DHT entwickelte mit Altdorfer Schulklasse interaktives Theaterstück "Anders!Sein!"

Das Fremde entfremden

Szene aus dem Klassenzimmertheaterstück Anders!Sein!: Was ist das denn? Der Materietransmitter spuckt ein grün-gelbes Geschenk aus dem All aus. | Foto: Hornung2017/04/Altdorf-GS-DT-Anders-Sein.jpg

ALTDORF – Theater in der Schule: Als Patenklasse darf die 3E der Altdorfer Grundschule zuerst sehen, was aus ihrer Zusammenarbeit mit dem Dehnberger Hoftheater geworden ist. Eine Begegnung der besonderen Art: Mit Ommi, Böhlewind, Präsident Chiwawa und dem ein oder anderen Eigenen.

Noch können die Schülerinnen und Schüler sie nicht sehen. Sie hören sie aber bereits: „3269 Zentimeter, 1942 Zentimeter…“, zählt eine Frauenstimme vor der Tür ihres Klassenzimmers. „Das ist doch eine Schule,“ versucht eine Männerstimme sie zu unterbrechen, „- irgendwas stimmt hier nicht!“ Dann fliegt die Tür auf und plötzlich stehen die beiden, denen die Stimmen gehören, mitten im Zimmer. Die Kinder lachen. Die Schauspieler sind keine Unbekannten für sie.

Gemeinsam mit ihrer Patenklasse, der 3E der Grundschule Altdorf, erarbeiteten Schauspielerin Veronika Conrady und Schauspieler Florian Elschker unter der Regie von Theaterpädagogin Nicole Schymiczek vom Dehnberger Hoftheater in den vergangenen Wochen die Inszenierung „Anders! Sein!“. Der Text stammt von Kinderbuchautor Thomas Klischke. In der Vorpremiere bekommen die Kinder erstmals die fertige Fassung und die Akteure in ihren Kostümen zu Gesicht. Ein spannendes Ereignis für beide Seiten!

Von der Tür durch den Raum, mitten durch die Kinder, über einen Tisch, zum Fenster in der gegenüberliegenden Ecke hastet die Frau mit den weißen Haaren und dem silbernen Kleid. Mit einem kleinen schwarzen Gerät, das sie von sich weg streckt, scheint sie auf der Suche nach einem Signal zu sein. Gespannt verfolgen die Kinder, was geschieht. Der Mann im grauen Anzug zieht die silberne Frau zurück in die Mitte des Zimmers. Erstmal vorstellen: „Das hier ist Ommi, der Depolmat. Genauer: H27Omega. Kurz: Der Ommi.“ Und der Mann? Das ist Bernd Böhlewind, Dealienator. „Das Fremde von den Fremden zu entfremden“, das ist seine Aufgabe und sein Lebensinhalt.

Abgesandte der V.I.W.

Ommi und Bernd sind Abgesandte der Vereinigten Intergalaktischen Weltraumbehörde -V.I.W. – und damit beauftragt einen grandiosen Empfang vorzubereiten. Denn: Außerirdische befinden sich im Anflug auf die Erde. Sie landen in „39 Minuten 51 Sekunden“. Aber wo befinden sich die Experten für intergalaktische Kommunikation? In einem Klassenzimmer? Die Koordinaten sind doch richtig… Egal, keine Zeit für Zweifel – die Zeit drängt und die Schülerinnen und Schüler, die sind „pfiffig, drollig, zuverlässig, visionär, …“, wie Ommi mit ihrem Lesegerät feststellt. Und überhaupt bestens geeignet für einen Akt extraterrestrischer Freundschaftsbildung, denn „Kinder haben keine Angst vor unbekannten Gästen aus dem Weltraum!

Schon sind die Kinder mittendrin und nicht mehr nur die Schauspieler, auch sie selbst sind Akteure der Geschichte. Da das Handbuch für extraterrestrische Begrüßungsrituale nicht weiterhilft, sind die Kinder gefordert: „Wie begrüßt man Aliens?

Die Finger schnellen in die Höhe. Jede und jeder hat eine Idee. Elschker sammelt die Vorschläge an der Tafel, Conrady probiert sie mit roboterhaften Gesten aus: Hallo sagen, tanzen, verbeugen, Hände schütteln, eine Party feiern, zu einer Kreuzfahrt einladen…

Von Anfang bis Ende voll dabei: Die Schülerinnen und Schüler der 3E trugen die Aufführung in ihrem Klassenzimmer als Akteure wie als Zuschauer begeistert mit.2017/04/Altdorf-GS-DT2.jpg

 

Aber was, wenn die Aliens diese Gesten überhaupt nicht verstehen? Wie kommunizieren Außerirdische überhaupt? Kann man mit ihnen sprechen? „Wir haben unsere Geschichte über das „anders sein“ ins All verlagert, weil wir uns nicht festlegen wollten, was für eine Andersartigkeit das ist“, sagt Ina Gombrich, Theaterpädagogin, die Öffentlichkeitsarbeit für die Inszenierung macht.

Recht auf individuelles Sein

Letzten Endes geht es um eine Grundregel des Menschseins: „Jeder hat das Recht auf sein individuelles Sein und in diesem Sein verhält sich jeder Mensch anders.

„Um das Ende vorwegzunehmen:“, steht im Programm, „Es wird nicht zu einer extraterrestrischen Begegnung kommen. Aber die Klasse wäre vorbereitet!“

In interaktiven Szenen bringen die Kinder ihre ganz eigenen Ideen ein, welches Bild von der Menschheit und der Erde sie den außerirdischen Besuchern mitgeben möchten und malen und präsentieren und zeigen einander kurze Spielszenen. „Um das auszuprobieren, war die Zusammenarbeit mit der Klasse sehr wichtig“, sagt Regisseurin Nicole Schymiczek. Aber nicht nur als Probe-Mitspieler auch als Kritiker waren die Schülerinnen und Schüler gefragt. „Viele ihrer Ideen sind eingeflossen“, sagt Gombrich. „Sie waren aufgeschlossen, aber auch total ehrlich und kritisch.“ Ein letztes Mal geben die Kinder der Altdorfer Patenklasse nach Ende der Aufführung Feedback, denn schon am nächsten Tag findet die Premiere in einer Klasse in Ottensoos statt. Und dieses Mal ist das Feedback durchwegs positiv! Die Theatermacher sind bestens gerüstet für die Begegnung mit einer „anderen“ Klasse.

Auf Einladung von Schulen kann das interaktive Klassenzimmertheaterstück „Anders!Sein!“ des Dehnberger Hoftheaters ab sofort in die Klassenzimmer „gebeamt werden“. Altersempfehlung: ab Jahrgangsstufe drei. Dauer: 90 Minuten. Weitere Informationen: www.dehnbergerhoftheater.de.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung
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