Einstimmung auf Advent

Ein Abend mit Stefan Grasse & Friends

Drei spielfreudige Vertreter ihres Fachs, die am Ende zwei Zugaben geben mussten: „Stille Nacht“ erklang getragen-schön, ehe der Bossa Nova „Deve ser amor“ dem Konzert ein flottes Ende bescherte.Erich W. SpießSpielfreude und hohes Niveau – drei Klangzauberer begeisterten in Fischbach ihr Publikum. Foto: Spieß2015/12/Stefan-Grasse-Trio.jpg

FISCHBACH – Das Stefan Grasse Trio Stefan Grasse (Gitarre), Bettina Ostermeier (Akkordeon, Klarinette) und Alex Fuchs (Kontrabass)) spielte auf Einladung des Fischbacher Kulturkreises deutsche und internationale Weihnachtslieder im Fischbacher Haus der Begegnung.

In jazzverwandter Manier vereinen sich in ihrem Programm  „Latin Christmas meets Classic“ traditionelle Melodien mit Rhythmen Lateinamerikas. Lieder wie „Lasst uns froh und munter sein“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Alle Jahre wieder“, „Still, still, still“ und „Feliz Navidad“ erklangen beim Grasse-Trio als Bossa Nova, Rumba, oder als Jazz-Nummern. In der Abteilung Klassik verwandelten sie ein Adagio von Bach in eine Jazz-Ballade, ein Prélude von Chopin in einen Bossa Nova und eine Mazurka des Romantikers Francisco Tárrega wurde zu einem Musette-Walzer.

Musiker von Format

Stefan Grasse, 1962 in München geboren, studierte Jazz- und klassische Gitarre. Er erhielt etliche Auszeichnungen und gab bis heute ca. 2000 Konzerte in vielen europäische Länder, Australien, Argentinien, China, Türkei und den USA. Seit 1993 hat Grasse 15 CD-Produktionen unter eigenem Namen veröffentlicht. Die Aufnahmen umfassen Musik der Renaissance bis zum Latinjazz, von namhaften Gitarristen bis zu eigenen Kompositionen.

Neben seiner Tätigkeit als Konzertgitarrist und Musikproduzent ist Grasse künstlerischer Leiter des Festivals „Nürnberger Gitarrennächte“.

Bettina Ostermeier (Akkordeon/Klarinette) hat seit 2010 die Position der musikalischen Leiterin des Schauspielhauses am Staatstheater Nürnberg inne. Sie studierte klassisches Klavier und arbeitet neben konzertanter Tätigkeit sowohl im Kleinkunstbereich als auch an Stadttheatern des bayerischen Raumes, u.a. als Korrepetitorin, Orchestermusikerin, Arrangeurin und Komponistin. Dritter im Bunde war Alexander Fuchs (Kontrabass). Er studierte im Fachbereich Jazz-Bass. Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet und ist außerdem als Referent beim jährlich stattfindenden Workshop „Band at Work“ in Pforzheim tätig.

Vertraut und doch neuartig

Stefan Grasse wurde von der Kritik u.a. als  „technisch brillanter“ Musiker (NN), als „Saiten-Paganini“ (AZ) und „Meistergitarrist“ (NN, BR) gefeiert. Mit seinen kongeniale Begleitern, der Multiinstrumentalistin Bettina Ostermeier (an diesem Abend Akkordeon und Klarinette) und dem jungen Kontrabassisten Alexander Fuchs zauberten sie vertraute, aber doch völlig neuartige Klänge.

Grasse und Ostermeier schenkten sich in puncto feinster Sololeistung nichts und der Bassist zeigte, dass er nicht nur für das Fundament zuständig war und überzeugte mit etlichen sehr melodiösen Einzelpassagen.

Für Traditionalisten war das natürlich nichts, aber für alle, die „die Melodien gerne neu entdecken“, so Grasse, der das Programm auch charmant moderierte.

Und so interpretierten sie etwa die Prélude Nr. 4 von Chopin mit elegisch verspielter Klarinette und Bachs berühmtes Menuett für seine Frau Anna Magdalena tänzerisch-leicht. Wunderbar gelungen dabei die Verbindung des klassisch vorgetragenen Anfangs mit dem Mittelteil als Musette-Walzer und dem Ende wiederum in „Originalstimmung“.

Dass „O Tannenbaum“ zu einem wilden Ritt über die Tasten der Akkordeonistin wird, das gelingt nur, wenn es von Musikern gespielt wird, die ihr Handwerk auf hohem Niveau ausführen – und eben keine Scheu haben, auch einmal etwas Neues zu wagen.

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