dar, hat er doch zur Folge, dass auf der Tribüne nur um die 200 Zuschauer Platz nehmen dürfen und nicht, wie sonst üblich, 630 Besucher. Durch die finanziellen Einbußen würden die Festspiele wirtschaftlich im Desaster enden. Beim Lagerleben auf dem Marktplatz sind die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln ebenfalls nicht umsetzbar. Schon gar nicht in der Langen Nacht. Die bestehende Maskenpflicht und Platz für maximal zwei Haushalte an einem Tisch nehmen den Reiz. Mit diesen Auflagen wären die Festspiele auch für die Marktplatzgruppen als Akteure des Lagerlebens unattraktiv und nicht rentabel.

Zu viele Unklarheiten

Die Entscheidung ist dennoch nicht leichtgefallen. Denn keiner kann zurzeit voraussagen, wie sich die Pandemie-Situation im Juni 2021 gestalten wird. Viele Szenarien sind möglich. Von „alles wieder normal“, über „alles wie im Augenblick“ bis hin zu „alles noch viel schlimmer“: Vieles ist denkbar und vor allem unklar. Um allen Beteiligten eine gewisse Planungssicherheit zu geben, erschien es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt notwendig, die Weichen für die nächste Festspielsaison zu stellen. Schließlich beginnen die Festspiele nicht erst im Juni nächsten Jahres, sondern mit den Vorbereitungen bereits in Kürze. Theaterproben waren ab Herbst geplant. Verträge mit Co-Veranstaltern, Künstlern und Tribünenbauern wären jetzt abzuschließen.

Bei einer kurzfristigen Absage würden die Festspiele in eine enorme finanzielle Schieflage geraten. Zudem wird nach augenblicklichem Stand der Dinge 2021 das große Jahr der Nachholtermine werden. Es wird eine Vielzahl an zusätzlichen Veranstaltungen geben, mit denen Wallenstein dann konkurrieren müsste.

Sicherheit für die Künstler

Der Verein hat sich auch darüber Gedanken gemacht, wie wichtig eine Rückkehr zur Normalität wäre und wie die Wallenstein-Festspiele einen wichtigen Beitrag leisten könnten. Gerade die Künstler, die derzeit gebeutelt sind, brauchen schnell wieder Auftrittsmöglichkeiten und Einnahmequellen. Die frühzeitige Absage der Festspiele gibt ihnen wenigstens die Möglichkeit, andere Engagements für das Jahr 2021 anzunehmen. Die Vorstandschaft ist sich einig, die Festspiele 2021 nicht einfach ausfallen zu lassen und dann 2024 wieder in den Normalbetrieb überzugehen. Die Festspiele werden daher nur um ein Jahr auf 2022 verschoben und sollen vom 25. Juni bis 31. Juli stattfinden.

Ob man danach wieder zum Drei-Jahres-Rhythmus (2025, 2028) zurückkehrt oder ausnahmsweise nach zwei Jahren die Festspiele wieder durchführt, um zum ursprünglichen Zeitplan zurückzukehren, steht derzeit noch nicht fest. Auch die Veranstaltung „Wallenstein vor der Tür“ kann im Herbst 2020 nicht stattfinden. 2021 soll dies nachgeholt werden, eventuell an einem Sommerwochenende auf dem Altdorfer Marktplatz – als kleines bescheidenes Trostpflaster für die ausgefallene Saison 2021. Die Gespräche mit der Stadt Altdorf laufen bereits. db

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