„Weltanschauungsmodelle“ in Rückersdorf

Hörl-Schau auf dem Dachsberg

Rudi Lacher, der Organisator der Kunstreihe im Blindeninstitut, hat Hörls Arbeiten nach Rückersdorf geholt. | Foto: Spieß2017/06/Bank-mit-Lacher-horl.jpg

RÜCKERSDORF — Das Blindeninstitut in Rückersdorf zeigt noch bis zum 28. August Arbeiten Ottmar Hörls aus dessen aufsehenerregender Werkreihe „Weltanschauungsmodelle“, die in den Jahren 2006 bis 2008 entstanden sind – und zwar in ganz neuen Perspektiven. Zur Ausstellungseröffnung gab es im stimmungsvollen Garten außerdem ein Konzert des Revueorchesters von Max Barnabas. Nur Hörl selbst war nicht da.

Zurzeit ist die Nürnberger Medienlandschaft wieder einmal vom „Hörl-Fieber“ infiziert. Nachdem im Jahr 2003 auf dem Nürnberger Hauptmarkt 7000 Dürer-Hasen aus Kunststoff zu sehen waren, sollen im September diesen Jahres 600 Plastik-Nachbildungen der berühmten Nürnberger Madonna von 1510 auf dem Kornmarkt in Szene gesetzt werden.

Und gerade jetzt schafft es Rudi Lacher, der Kultur-Macher vom Dachsberg, Hörl-Werke nach Rückersdorf zu holen. Erstaunlich, was der umtriebige Mann auf den Weg bringt, abseits der Großstadt, quasi auf der grünen Wiese. Und diese ist hier wörtlich zu nehmen: Denn die Plastiken Hörls sind – bis auf drei Exemplare im Foyer – alle im Außenbereich platziert. Sie sitzen auf einer Parkbank, auf Dächern und in Bäumen, je nach Modellvariante blicken sie durch Ferngläser oder halten ihre Hände vors Gesicht, schauen in die Umgebung, vielleicht auch in ferne Welten, oder verweigern sich der Wahrnehmung.

Nur kleine Stückzahlen

Die Ausstellungsmacher, Ottmar Hörl, Lacher mit seinem Team und Hörl-Assistentin Eva Schickler, haben tatsächlich aus der Not eine Tugend gemacht. Denn die großen Stückzahlen, die der Künstler gerne präsentiert, waren auf dem Dachsberggelände nicht unterzubringen. Also hat man eine geschickte Auswahl überall dort positioniert, wo es sich angeboten hat, nämlich vor allem in der Höhe. Und dadurch gewinnen die Arbeiten zwangsläufig neue Dimensionen: Zum einen ist ihr „Weitblick“ oben in den Bäumen und auf den Dächern tatsächlich möglich, zum anderen erhält das Augenverschließen dort eine neue Tragweite und Irritation. Und genau das bringt den Betrachter dazu, Hörls Ansatz, über Wahrnehmungsmechanismen nachzudenken, auf dem Dachsberg in konzentrierter Form zu folgen – dank der außergewöhnlichen Präsentation.

Die Hörl-Plastiken findet man überall auf dem Dachsberggelände, meist in der Höhe. Dort wirkt ihr Schauen und manchmal auch Wegschauen umso intensiver. | Foto: Spieß2017/06/horl-ausstellung-blindi-Dach7.jpg

Seit 2005 Hochschul-Präsident

Hörl, der als visionärer Stratege einer neuen öffentlichen Kunst gilt, ist seit 1999 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg tätig und leitet seit 2005 die Hochschule als Präsident. Zur Enttäuschung mancher Besucher konnte er wegen anderweitiger Terminverpflichtungen bei der Vernissage nicht anwesend sein. Schickler überbrachte sein Versprechen, im Oktober zu kommen, wenn Studenten von ihm eine Veranstaltung im Blindeninstitut gestalten.

Dadurch wurde, ungewollt und zwangsläufig, ein weiterer Ansatz seines Kunstverständnisses erfüllt: Nicht der elitäre Künstler als originärer Schöpfer sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Wirkung seiner Arbeiten, die veränderte Sehweisen hervorbringen.

Berühmte Broadway-Melodien

Den musikalischen Rahmen der Open-Air-Veranstaltung lieferten Max Barnabas und sein Revueorchester mit Weltmelodien vom Broadway. Mit einer Neun-Mann-Besetzung widmete sich die kleine Big-Band dem Repertoire um Cole Porter, George Gershwin und Richard Rodgers.

Max Barnabas und seine Bigband lieferten den musikalischen Rahmen für die Vernissage, bei der der Künstler selbst nicht anwesend sein konnte. Er hatte andere Termine und schickte deshalb seine Assistentin. | Foto: Spieß2017/06/max-barnabas-blindi-ausstellung-Revueorchester10.jpg
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